Früher oder später wird sich jeder Wohnmobil Besitzer mit dem Thema „Bordbatterie“ beschäftigen müssen. Hierbei wird man recht schnell feststellen, dass die Popularität der Lithium Batterie unter den Mitcampern stetig steigt. Warum das so ist und was genau die Gründe für die immer wachsendere Beliebtheit dieser verhältnismäßig doch teuren Batterieart sind, wollen wir im Folgenden näher erläutern.

Welche Batterienarten fürs Wohnmobil gibt es?

Grundlegend muss man bei Reisemobilen zwischen Starterbatterie und Bordbatterie unterscheiden. Die Starterbatterie sorgt in jedem Fahrzeug (PKW, LKW, Wohnmobil etc) dafür, dass der Motor gestartet werden kann, alle elektrischen Komponenten, sowie Sicherheitssysteme (z.B. ABS und ESP) und Komfortelemente wie die Klimaanlage im Fahrerhaus oder auch die Sitzheizungen den benötigten Strom bekommen.

Die Bordbatterie ist für die Versorgung der elektronischen Geräte im Aufbau bzw. Wohnbereich des Wohnmobils zuständig, wenn kein Landstrom zur Verfügung steht. Deshalb wird sie auch Versorger- oder Aufbaubatterie genannt. Hochwertige Batterien mit hoher Kapazität sind vor allem für autarkes Stehen eine Grundvoraussetzung, während Wohnmobile, die hauptsächlich am Landstorm angeschlossen sind, mit günstigeren Batteriearten auskommen.

Wofür Strom hauptsächlich im Wohnmobil benötigt wird:

  • Licht
  • Wasserpumpe
  • Kühlschrank
  • Heizung
  • Warmwasser
  • Kaffeemaschine
  • Steckdosen inkl. USB
  • etc

Zudem gibt es einige Dinge, die man gerne ebenfalls mit dabei hätte, welche jedoch eine herkömmliche Bleibatterie an ihre Grenzen bringen kann:

  • Haartrockner
  • Kapselkaffee- oder Espressomaschine
  • Mikrowelle
  • Thermomix
  • Mixer
  • Wasserkocher
  • Bügeleisen
  • Klimaanlage
  • etc.

In diesen Fällen wäre ein Lithium Akku die bessere Lösung.

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Foto von welcomia von iStockphoto

Welche Kriterien können bei einer Bordbatterie wichtig sein?

  • Zyklenfestigkeit: die Zyklenfestigkeit gibt an, wie oft eine Batterie entladen und wieder geladen werden kann, bevor sie an Kapazität verliert oder gar ganz an Funktionalität verliert. Je höher also die Festigkeit, desto besser und langlebiger der Stromspeicher.
  • Tiefentladung umschreibt die Fähigkeit, bis zu welcher Ladungstiefe eine Batterie entladen werden kann ohne die Lebensdauer empfindlich einzuschränken. Kann ein Stromspeicher nur bis zu 50% entladen werden, benötigt dieser mehr Zyklen in weniger Zeit im Vergleich zu einem Akku, der bis auf 10% Restladung entladen werden kann.
  • Aufladungsgeschwindigkeit: um immer genügend Strom im Wohnmobil zu haben, sollte eine Batterie schnell und effektiv durch die Lichtmaschine, Solar oder Landstrom aufzuladen sein.
  • Langlebigkeit: je nach Zyklenfestigkeit jedoch auch entsprechender Pflege kann eine Batterie über viele Jahre genutzt werden.
  • Kapazität: je nach Speicherart und der daraus resultierenden Energiedichte unterscheiden sich die Batterien in ihrer Kapazität bei gleicher Größe und Gewicht teils drastisch.
  • Gewicht: aufgrund der beschränkten Zuladung kann das Gewicht ein wichtiger Faktor bei der Auswahl der Batterie sein.
  • Temperaturempfindlichkeit: je nach Reisezeit kann es zu sehr starken Temperaturschwankungen kommen. Wer eher im Winter unterwegs ist, der braucht auch bei sehr tiefen Temperaturen eine zuverlässige Stromversorgung, die dadurch nicht negativ beeinflusst wird. Dasselbe gilt natürlich auch im Sommer bei hohen Temperaturen.
  • Preis: wie bei jedem Kauf sind natürlich auch hier die Anschaffungskosten für viele Camper bei der Entscheidung ausschlaggebend, welche Batterie man sich zulegt.

Welche Kriterien die einzelnen Batterien jeweils am besten erfüllen, bzw. welche Eigenschaften für den jeweiligen Wohnmobilisten subjektiv Priorität haben, muss im einzelnen je nach Fall individuell betrachtet werden.

Bleibatterien im Überblick

  • Nassbatterien/Blei-Säure-Batterien sind die günstigsten aller Bordbatterien-Arten. Sie sind besonders geeignet für Wohnmobilisten, die hauptsächlich auf Landstrom zurückgreifen, sprich die Batterie nur in vereinzelten Fällen kurzfristig nutzen wollen und dann zügig wieder aufladen. Um einen schnellen Verschleiß zu vermeiden sollte die Nassbatterie nie zu tief entladen werden. Die Attraktivität besteht hauptsächlich im Preis. Jedoch sollte man beachten, dass die Nassbatterie gewartet werden muss (Nachfüllen von destilliertem Wasser) und der Säurestand regelmäßig kontrolliert. Sie ist nicht auslaufsicher, hat ein hohes Gewicht, birgt die Gefahr der Bildung von gefährlichen Gasen beim Laden, ist nicht rüttelfest und hat eine hohe Selbstentladung.
  • Gel Batterien gehören ebenfalls  zu den Bleibatterien und werden auch als die Allround-Batterien der Reisemobile bezeichnet. Im Gegensatz zu Nassbatterien wird die Batteriesäure in Gel-Form gebunden und somit eingekapselt, so dass sie während der Fahrt „rüttelfest“ ist. Zu den vorteilhaften Charakteristiken gehören die Wartungsfreiheit, Auslaufsicherheit, geringe Selbstentladung, sowie höhere Entladungstiefe als AGM- und Nassbatterien. Die Gel-Batterie ist besonders für geringere Stromverbraucher geeignet. Jedoch für die häufige Nutzung mit Wechselrichter hohen Verbrauchs ist sie eher ungeeignet. Nachteilig ist die lange Ladezeit, das Gewicht und die Empfindlichkeit bei niedrigen Temperaturen.
  • AGM-Batterien haben -wie der vollständige Name „Absorbent Glass Mat“ schon andeutet- in einem Glasvlies gebundene Elekrolyten, wodurch sie zyklusfester sind und auch tiefer und öfter entladen werden können als die Gel-Batterien. Zudem sind sie ebenfalls auslaufsicher und wartungsfrei.  Niedrige Temperaturen machen dieser Batterieart nichts aus und eignet sich somit auch fürs Wintercamping. Die Ladedauer ist kurz und auch Verbraucher mit höherem Strombedarf können durch die AGM-Batterie ohne Probleme mit Energie versorgt werden (auch für leistungsstarke Wechselrichter geeignet). Jedoch hat die AGM-Batterie ein sehr hohes Gewicht und reagiert sehr empfindlich auf warme Temperaturen.

Lithium Batterien

Immer mehr Wohnmobil Besitzer wechseln von ihrer Bleibatterie auf einen Lithium Akku, oftmals auch bezeichnet als Lithium-Ionen-Batterie oder LiFePo4. Trotz des recht hohen Preises lassen sich die Camper von den Vorteilen überzeugen.

  1. Kapazität: Eine Lithium Batterie hat mehr Kapazität bei gleicher Größe, bzw. im Umkehrschluss gilt, bei gleicher Kapazität nimmt der Lithium Akku weniger Platz als eine Bleibatterie in Anspruch, da er über die höchste Energiedichte bei kleinster Bauweise verfügt.
  2. Tiefentladung: während bei Bleibatterien empfohlen wird, nicht mehr als 50% maximal 60%, zu entladen, können Lithium Batterien bis zu 90% (oder bei manchen Marken sogar mehr) ihrer Kapazität entladen werden, ohne Einschränkungen bei der Lebensdauer befürchten zu müssen. Dies wiederum bedeutet, dass die Batterie weniger häufig geladen werden muss und länger in Gebrauch sein kann. Als Beispiel: würde man eine Bleibatterie mit 100Ah (Amperestunden) kaufen, könnte man lediglich 50Ah nutzen bevor der Speicher wieder geladen werden muss. Bei Lithium Batterien mit 100Ah hingegen könnten 90Ah locker und ohne Bedenken verbraucht werden.
  3. Zyklenfestigkeit: Hersteller von Lithium-Batterien sprechen von 3000-5000 Ladezyklen bei 80-90% Entladungstiefe.
  4. Ladezeit: die Dauer bis zur vollständigen Ladung ist vergleichsmäßig kurz, egal ob per Solaranlage, Lichtmaschine oder Landstrom.
  5. BMS: die Restkapazität der Lithium-Batterien kann am über das BMS, also das Battery Management System per App bequem auf dem Handy verfolgt werden, was eine sehr zuverlässige Übersicht z.B. über den Stromverbrauch ermöglicht. Bei den herkömmlichen Bleibatterien gibt es so einen Kontrollmechanismus nicht, bzw. hierzu müsste ein externer Messer zusätzlich eingebaut werden. Ohne diesen ist es äussert schwierig abzuschätzen, wann man die maximal empfohlenen 50% der Ladekapazität erreicht hat.
  6. Temperaturen: den Lithium Akkus kann man bis zu einer Temperatur von -20 Grad Strom entnehmen, jedoch eine Ladung unter Null Grad könnte ihnen erheblich schaden. Deswegen passt das BMS auch hier auf. Die neueren Batterien haben für diesen Fall ein Heizvlies inklusive, welches die Temperaturen erkennen kann und bei unter Null Grad die Batterie erwärmt bis der Strom gefahrlos geladen werden kann.
  7. Leistungsstarke Wechselrichter sind für diese Batterieart kein Problem, so dass auch der Gebrauch z.B. von Haartrockner und Kapselkaffee- oder hochwertige Espressomaschinen kein Hindernis darstellt.
  8. Geringes Gewicht: eine Lithium-Ionen-Batterie ist um einiges leichter als eine Bleibatterie derselben Kapazität. Bsp.: eine 100Ah Lithium Batterie wiegt ca 13kg, eine 100Ah Bleibatterie wiegt ca 30kg. Somit könnte man eine Bleibatterie durch 2 Lithium Akkus ersetzen und hätte immernoch weniger Gewicht als zuvor, bei vielfach größerer Kapazität.
  9. Preis: die Kosten der Anschaffung einer Lithium Batterie sind im Moment für viele immernoch sehr abschreckend, wenn man die Preise um die 2000 Euro sieht. Jedoch ist dies relativ zu beachten, da man mehr Kapazität bekommt und zudem den nur 300-500 Ladezyklen von normalen Bleibatterien die ca. 3000-5000 Ladezyklen der Lithium Akkus entgegenstehen. Somit ist die scheinbar teure Investition durchaus gerechtfertigt. Wobei man erwähnen muss, dass die Lithium Akkus über die Jahre schon deutlich günstiger geworden sind.
Preis Lithium Batterien

Quelle: statista.de

Fazit

Die Lithium Batterien werden nicht umsonst immer beliebter und wer sie einmal verbaut hat, wird sicher nicht mehr auf eine Bleibatterie zurückwechseln. Zu zahlreich und überzeugend sind die Vorteile. Sind Lithium Akkus im Vergleich zu den geläufigen Bleibatterien extrem teuer? Ganz klar, ja! Aber: durch ihre höhere Kapazität, schnellere Ladung, größerer Zyklenfestigkeit, besserer Tiefentladung und generell längerer Lebensdauer zahlt sich der hohe Preis am Ende wieder aus.

Titelfoto von simonapilolla von iStockphoto

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