Wer kennt es nicht? Nach langer Standpause öffnet man das Wohnmobil und statt voller Vorfreude den Wohnbereich festlich betreten zu können, rümpft man unwillkürlich erstmal die Nase. Was um Himmels willen ist nur dieser Geruch? Wenn man Glück hat, empfängt einen nur etwas modrige, abgestandene Luft, die man mit ausgiebigem Lüften recht schnell wieder losbekommt. Doch es gibt oft auch andere, sehr penetrante Gerüche im Wohnmobil, für die man schweres Geschütz auffahren muss. Welche Ursachen es dafür gibt und wie man den unangenehmen Mief wieder los wird bzw. dem ganzen vorbeugen kann, wollen wir uns im folgenden etwas näher anschauen.

Feuchtigkeit bei langer Standzeit

Der große Feind des Wohnmobils ist die Feuchtigkeit. Diese kann man relativ einfach „riechen“, denn sie hat einen sehr eigenen, sehr charakteristischen Geruch, den wirklich jeder kennt. Weist das Wohnmobil einen solche Mief auf, so sollte schnellstens nach den Ursachen gesucht werden. Ist die Feuchtigkeit erstmal im Fahrzeug, setzt sie sich schnell überall fest, wenn man nicht rechtzeitig gegen sie vorgeht. Nicht lange und Schimmelpilze gedeihen bei diesem klammen Klima im ganzen Fahrzeug.

Matratzen, Polster, Vorhänge und Kissen sind besonders von Schimmelbefall betroffen. Jedoch können sich Schimmelsporen praktisch überall absetzen, selbst auf glatten Oberflächen von Möbeln, Armaturen oder Wänden. Bei großflächigem Befall kann dies zu gesundheitlichen Beschwerden führen, wenn die Sporen durch die Raumluft eingeatmet werden. Atemwegsbeschwerden, Kopfschmerzen und Hautausschläge sind nur einige wenige Symptome, die durch Schimmelpilze hervorgerufen werden können.

Betten sollten deshalb in der Winterpause abgezogen, sowie Matratzen und Polster aufgestellt werden, damit die Luft besser zirkulieren kann. Kissen, Kleidungsstücke und sonstige Textilien sollte man lieber aus dem Wohnmobil für die Zeit der Winterpause entnehmen.

In extremen Fällen fängt das ganze Interieur bei starkem Feuchtigkeitsbefall an zu gammeln und ein modriger Geruch macht sich im ganzen Wohnmobil breit. Nimmt das ganze Ausmaße an, die weit über eine „normale“ Feuchtigkeit hinausgehen, sollte man prüfen, ob es nicht irgendwo im Aufbau eine Fuge gibt. Dringt z.B. Regenwasser an undicht gewordenen Stellen in die Wände ein, so können die Holzbauteile im Inneren leicht verfaulen und an Stabilität verlieren. Meist bemerkt man einen solchen Wasserschaden leider erst, wenn es zu spät ist und eine Reparatur geht in die Tausende von Euros.

Es ist also von Vorteil, wenn man bei langen Standpausen öfter nach dem Rechten sieht, selbst wenn es nur für einen kurzen „Geruchstest“ ist. Bei stark modrigem Geruch sollten die Alarmglocken schrillen und vorsichtshalber eine Dichtigkeitsprüfung beim Experten veranlasst werden.

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Foto von vanbeets von iStockphoto

Toilette und Grauwasser

Für niemanden überraschend dürfte die Tatsache sein, dass die Toilette der Grund für eine starke Geruchsbelästigung sein kann. Selbst während der Nutzung des Wohnmobils kann die Toilette bei unzureichender Pflege und Reinigung zur Herausforderung für die Nasse werden. Kassettentoiletten werden nicht umsonst mit teils starken chemikalischen Mitteln versetzt, damit dies vermieden werden kann. Nun stelle man sich vor, dass in der Winterpause der Schwarzwassertank/die Toilettenkassette nicht ausreichend gereinigt oder sogar gar nicht geleert wurde. Menschliche Ausscheidungen fangen schon nach kurzer Zeit an, unangenehme Faulgase zu bilden, die sich über Wochen im Wohnmobil ausbreiten und festsetzen können.

Auch der Grauwassertank kann mit der Zeit regelrecht zu stinken anfangen. Denn nicht nur Seifenwasser, Zahnpasta und Spülwasser gelangt in den Abwassertank. Dazu kommt gerne auch das höchst nährstoffreiche Nudelwasser, übriggebliebene Soßenreste, die Milch der Frühstücksflocken der Kinder etc. Wenn man sich überlegt, was man tagtäglich ohne nachzudenken in den Abguss zu Hause schüttet, kann man sich einfach vorstellen, was für ein Süppchen dort im Wohnmobil im Grauwassertank zusammenbraut. Schon auf der Fahrt bekommt man gerne einen ersten Geschmack davon, wenn durch das Schwappen und trotz Siphon der „Duft“ über die Leitungen wieder nach oben kommen. Dieses Gebräu sollte man logischerweise nicht den ganzen Winter im Wohnmobil lassen, wenn man eine böse Überraschung vermeiden möchte.

Lebensmittel und Kühlschrank

Bevor man das Wohnmobil in den Winterschlaf schickt, sollte man den Kühlschrank nicht nur gründlich putzen, sondern auch einen Spalt weit offen lassen, so dass er nicht zu muffen beginnt. Zudem sollte man alle Schränke nochmals gründlich durchgehen, ob man nicht doch Lebensmittel darin vergessen hat, welche vergammeln oder auch Ungeziefer anziehen könnten. Denn was man auf alle Fälle vermeiden möchte, ist der Einzug einer Maus-Familie im Wohnmobil. Abgesehen von den durch die Nager beschädigten Möbel und dem Geruch nach Kot und Urin, besteht die Gefahr, dass eines dieser Tierchen im Fahrzeug verendet. Der daraus resultierende Verwesungsgeruch ist nicht nur sehr eklig, sondern auch schwer wieder loszuwerden. Vor allem, wenn der Kadaver der Maus in einem unzugänglichen Hohlraum liegt.

Eigengeruch der Wohnmobil-Besitzer

Normalerweise riecht man seinen körpereignen Duft nicht. Doch auch wenn man ihn selbst nicht wahrnimmt, so ist er doch imprägniert z.B. in der eigenen Wohnung. So wie wir beim Besuch von Freunden und Bekannten deren „Nuance“ in ihren Unterkünften wahrnehmen, so passiert ihnen dasselbe bei uns zu Hause. Erst, wenn man das eigene Zuhause lange nicht betreten hat (z.B. aufgrund einer Geschäfts- oder Urlaubsreise), vernimmt man kurzzeitig diesen Eigengeruch.

Dasselbe passiert umso stärker beim Wohnmobil. Man muss bedenken, dass hier auf kleinstem Raum gelebt, geschlafen und gekocht wird. Und alles lagert sich in Polstern, Teppichen etc ab. Da könnte der kalte Rauch dabei sein, wenn die Besitzer Raucher sind. Oder auch der charakteristische Geruch nach Hund, den man auf Reisen nicht wahrgenommen hat, jedoch nun unverkennbar in der Luft hängt. Oder auch das Mischmasch aus Sonnencreme und Schweiss vom letzten Sommerurlaub auf den Polstern der Sitzecke.

Um diese Gerüche loszuwerden reicht ein Raumspray nicht aus. Dieses wird lediglich für kurze Zeit den Mief übertünchen, doch die ursprüngliche Quelle nicht beeinträchtigt. Will man gegen die Ursache vorgehen muss man Matratzen, Polster, Teppiche, Vorhänge etc. tiefenreinigen.

Vorhänge und teils auch Teppiche sind dabei am einfachsten zu reinigen: einfach ab in die Waschmaschine und das Problem erledigt sich im Handumdrehen. Sind die Sitzpolster abziehbar, kann man dasselbe mit den Bezügen tun. Ist dies nicht möglich, empfiehlt es sich für die Polster und die Matratzen die Reinigung mit einem speziellen Waschsauger, den man bei Fachgeschäften oder Baumärkten mieten kann.

Fotos von iStockphoto (DeRepente, Halfpoint, denozy, mis1il, Studio Driehoek, Chanon Massayakong)

Auslöser täglicher Gerüche im Wohnmobil

Schon auf der Reise selbst kann man aktiv vorbeugen, dass sich unangenehme Gerüche im Wohnmobil festsetzen. Hier einige Beispiele:

Kochen: Nur wenige Wohnmobile verfügen über eine Dunstabzugshaube, weshalb beim Kochen sehr schnell der komplette Innenraum nach Essen riechen kann. Während des Zubereitens der Mahlzeiten selber kann dieser Duft sogar ansprechend sein und einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Doch spätestens beim aufwachen am nächsten morgen möchte man den gebratenen Fisch vom Vortag nicht mehr in der Nase haben. Deshalb empfiehlt es sich -wenn möglich- bei besonders geruchsintensivem Kochen möglichst alle Fenster geöffnet zu haben. Zusätzlich kann man einen kleinen Tischventilator so positionieren, dass der Geruch direkt zum Fenster oder zur offenen Tür hin geblasen wird. Im Sommer ist ein solches Vorhaben meist kein Problem, doch beim Wintercamping im Skigebiet wird dies wohl keine Alternative sein. Deshalb sollte man in diesem Fall möglichst von geruchsintensiven Mahlzeiten Abstand nehmen.

Grillen: Camper grillen für ihr Leben gerne! Dabei ist Gegrilltes nicht nur lecker, sondern es findet auch im Freien statt, wodurch das Innere des Wohnmobils nicht durch die Geruchsentwicklung leiden muss. Voraussetzung ist natürlich, man vergisst nicht, die Fenster und Türen zu schließen, damit der Rauch nicht eindringen kann.

Teenager: Eltern heranwachsender Kinder werden sofort wissen, was gemeint ist. Man denke einfach nur an das Jugendzimmer eines Teenagers und schon hat man einen Eindruck davon, wonach das komplette Wohnmobil in kürzester Zeit riechen könnte. Damit es nicht soweit kommt, muss man leider etwas hinterher sein, dass die lieben Kinder ihre körperliche Hygiene etwas ernster nehmen, sowie gebrauchte Socken und verschwitzte T-Shirts nicht einfach in der Gegend herumliegen lassen. Häufig werden größere Teenager auch einfach „ausgelagert“ und schlafen im Zelt vor dem Wohnmobil (natürlich nur auf sicheren Campingplätzen), was jedoch auch für die Heranwachsenden kein Problem ist, da sie gerade in diesem Alter selbst ganz froh um ein bisschen mehr Privatsphäre sind.

Hunde: wenn man schon mit dem Hund und Wohnmobil unterwegs war, dann kennt man das Problem des „nassen Hundes“. Auch wenn sie noch so gepflegt sind riechen nasse Hunde sehr streng, vor allem je größer der Hund und je länger das Fell. Erwischt einen lediglich ein schneller Sommerregen oder war der Hund im Fluss/Meer baden, dann kann man die Chance nutzen und den Hunde gleich komplett mit einer Außendusche waschen und danach ausgiebig bürsten und mit dem Handtuch trocknen. Den Rest übernimmt die Sonne. Doch was, wenn man leider nur Regentage hat und es zudem auch kalt draußen ist? Egal wie man den Hund auch abtrocknet, so ganz wird er nie trocken werden und draußen lassen kann man das Tier natürlich auch nicht. Was genau ist also die Lösung, damit nicht das ganze Wohnmobil in kürzester Zeit nach Hund müffelt? Ganz einfach: die Fellnase vor Niederschlag schützen. Wie kann man das am besten tun? Mit einem Hunde-Regenmantel! Was viele (Nicht-)Hundebesitzer als unnötiges Schickimicki-Hundeassesoire abtun, hat in diesem Fall tatsächlich die gewünschte Wirkung eines ganz normalen Regenmantels. Der Körper bleibt trocken und damit geruchsneutral. Da ist es egal, ob man seltsame Blicke auf sich zieht beim Gassigehen. Bei Regenwetter sollte man Hunde am besten immer an der Leine haben, denn es gibt genügend, die Pfützen ganz toll finden und sich mit Genuss in die braune Lache legen. Da hilft dann auch kein Regenmantel mehr.

Nasse Klamotten: Nicht nur Hunde haben das Problem der Nässe, auch Menschen können nach einem kräftigen Regenschauer unangenehme Gerüche ins Wohnmobil tragen. In diesem Fall nicht durch Haare oder Haut, sondern durch Klamotten und Schuhe. Vor allem bei sportlicheren Aktivitäten wie Wandern, Skifahren, Langlaufen, Biken etc. Da kommt es schon vor, dass die Kleidung von außen durch Niederschlag (Regen, Schnee) nass ist und zudem noch die Kleidung darunter durch den verursachten Schweiß. Im Sommer können diese Klamotten einfach an eine Wäscheleine vor dem Wohnmobil gehangen werden. Doch im Winter oder einfach bei Regenwetter ist dies nicht möglich. Somit muss man im eh schon kleinen Raum auch noch nasse Klamotten irgendwie aufhängen, in der Hoffnung dass sie schnell trocknen. Ganz zu schweigen von den (nassen) Schuhen. Meist wird alles ins Bad verbannt und die Türe geschlossen. Wenn alle Stricke reißen, dann kommen die Klamotten in einen Plastiksack und werden erst wieder bei der nächste Waschmöglichkeit herausgeholt.

Zigaretten und Zigarren: unumstritten wohl einer der hartnäckigsten Gerüche, die man jedoch auch genau so einfach vermeiden kann. Kann man sich dazu aufraffen, tatsächlich nur noch im Freien zu rauchen, dann wird es dem Interieur des Wohnmobils gut tun. Nicht nur die Luft wird weniger belastet, sondern auch die Wände, Möbel etc bekommen nicht den typischen Gelbstich.

Regelmäßiges Lüften

Haben sich Geruchsbakterien erst einmal im Wohnmobil fest, ist es sehr aufwendig, diese wieder loszuwerden. Zwar gibt es verschiedene Sprays, die im Gegensatz zu parfümierten einfachen Raumsprays nicht nur den Geruch kurzfristig übertünchen, sondern auch langfristig unterdrücken können. Doch ganz los wird man den Mief trotzdem nicht. Das schon angesprochene Waschen aller Textilien und Tiefenreinigung der Polster und Matratzen ist von Nöten.

Chemische, professionellere Anwendungen können zwar als Alternative ebenfalls und vermutlich schnellere Abhilfe schaffen, doch bergen sie  gesundheitliche Risiken (z.B. Ozongeneratoren) oder sind sehr teuer (z.B. Kaltvernebelungen mit Kochsalzlösungen).

Die einfachste Möglichkeit zur Vorbeugung von bleibenden Gerüchen ist und bleibt das regelmäßige Lüften! Mit 2-3 mal Stoßlüften am Tag wird die verbrauchte, geruchsgeladene und vor allem feuchte Luft zum großen Teil aus dem Fahrzeug verbannt. Auch im Winter kann dies problemlos druchgeführt werden und hat sogar den Vorteil, dass sich die dadurch eindringende frische, sauerstoffhaltige Luft schneller erwärmt als die vorherige verbrauchte. Somit muss man nicht um den Verlust der Heizleistung fürchten.

Titelfoto von Prostock-Studio von iStockphoto

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Oftmals ist der Siphon schuld, der aufgrund des Schwankens auf der Fahrt leergefallen ist und die Gerüche aus dem Abwassertank nicht mehr zurückhalten kann.

Grauwasser kann zu faulen beginnen, wenn aufgrund der vielen Nährstoffe (z.B. vom Nudelwasser) der Bakterienwachstum gegünstigt wird.