Der Winter naht mit Riesenschritten und mit ihm die ewige Frage „Sommerreifen behalten? Allwetterreifen? Winterreifen?“ Während es bei uns in Deutschland jeder mehr oder weniger für sich entscheiden kann, weil hier eine „situative Winterreifenpflicht“ herrscht, sieht das in anderen Ländern anders aus. So hat beispielsweise unser Nachbarland Frankreich – eines der beliebtesten Ziele zahlreicher Wohnmobilisten aber auch ein Muss für Reisende auf dem Landweg nach Spanien oder Portugal – erstmalig im vergangenen Jahr für bestimmte Streckenabschnitte beziehungsweise Gegenden eine Winterreifenpflicht eingeführt.

Wir wollen uns heute einmal ein wenig näher damit beschäftigen und eventuell noch offene Fragen klären.

Warum betrifft mich das?

Darüber, dass eine richtige, sichere Bereifung ebenso wichtig ist wie gut funktionierende Bremsen, sollten wir gar nicht erst reden. Das ist eine Selbstverständlichkeit zu deiner eigenen Sicherheit aber auch zu der der Mitfahrer und anderer Verkehrsteilnehmer. Das gilt natürlich auch – vielleicht sogar erst recht – bei Glätte und Schnee, also im Winter. Bevor du dich mit Schneeketten auseinandersetzt solltest du dein Camper winterfest machen.

Aber Frankreich appelliert gar nicht erst an die Vernunft der Autofahrer, sondern regelt deren Sicherheit per Gesetz. Daher muss jeder, der die französische Grenze überschreitet, wissen, ab wann und wo Winterreife beziehungsweise Schneeketten vorgeschrieben sind. 

Die Winterreifenpflicht ist aber nicht nur eine einfache Verordnung aus einer Laune heraus, vielmehr hat sich Frankreich einiges dabei gedacht:

Spezielle Risiken beim Befahren vereister oder verschneiter Straßen sollen vermindert werden.

Blockierungen auf Straßen – speziell an Steigungen – durch Fahrzeuge mit falscher Bereifung werden somit besser verhindert.

Wenn du nun argumentierst, du wolltest doch nicht in die Berge oder du willst gar nicht nach Frankreich sondern nach Spanien, Portugal oder Marokko, so sei dir gesagt: Schön und gut, aber irgendwo und irgendwann kommst du (eventuell) an eine Stelle, wo Winterreifenpflicht besteht. Wirst du mit falscher Bereifung erwischt, selbst wenn die Straßen schneefrei und trocken sind, zieht das heftige Strafen nach sich. 

Wer ist betroffen?

Generell sind alle Fahrzeuge mit vier und mehr Rädern – also auch unsere Wohnmobile –, die auf französischen Straßen fahren, betroffen. Dabei ist es vollkommen gleichgültig, ob du im den Ski-Urlaub, auf dem Weg zur Fähre oder nur auf der Durchreise zum Überwintern unterwegs bist. 

Woran erkenne ich Winterreifen-/Schneekettenpflichtzonen?

Folgende Beschilderungen weisen dich auf derartige Pflichten hin:

Winterreifen (Pneus neige)

Neue, offizielle Schilder zeigen den Verkehrsteilnehmern seit letztem Jahr die Bereiche, in denen die Winterreifenpflicht beginnt beziehungsweise wo sie endet. Es handelt sich dabei um die Schilder (Panneau) B58 und B59. Beide sind rechteckig mit abgerundeten Ecken. Beide haben im oberen Bereich das Piktogramm dreier Berggipfel und darunter einen stilisierten Koffer mit Schneeketten sowie daneben das Piktogramm für (Winter)Reifen. Während das Zeichen für den Beginn rot umrahmt ist sowie zwischen Bergzinnen und Winterausrüstung das Wort „ZONE“ steht, ist das Schild fürs Ende schwarz umrahmt, trägt den Schriftzug „FIN DE ZONE“ und hat eine dicke schwarze, durchstreichende Linie. 

Auf einigen Verkehrsschildern ist zusätzlich der generelle Zeitpunkt (01. November bis 31. März) angegeben.

Schneeketten (Chaînes à neige)

Das Schild B26, ein rundes blaues Schild mit Piktogramm eines weißen Reifens mit blauen Schneeketten, bedeutet dir, dass das Tragen von Schneeketten auf schneebedeckter Fahrbahndecke verbindlich ist. 

Wenn du statt mit Schneeketten auch lediglich mit Winterreifen fahren darfst, steht unter dem Schild „Pneus hiver admis“ oder „Pneus neige admis“ (Winterreifen erlaubt).

Übrigens kannst du die Schilder kaum übersehen. Selbst auf kleineren Straßen blicken sie dir entgegen, wobei sowohl der räumliche Beginn als auch das Ende gekennzeichnet sind. 

Wo gilt die Winterreifenpflicht?

Auf unserer Fahrt durch Frankreich von Februar bis Juli dieses Jahres fanden wir sie an relativ vielen Orten über ganz Frankreich verteilt. Die meisten entdeckten wir im Jura, in der Region Auvergne-Rhône-Alpes und natürlich in den Pyrenäen. In den Alpen waren wir nicht, aber dort stehen sicherlich noch viel mehr.

Es ist also davon auszugehen, dass die Winterreifenpflicht auf bergigen Strecken beziehungsweise in gebirgigen Départements ausgerufen wird. Da einige dieser Gebiete an der deutsch-französischen Grenze oder aber an der Grenze zu Belgien, Luxemburg beziehungsweise zur Schweiz liegen, die wir auf unserer Fahrt nach Frankreich möglicherweise passieren, andere sich wiederum an der französisch-spanischen Grenze und am Übergang zu Andorra befinden, ist es nur logisch, dass du irgendwann da durch musst, wo Winterreifenpflicht besteht. 

Wer an weiteren Angaben interessiert ist, findet diese unter www.securite-routiere.gouv.fr/chacun-son-mode-de-deplacement/dangers-de-la-route-en-voiture/equipement-de-la-voiture/nouveaux. Dabei handelt es sich um eine „carte prévisionelle“, also eine Karte, die eine Art Vorschau bietet. Das lässt darauf schließen, dass sich Standort und eventuell auch Zeitspanne jederzeit ändern können.

Ersichtlich ist, dass in folgenden Regionen in jedem Fall Winterreifenpflicht gilt: 

  • Vogesen
  • Alpen
  • Pyrenäen 
  • Juras 
  • Zentralmassiv 
  • Korsika

Da sowohl der örtliche Beginn als auch das Ende per Beschilderung deutlich angegeben sind, kannst du dich bei einer Kontrolle nicht rausreden, es nicht gewusst zu haben. 

Was bedeutet das genau?

Es ist keine situative, wie bei uns, und auch keine generelle Winterreifenpflicht, so wie beispielsweise in Bosnien-Herzegowina, sondern eine Winterreifenpflicht (und/oder Schneekettenpflicht), die per Beschilderung jeweils aktuell oder auch vorsorglich für einen bestimmten Zeit- und Streckenabschnitt gilt. Das heißt, manche der zuständigen Schilder können auch kurzfristig aufgestellt oder per Digitalanzeige temporär angezeigt werden. Das kann für dich bedeuten, dass du eventuell auf der Hinreise keine Winterbereifung, auf der Rückreise jedoch welche benötigst.

Und das ist Fakt:

Alle vier Reifen müssen das Alpine-Symbol, auch bekannt als 3PMSF* (Abkürzung für 3 Peak Mountain Snow Flake, frei übersetzt 3 Berggipfel & Schneeflocke), tragen.

M+S-Zeichen alleine zählt nicht, wird jedoch noch bis 01. November 2024 akzeptiert(s. u.). Sie müssen allerdings eine Profiltiefe von mindestens 3,5 mm aufweisen.  

Schneeketten statt Winterreifen sind erlaubt (s. u.) oder können sogar spezifisch angeordnet werden (siehe weiter oben).

Sogenannte „Allwetterreifen“ müssen momentan entweder die Bezeichnung „M+S“ oder aber das 3PMSF-Symbol tragen, damit du mit ihnen in Zonen fahren darfst, die Winterreifenpflicht vorsehen. 

Spikebereifung ist in der Verordnung ebenfalls als Alternative angegeben, allerdings macht das keinen Sinn, da diese bei uns – bis auf 15 km entlang der deutsch-österreichischen Grenze sowie das kleine Stück von Lofer bis Bad Reichenhall – verboten sind.  

*In der Regel tragen heute alle hochwertigen Winterreifen dieses Symbol, bei älteren Reifen oder Ganzjahresreifen solltest du lieber noch einmal nachschauen.

a) M+S-Reifen

Bei der Winterreifenpflicht werden zur Übergangsregelung noch bis zum 01. November 2024 M+S-Reifen als Winterreifen akzeptiert. Im Nachbarland Österreich sowie in Italien gelten sie generell als Winterreifen.  

b) Schneeketten

Zurzeit darf man meines Wissens nach auch Schneeketten anstelle von Winterreifen fahren. Sie müssen für mindestens zwei Antriebsräder vorhanden sein. Natürlich fährst du nicht permanent mit Schneeketten. Auf trockener Straße müssen sie aber an Bord deines Wohnmobils mitgeführt werden.

Dabei hast du die Wahl zwischen solchen aus Textil (auch „Schneesocken“ genannt) oder solchen aus Metall. Dabei haben beide unterschiedliche Eigenschaften beziehungsweise Vor- und Nachteile:

Metall- oder Textilschneeketten? Vor- und Nachteile in der Übersicht

Vorteile
Nachteile
Metall-Schneeketten (für häufigeren Gebrauch)
  • Widerstandsfähig
  • guter Grip
  • gutes Handling bei Eis & starkem Schneefall
  • lange Lebensdauer
  • teuer
  • schwierige Installation (sollte davor geübt werden!)
  • mehr Gewicht bei der Zuladung
Textil-Schneeketten (für seltenen Gebrauch)
  • kostengünstiger
  • einfachere Installation
  • weniger Gewicht
  • kürzere Lebensdauer
  • geringere Wirksamkeit bei Schneefall

Meiner Meinung nach ist das jedoch nur eine halbherzige Lösung für Reisen, auf denen du nicht zwingend mit winterlichen Verhältnissen rechnen musst. 

Übrigens müssen LKWs mit Anhänger – dazu zähle ich Wohnmobile über 3,5 t mit Anhänger (?) – zusätzlich zu Winterreifen zwei Schneeketten für die Antriebsräder an Bord haben.

Winterreifenpflicht umgehen, geht das?

Die Verordnung als solche kannst und darfst du keinesfalls außer Acht lassen, jedoch könntest du deine Fahrstrecke – solltest du vorhaben, Frankreich als reines „Transitland“ anzusehen – entsprechend planen. Das trifft beispielsweise Reisende nach Marokko, Portugal oder Spanien. 

Rein hypothetisch müsstest du dabei die bergigen Départements umfahren, in denen die Winterreifenpflicht gilt. Das könnte bedeuten, über Luxemburg oder Belgien einzureisen – wobei ich mir nicht sicher bin, ob die Ardennen nicht auch der Winterreifenpflicht unterliegen – und Bergregionen zu meiden. Aber mal ehrlich: Ob das wirklich funktioniert und ob es das wert ist, ein Risiko einzugehen?

Zudem musst du auf dem Weg in den Süden dann unbedingt das Massif central – das Zentralmassiv in der Mitte Südfrankreichs, zu dem u. a. die Cevennen und die Auvergne mit Skigebieten zählen – meiden. 

Ganz im Süden, auf dem Weg nach Spanien, könnten dir die Pyrenäen einen Strich durch deinen Plan machen, wenn du mitten durch möchtest. Hältst du dich jedoch stets entlang der Küste, dann musst du weder an der Mittelmeer- noch an der Atlantikküste mit Winterreifenpflicht rechnen. 

Ich behaupte generell, dass ganz Frankreich von bergigen Regionen durchzogen ist, in denen natürlich die neue Winterreifenpflicht gilt. Man glaubt es kaum, sogar im nur wenige Kilometer von der Küste entfernten Hinterland geht es häufiger mal bergauf (und naturgemäß wieder bergab). Und auch hier kann es zu glatten Straßen und Schneefall kommen. 

Die einzige andere Möglichkeit der Vermeidung lautet: Fahre nicht in der Zeit zwischen Anfang November und Ende März.

Alles meiner Meinung nach keine befriedigenden Lösungen, so dass ich denke, die richtige Winterbereifung ist – allein wegen deiner eigenen Sicherheit – ein Muss. Schließlich kann es ja immer mal zu Wetterumschlägen oder Wetterkapriolen kommen, wie ich selber schon erfahren musste. 

Welche möglichen Probleme könnten auftauchen?

Das größte Problem für uns Wohnmobilfahrer liegt darin, dass einige von uns spontan reisen und gerne auch mal ihre Fahrten zeitlich verlängern, andere wiederum generell Langzeitreisende beziehungsweise Über-verschiedene-Jahreszeiten-Reisende sind. Alles prima, nur leider kommt man dabei eventuell mit der Winterreifen- und Schneekettenpflicht in Konflikt: Bei 20°C und mehr bis nach Portugal oder Spanien mit Sommerreifen losgefahren – kein Problem – zwischenzeitlich beschlossen, noch etwas länger zu bleiben und erst im November zurückzukehren – schon eher problematisch. Was nun? 

Ich für meinen Teil würde immer auf Nummer Sicher gehen, wenn ich nicht genau weiß, wann ich unterwegs bin, denn selbst in Spanien kam es beispielsweise 2021 in Madrid, aber auch in Frankreich, zu einem außergewöhnlichen Schneechaos. 

Daher trägt mein Wohnmobil generell schicke „Schuhe“ mit drei Berggipfeln und Schneeflocke – zudem die stabileren mit dem Campingzeichen. Und wenn dem nicht so wäre, würde ich in der Zeit von Ende Oktober bis Ende März in jedem Fall entsprechende Winterreifen aufziehen.

Winterreifen für Wohnmobile

Reifen sind ein viel diskutiertes Thema. Braucht mein Wohnmobil Winterreifen oder reichen Ganzjahresreifen aus?

Alles über Winterreifen für dein Wohnmobil erfährst du hier!

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Bildnachweis: canva.com