Wer neu in der Camper Welt ist, dem wird schnell auffallen, dass Wohnmobil Fenster im Aufbau weder aus Echtglas noch aus Autoglas hergestellt sind. Stattdessen wird Acrylglas (Polymethylmethacrylat, PMMA) verwendet, was sich nun schon seit Jahrzehnten bewährt hat. Schon ca. 60 Jahre ist es her, dass die ersten Acrylglasfenster in Wohnmobile eingebaut wurden. Zuvor wurde es hauptsächlich bei Flugzeugen eingesetzt und so als zuverlässiges Material zu schätzen gelernt.

Die niederländische Firma Polyplastic hatte den Bedarf an Fenstern für Freizeitfahrzeuge erkannt, diese schließlich entwickelt und auf den Markt gebracht – mit einer revolutionierenden Wirkung. Bis zu diesem Zeitpunkt waren nämlich Fenster aus Echtglas in Wohnwagen und Wohnmobilen verwendet worden. Doch diese waren aufgrund ihrer Beschaffenheit eher sub-optimal: sie waren zu schwer, hatten eine ungenügende Wärmedämmung, waren weder splitter- noch bruchsicher und trotz allem sehr teuer.

Dass Polyplastic den richtigen Riecher bei den Acrylfenstern hatte -und weiterhin hat- spiegelt sich in den Zahlen wieder: 75% Marktanteil und verbaute Fenster in mehr als 4 Millionen Freizeitfahrzeugen sprechen für sich. Nur ein weiterer Wettbewerber konnte sich ebenfalls einen Namen im Bereich Wohnmobil Fenster machen: das deutsche Unternehmen Dometic-Seitz, welches vor allem die hochpreisigeren Fahrzeug mit Fenstern ausstattet.

Wohnmobil-fenster-kuechenfenster

Foto von cookelma von iStockphoto

Acrylglas Fenster im Wohnmobil

Dass Echtglas bei Freizeitmobilen keinen Sinn macht, dürfte sicher jedem einleuchtend sein. Spätestens wenn man ungebremst in ein tiefes Schlagloch fährt, ist man froh, dass das Acrylglas (Plexiglas) erfunden wurde. Denn sonst wäre vermutlich das gesamte Wohnmobil danach voller zerbrochener Scheiben.

Beim Acrylglas selbst gibt es zwei Herstellarten: das Plexiglas kann entweder gegossen oder auch gepresst werden. Das gegossene ist etwas dicker als das gepresste Acrylglas, doch hat gleichzeitig eine höhere Temperaturbeständigkeit.

Wärmedämmung

Bleibt die Frage, weshalb man nicht einfach das für die Seitenfenster der PKWs genutzte gehärtete Autoglas herannimmt oder sogar das bewährte Verbundglas der Windschutzscheiben. Die Antwort hierfür ist einfach.
Wer schonmal im Wohnmobil in Winter unterwegs war, der wird es schnell gemerkt haben: das Fahrerhaus ist die reinste Kältebrücke, welche die Temperaturen bis in den Wohnbereich beeinflussen kann. Um dem entgegenzuwirken hilft u.a. eine Thermomatte, die von aussen über Windschutzscheibe und an den Seitenfenstern der Fahrer- und Beifahrertüren angebracht wird. So kann die Kälte nicht über die Fenster ins Fahrerhaus und so in den Wohnbereich gelangen. Denn Autoglas ist alles andere als ein gutes Wärmedämm-Material. Im Gegensatz hierzu sind die Acrylfenster des Aufbaus um einiges effizienter, wenn es darum geht die Kälte draußen und die Wärme im Wohnmobil zu behalten, und vice versa.

Isolierung

Da Wohnmobil Fenster in der Regel doppelt verglast sind, ist die angesprochene Wärmedämmung sehr gut. Dabei werden 2 Lagen entweder mit Spezialkleber oder durch Veschweißen miteinander verbunden. Dadurch entsteht zwischen den beiden Scheiben ein Luftpolster, welches eine isolierende Wirkung erzeugt.

Die Dämmung kann zudem noch durch das Anbringen von Rollos oder Vorhängen zusätzlich optimiert werden. Diese dienen nicht nur als Sichtschutz oder zur Verdunklung, sondern tragen dazu bei, dass die Wärme im Inneren des Fahrzeuges nicht verloren geht. Im Umkehrschluss sorgen sie im Hochsommer dafür, dass das Innere des Wohnmobils bei geschlossenen Rollos und Vorhängen länger kühler gehalten werden kann.

Wohnmobil-fenster-rollo

Foto von welcomia von iStockphot

Widerstandsfähigkeit

Obwohl das Material leichter und um einiges kostengünstiger ist, sind weitere herausragende Eigenschaften die hohe Alterungs- und Witterungsbeständigkeit. Weder Eis, Schnee, Regen oder Hagel können diesem Kunstgals etwas anhaben.  Selbst der Kontakt mit Öl oder Benzin hat keine negativen Auswirkungen. Acrylglas ist bruchfest und selbst im Falle eines Unfalls muss man keine Verletzungen durch Splitter befürchten.

Die einzigen Nachteile des Plexiglas ist die Kratzempfindlichkeit sowie die Korrisionsgefahr bei Kontakt mit Alkohol, Benzol oder Aceton, weshalb vor allem beim Reinigen sehr stark auf die Zusammensetzung der Reinigungsmittel zu achten ist. Es wird dazu geraten, sehr milde Reinigungsmittel zusammen mit einem Microfasertuch zu verwenden. Die Acrylfenster sollten immer feucht abgewischt werden, da sonst durch Staubpartikel bei trockener Reinigung das Plexiglas leicht zerkratzen kann.

Tipp: Über die Zeit kann man leichte Kratzer nicht immer vermeiden. Jedoch können diese mit speziellen Polierpasten recht einfach wieder „wegpoliert“ werden.

Licht und Lüftung

Acrylglas filtert UV- und Infrarotlicht in hohem Maße, hat jedoch eine Lichtdurchlässigkeit von bis zu 92%. Fenster im Wohnmobil sorgen nicht nur für angenehme Lichtverhältnisse, sondern dienen auch zum Luftaustausch. Gerade wenn viele Personen über einen längeren Zeitraum zusammen im Wohnmobil sind, kann die Luftqualität schnell sinken. Nicht erst seit Pandemie-Zeiten weiß man um die Vorteile einer regelmäßigen Durchlüftung.

Durch genügend Zufuhr frischer Luft verhindert man muffige Gerüche und auch Schimmelbildung wird vermieden. Das bedeutet natürlich nicht, dass man immer und überall die Fenster offen halten muss, was gerade im Winter zu unverhältnismäßig hohen Heizkosten führen würde. Regelmäßiges Stoßlüften dagegen ist jedoch sehr effektiv, um die feuchte, verbrauchte Luft aus dem Wohnmobil zu verbannen. Auch muss man nicht um den Verlust der Wärme bangen, da ein kurzfristiges Lüften nicht bedeutet, dass man im Winterurlaub fortwährend in der Kälte sitzen muss. Im Gegenteil: frische, sauerstoffreiche Luft erwärmt sich schneller und somit ist es kurz nach dem Lüften bald schon wieder mollig warm.

Fenstertypen im Wohnmobil

Generell lassen sich zwei Fenstertypen bei den Reisemobilen unterscheiden: die vorgehängten, also einfach aufgebauten Fenster und die Rahmenfenster. Hier eine kurze Übersicht über die Vor- und Nachteile der jeweiligen Acrylfensterart.

Vorgehängte Fenster

Ein vorgehängtes Fenster ist ein Ausstellfenster, das -wie der Name schon sagt- an der Außenwand des Wohnmobils oberhalb des Fensterausschnitts an einem Scharnier „hängt“ und so wie eine (durchsichtige) Klappe die Öffnung in der Wohnmobilwand bedeckt. Aufgrund dieser einfachen, kostengünstigen sowie reparaturfreundlichen Installation ist ein Austausch bei Bedarf sehr schnell möglich.

Beim Grundriss der Öffnung sind keine Grenzen gesetzt, da die vorgehängten Fenster in jeder gewünschten Form hergestellt werden können. Lediglich der Fensterausschnitt muss mit Holz verstärkt und mit einer Gummileiste abgedichtet werden. Verschlossen wird das ganze mit einem Kunststoffriegel.

Leider ist diese simple Beschaffenheit der vorgehängten Fenster auch gleichzeitig ein Nachteil, wenn es ums Thema (Einbruchs-)Sicherheit geht. Diese Plexiglas-„Klappen“ sind nicht sehr robust und deshalb sehr einfach und schnell aufzustemmen, darum erscheinen sie Einbrechern leider sehr attraktiv.

Auch interessant: Sicherheit im Wohnmobil – Einbruch und Diebstahl verhindern

Rahmenfenster

Bei den hochwertigeren, jedoch auch teureren Rahmenfenstern wird die Scheibe solide zwischen einen Außen- und Innenrahmen gespannt, was um einiges robuster und so einbruchshemmender wirken kann. Das Fenster kann nicht so einfach -wie bei den vorgehängten Varianten- aufgehebelt werden. Das Rahmenfenster gleicht optisch einem regulären Autofenster und kommt vor allem bei Kastenwägen zum Einsatz.

Im Gegensatz zur vorgehängten Fenstervariante, welche lediglich als Ausstellfenster zu bekommen ist, haben Rahmenfenster eine größere Varietät bei den Öffnungsmechanismen. Zusätzlich zu der Ausstellvariante gibt es sie als Schiebefenster oder in starrer Form.

Nachteilig ist, dass es bei der Formgebung keinerlei Flexibilität gibt, da lediglich rechteckige Rahmen möglich sind. Rahmenfenster sind zudem schwerer und aufgrund des höheren Aufwandes beim Einbau können die (Reparatur-)Kosten ebenfalls hoch ausfallen.

Wohnmobil-fenster-dachluke

Foto von welcomia von iStockphoto

Seiten-, Dach- und Heckfenster

Je nach Modell haben Wohnmobile Fenster an den unterschiedlichsten Stellen. Einige Reisemobile haben zu den normalen Seitenfenstern zusätzlich sogar wunderschöne Dach-Panoramafenster, die eine besonders angenehme Beleuchtung ermöglichen bzw. nachts den Blick auf den Sternenhimmel zulassen.

Heckfenster sind nicht in jedem Fahrzeug zu finden. Dies hängt jedoch damit zusammen, dass im Grundriss meist die Betten im Heck liegen und somit Fenster eher unvorteilhaft wären. Entweder mit dem Kopf oder mit den Füßen kann man bei Längsbetten an die Verdunklungsrollos stoßen und es besteht die Gefahr diese zu beschädigen. Befindet sich im Heck eine (Rund-)Sitzgruppe macht ein großes Heckfenster wiederum sehr viel Sinn und sorgt für einen gemütlichen, lichtdurchfluteten Innenraum. Auch bei der Fahrt kann dies von Vorteil sein, da man nach hinten nicht wie bei den anderen Wohnmobilen „blind“ ist.

Als eine sehr gute Lichtquelle und auch für den Luftaustausch sind Dachluken sehr praktisch. Um die gefährliche Ansammlung von Kohlendioxid vorzubeugen und einen kontinuierlichen Luftaustausch zu gewährleisten, gibt es bei den Dachluken Varianten mit einem sogenannten Zwangsbelüftungssystem. Hierbei besteht selbst bei verschlossenem Dachfenster immer ein gewisser Luftaustausch. Unter anderem kann nachts so das Anlaufen der Scheiben vermieden werden.

Vorteilhaft ist dieses System ebenfalls, wenn das Wohnmobil über einen längeren Zeitraum nicht benutzt wird, da die Feuchtigkeitsansammlung und somit die Schimmelbildung vermieden werden kann. Nachteilig ist jedoch, dass vor allem beim Wintercamping durch das stetige Eindringen von kalter Luft die Heizleistung in die Höhe geht und es unter der Dachluke ziehen kann. Einige Camper berichten gar von lauten Fahrgeräuschen, die als störend empfunden werden könnten.

Fazit

Welche und wieviele Wohnmobil Fenster optimal sind liegt -wie in bei so vielen Dingen- im Auge des Betrachters. Sicher werden sich mit den Jahren Prioritäten und persönliche Präferenzen herauskristallisieren. Unterm Strich werden Rahmenfenster jedoch als die elegantere und sichere Lösung erachtet, weshalb sie vor allem im Hochpreissegment Standard sind. Jedoch egal, welche Fenstertypen man auswählt, kann man sicher sein, dass das in beiden Fällen verwendete Acrylglas ihren Zweck erfüllen wird und mit ihrer bruchsicheren, wärmedämmenden und witterungsbeständigen Art die besten Voraussetzungen bietet.

Titelfoto von IAM-photography von iStockphoto

Luftentfeuchter im Wohnmobil

Sinn oder Unsinn?

Du möchtest Dein Wohnmobil ausreichend vor Feuchtigkeit und Schimmel schützen? Dann könnte Dich das interessieren…

 

Was ist ein Heki bei Wohnmobil?

Heki ist die Abkürzung für „Hebe-Kipp“-Dachluken bzw. Dachfenster in Wohnmobilen.

Im Wohnmobil sind entweder vorgehängte Fenster oder Rahmenfenster verbaut, jeweils hergestellt aus Acrylglas.