Vorweg: Das nördliche Frankreich ist nicht gleichzusetzen mit dem allgemein benutzten Begriff „Nordfrankreich“.

Bis Ende 2015 war die nördlichste Region Frankreichs Nord-Pas-de-Calais, ab dem 1. Januar 2016 fusionierte sie mit der benachbarten Picardie und nannte sich kurzzeitig Nord-Pas-de-Calais-Picardie. Bald darauf erhielt sie ihre offizielle Bezeichnung „Hauts-de-France“.

Die meisten Leute, die von Nordfrankreich sprechen, meinen die Normandie und die Bretagne, Hauts-de-France, unmittelbar nach der belgischen Grenze beginnend, kennt kaum einer. Wer jedoch den bekannten Film von Dany Boon „Willkommen bei den Sch’tis“ – französisch „Bienvenue chez les Ch’tis“ – kennt, hat schon mal etwas von der Region gehört und gesehen. Solltest du den Film nicht kennen, musst du ihn dir unbedingt ansehen. Ich habe selten so viel gelacht.

Bei meinen Tourenvorschlägen beschränke ich mich auf

  • das ehemalige Nord-Pas-de-Calais
  • die ehemalige Picardie
  • das Elsass
  • Lothringen, besser gesagt die Vogesen
  • die Bretagne

Warum gerade das nördliche Frankreich?

Dass ich nicht nur über das nördliche Frankreich schreibe, sondern auch dafür schwärme, hat gleich mehrere Gründe. Das nördliche Frankreich

  • hat zwar auch Tourismus, aber weit weniger, als beispielsweise Südfrankreich
  • liegt (auch) am Meer, an der Nordsee beziehungsweise am Ärmelkanal
  • besitzt wunderschöne Küstenabschnitte mit kilometerlangen (Sand)Stränden sowie mancherorts 100 m hohen Klippen
  • beherbergt zahlreiche Zeitzeugen wie Menhire, Dolmen, Bunkeranlagen etc.
  • ist kulturell sehr interessant
  • pflegt Traditionen (Bräuche, Dialekt etc.)
  • beheimatet eine Zweigstelle des Pariser Louvres
  • kann weist interessante, schöne Städte sowie bezaubernde Dörfer vor
  • bietet eine leckere Kulinarik, sowohl essensmäßig – z.B. die Crêpes, die Galettes, den Flamkuchen oder den „Stinkekäse“ Maroilles (aus oben genanntem Film) – aber auch die Getränke betreffend, etwa den Cidre, Ch’ti-Bier oder Wein
  • wird von freundlichen und hilfsbereiten Menschen bewohnt
  • besitzt eine gute Infrastruktur bezüglich Camping- und Stellplätzen inklusive Ver- und Entsorgung

Sicherlich gibt es noch weitere positive Dinge zu berichten. Wie alles, hat es aber auch seine Kehrseite: Das Wetter ist nicht ganz so beständig wie im Süden. Man kann aber auch Glück haben, so wie wir vor etwa einem Jahr, wo wir sechs Wochen nur Sonnenschein hatten.

Durch den Norden Frankreichs mit dem Wohnmobil: ein bisschen Planung muss sein

Natürlich bleibt es dir überlassen, ob du dich einfach ins Wohnmobil setzt und losfährst, Plätze zum Übernachten und jede Menge Sehenswertes findest du auch ohne Planung. Dennoch solltest du nicht ganz unvorbereitet losfahren.

Besonderheiten

Nicht alles, aber einiges ist im nördlichen Frankreich anders als bei uns. In erster Linie natürlich die Sprache. Vor allem in der Bretagne kann es dir passieren, dass du rein gar nichts verstehst, selbst wenn du sehr gut französisch sprichst. Dort wird nämlich noch manchmal Bretonisch gesprochen. Und auch im Lande der Sch’tis ist es mir passiert, dass ich Leute traf, die untereinander diesen für unsere Ohren seltsam klingenden Dialekt sprachen. Neben Französisch kommst du aber mit etwas Glück mit Englisch, in touristisch erschlossenen Regionen auch mit Deutsch, immer jedoch mit Händen und Füßen, dem Google-Übersetzer und vor allem einem freundlichen Lächeln klar.

Wichtig ist, dich vorab über die Verkehrsregeln zu informieren, denn die Bußgelder sind vergleichsweise hoch. Die Seiten www.frankreich-info.de/service/reiseinformationen/verkehrsregeln und www.bussgeldkatalog.net/frankreich können dir da weiterhelfen.

Anreise

Je nach Wohnort, reisen viele von uns über Belgien und/oder Luxemburg ein. Elsass und Lothringen erreichst du direkt von Deutschland aus. Schweizer, Österreicher, Italiener und wohl auch Bewohner aus Süddeutschland – vornehmlich Bayern – werden sich quer durch Frankreich an ihr Ziel heranpirschen.

Bezüglich der Straßen unterscheidet man zwischen

  • den Routes Nationales – R oder RN –, die meist gut ausgebaut und oft sogar mehrspurig sind,
  • den Département-Straßen (D), die unseren normalen Landstraßen entsprechen, aber auch schon mal eher ein Feldweg sein können
  • den Autoroutes – A oder auch E – die sowohl gebührenpflichtig (péage) als auch kostenlos sein können.
Im Norden Frankreichs gibt es weit weniger Autobahnen als bei uns. Ich rate sowieso generell dazu, ohne Autobahn zu fahren, um mehr zu sehen. Lediglich die größeren Städte umfahre ich auf den – mautfreien – Autobahnen.

Was engere Straßen anbelangt, brauchst du keine Angst zu haben: Die meisten Franzosen nehmen Wohnmobilfahrern gegenüber Rücksicht und machen Platz, wenn’s eng wird.

Navigation

Bei mir hat die gute alte Straßenkarte noch nicht (ganz) ausgedient, denn mein Beifahrer verfolgt unsere Strecke stets auf der Karte. Trotzdem fahre ich – wie die meisten von uns – zusätzlich mithilfe eines Navigationsgerätes (für LKWs).

Diese können sehr unterschiedlich in der Handhabung aber auch im Preis sein: Da gibt es kostenlose aber auch gebührenpflichtige Apps fürs Handy, relativ kostengünstige sowie sehr teure Navigationsgeräte.

Ehe du dir ein neues Navi zulegst, solltest du folgendes beachten:

  • Übers Handy zu navigieren (z.B. mittels Google Maps oder Sygic Truck) ist zuverlässig und einfach, allerdings ist das Display recht klein und dadurch schwer zu erkennen.
  • Fährst du ein Wohnmobil über 3,5t, dann empfehle ich ein spezielles Navi, an dem du Breite, Höhe, Länge und Gewicht (Geht auch bei Sygic Truck!) einstellen kannst, damit du nicht unverhofft an eine für dich gesperrte Brücke oder (Pass)Straße, eine nicht für dein Gewicht zugelassene Brücke oder einen zu niedrigen Tunnel kommst.

Tipp: Als Straßenkarte empfehle ich den Atlas Routier France 2022 von Michelin (französische Ausgabe) oder den Michelin Straßenatlas Frankreich 2019 in deutscher Ausgabe.

Reisezeit

Die Antwort auf die Frage nach der besten Reisezeit ist nicht so einfach: Zum einen hängt es von der dir verfügbaren Urlaubszeit und ob Kinder mitreisen ab, zum anderen vom Zielort. Natürlich spielen auch die persönlichen Erwartungen und Interessen eine Rolle. Jemand, der einen Badeurlaub plant, fährt sicherlich im Juli/August, Freunde des Weins bevorzugen für die Elsass-Tour vielleicht den Herbst etc.

Allgemein kann man behaupten, dass das Wetter in großen Teilen des nördlichen Frankreichs mit dem unsrigen in Mitteldeutschland vergleichbar ist. In der Bretagne – vornehmlich in der Südbretagne – ist es selbst im Winter noch angenehm – vorausgesetzt, man liebt Sturm, brausendes Meer und kann mit Regen leben. In den Vogesen kannst du mit Schnee rechnen.

Ich persönlich bevorzuge die Zeit zwischen Ende März und Ende Oktober, die Sommermonate Juli/August eingeschlossen, denn das Tourismusaufkommen lässt sich im Norden in den meisten Fällen gut aushalten. Wer allerdings Campingplätze den Stellplätzen vorzieht, sollte sich vorab über die Öffnungszeiten informieren, da die wenigsten ganzjährig geöffnet haben.

Sonstiges

Folgendes solltest du vor der Abfahrt noch wissen:

  • Womos über 3,5t benötigen Angles-Morts-Schilder
  • Wenn du die von mir als besonders gut bezeichneten Stellplätze des Camping-Car-Parks nutzen möchtest, benötigt du eine Zugangskarte, die Pass’Étapes-Card (einmalige Gebühr 5,-), die du jeweiligen Eingangsterminal oder aber online unter www.campingcarpark.com/ (hier auch weitere Informationen) bekommst.

Ob Plätze reserviert werden müssen, beantworte ich mit einem klaren Nein. Stell- und Campingplätze findest du überall.

Die Frage, ob du Fahrräder mitnehmen sollst, kannst nur du selber beantworten. Fakt ist: Frankreich ist eine Radfahr-Nation.

Route 1: Willkommen bei den Ch´tis!

Steckbrief

  • Route: Lille – Villeneuve-d’Ascq – Lens-Liévin – Mont des Cats/Godewaersvelde – Cassel – Watten – Blockhaus d‘Éperlecques – Gravelines – Petit-Fort-Philippe/Grand-Fort-Philippe – Bray-Dunes – Hondschoote – Bergues – Dunkerque
  • Länge: ca. 250 km
  • Dauer: ca. 2-3 Wochen
  • Beste Reisezeit: bevorzugt: Juni bis Ende September/Anfang Oktober

Route „Willkommen bei den Ch´tis“: Hinweise und Tipps

Wegen der allgemeinen Wetterlage, würde ich die Monate Juni bis Ende September/Anfang Oktober bevorzugen. Selbstverständlich kannst du aber auch zu anderen Zeiten fahren, dann musst du jedoch damit rechnen, dass es vermehrt regnet und dass stellenweise Campingplätze sowie Sehenswürdigkeiten geschlossen haben.

Übertrieben viel Tourismus wird dir selbst im Juli/August nicht begegnen, außer vielleicht an einigen Badestränden oder in Museen.

Dieser Roadtrip führt uns durchs Land der Ch’tis. Aber was ist das? Ch’ti – eingedeutscht „Sch’ti“ – ist eine Picardische Sprache, die hier sowie in Teilen Belgiens noch manchmal gesprochen wird –, aber auch eine Bevölkerungsgruppe – siehe den Film „Willkommen bei den Sch’tis“ – und eine Biermarke. Nur als Beispiel: „Hallo“ heißt auf Ch’ti „Salut ti z’aute!“

Wir bewegen uns sowohl im Inland als auch am Meer, werden einige Schauplätze des Films besuchen, der Zweigstelle des Louvre einen Besuch abstatten, weniger friedliche Zeitzeugen wie eine NS-Bunkeranlage oder eine Vauban Befestigungsanlage bestaunen. Natürlich dürfen Windmühlen, Beffrois (Belfriede) und zwei Großstädte – Lille und Dunkerque – nicht fehlen.

Falls du dich wunderst, dass wir ein wenig hin- und herfahren: Ich versuche, so viel Interessantes wie möglich in der Tour unterzubringen. Denn ich möchte eine Tour für Kunstinteressierte, jene, die sich für die Geschichte interessieren, „Badenixen“ und „Shopping-Queens“ aber auch für Ruhesuchende aufzeigen. Wer mit Kindern reist, findet auch für sie interessante Sehenswürdigkeiten.

    Routendetails und Highlights der Route „Willkommen bei den Ch´tis“

    Lille – Villeneuve-d’Ascq – Lens-Liévin

    Beginnen wir nahe an der belgischen Grenze, in Lille, der Hauptstadt der Region. Neben dem allgemeinen Charakter einer Großstadt verfügt Lille auch über eine wunderschöne Altstadt und zahlreiche Sehenswürdigkeiten, doch leider weder über einen Stell- noch einen Campingplatz. Vor einigen Jahren noch konnte man an der Zitadelle auf einem großen Parkplatz stehen, das geht jetzt nicht mehr.

    Abhilfe schafft ein etwa 15 km außerhalb gelegener Campingplatz mit einer guten Anbindung durchs öffentliche Nahverkehr.

    Zu sehen gibt es in Lille viel: die vom berühmten Baumeister Vauban erbaute Zitadelle, ein Tierpark nebenan, zahlreiche Museen und Kirchen, das Geburtshaus Charles de Gaulles sowie die traditionelle Pâtisserie Meert in einem orientalisch verschnörkelten Haus, das nicht nur äußerlich ein Muss ist, wenn man Kalorienbomben liebt.

    Mein nächstes Ziel ist der Kunst gewidmet. Dazu kannst du die Autobahn oder die N41/N47 nehmen. Wer sich nicht für Kunst interessiert, lässt diese Etappe aus, denn außer dem Stadion F. Bollaert, wo unter anderem 1998 die Fußball-WM und 2016 die Fußball-EM stattfanden sowie 1998 bei einer Randale anlässlich eines Spiels Deutschland-Jugoslawien ein Polizist so schwer verletzt wurde, dass er seitdem schwerbehindert ist, gibt es in den beiden einstigen Bergbauorten Lens und Liévin nur wenig zu sehen. Ich persönlich bin jedoch immer wieder beeindruckt von dem ca. 14.000 m2 großen, lichtdurchfluteten Kunstmuseum Louvre-Lens, das sich auf einem ehemaligen Zechengelände befindet und dessen Hauptgebäude aus Glaswänden besteht. Zu sehen sind u.a. Exponate aus dem berühmten Pariser Louvre sowie Wechselausstellungen. Auch die Gartenanlage ist einen Besuch wert.

    Bislang konnte man offiziell am Stadion stehen und die wenigen Meter zu Fuß zurücklegen, doch leider ist der Platz aktuell wegen Bauarbeiten gesperrt. Das Museum selber hat einen Besucherparkplatz, jedoch keinen für uns ausgewiesenen. Wenn du jedoch nicht gerade unbedingt an einem Wochenende oder einem Feiertag ankommst, bekommst du in der Umgebung sicherlich einen Platz.

    Noch ein kleiner Tipp: Wer mehr, vor allem moderne Kunst sehen möchte, kann ins rund 12 km von Lille entfernte Villeneuve-d’Ascq, ins LaM – Lille Art Moderne – fahren. Parken funktioniert auch dort nur mit etwas Glück. Dafür gibt es aber für uns ausgewiesene Plätze auf dem etwa 1,5 km entfernten Decathlon-Campus Plätze.

    Tipp: Wenn du beide Museen besuchen möchtest, solltest du, um unnötige Umwege zu vermeiden, erst nach Villeneuve-d’Ascq und dann zum Louvre-Lens fahren.

    Mont des Cats/Godewaersvelde – Cassel – Watten

    Genug der Kunst, lass uns etwas Natur und die Atmosphäre eines Klosters schnuppern. Es geht zum Mont des Cats, der zur Gemeinde Godewaersvelde gehört. Von Lens aus sind es etwa 60 km, von Lille aus 40 km. Die Strecke zum „Berg“ (164 m.ü.d.M.) hoch ist schön und offeriert uns ein herrliches Panorama über die flämischen „Berge“. Apropos „Berg“: Hier im Norden gelten diese Höhen bereits als Berge…

    Die Abtei selber ist nicht zu besichtigen, aber es gibt einen kleinen Laden, wo du unter anderem das Trappistenbier „Mont des Cats“ sowie den hier produzierten Käse gleichen Namens kaufen kannst. Außerdem ist Wandern angesagt.

    Unser nächstes Etappenziel liegt etwa 16 km westlich: Cassel. Der kostenlose und ruhige Stellplatz befindet sich außerhalb. Du kannst jedoch einen kleinen, steilen Fußweg nehmen, um in 10-20 min ins Zentrum zu gelangen.

    In Cassel bin ich das erste Mal auf ein Schild mit „Ch’tis“ gestoßen. Der Ort selber ist ein kleines, nettes, 176 m hoch gelegenes Städtchen mit typischer flämischer Architektur, einer Stiftskirche sowie der Casteelmeulen, einer Holzwindmühle aus dem 18. Jahrhundert, die besichtigt werden kann. Letztere ist heute die einzig Überlebende von 24 Mühlen, die es noch im 20. Jahrhundert gab. Wenn das AKW in der Ferne nicht wäre, hättest du vom großen Parkplatz Général Vandamme aus einen ungetrübten Blick auf die Ebene Flanderns.

    Wir fahren auf der D26 weiter gen Westen, Richtung Watten, dabei kommen wir etwa 500 m vorm Ort unweigerlich an einen, auf 72 m Höhe liegenden historischen Ort, wo einst etliche Schlachten ausgetragen wurden, an den Mont Watten. Direkt an der Straße liegt rechts die Tour de lAbbaye de Watten, genauer gesagt die Überreste eines Turms der im 11. Jahrhundert gegründeten Abtei, und rechts schräg gegenüber die Windmühle, deren Originalbau aus dem Jahre 1731 stammte. Bei der Windmühle kannst du auf einem Parkplatz Rast machen und die Aussicht genießen oder dir die Beine vertreten.

    Fährst du nach Watten rein und hältst dich am Ende der Vorfahrtsstraße links, kommst du gleich nach der Brücke über die Aa (Die heißt wirklich so!) nach rechts einbiegend zu einem Stellplatz.

    Watten - bei den Ch'tis

    Blockhaus d‘Éperlecques – Gravelines – Petit-Fort-Philippe/Grand-Fort-Philippe

    Weiterhin kannst du entweder ein Stück entlang des Flusses und dann durch den Wald oder auf der Hauptstrecke, der D207, bis zum kleinen Weiler Les Sarts fahren und dort den schwer erkennbaren Schildern zum im Wald liegenden Blockhaus d’Éperlecques folgen. Übrigens, wenn im Französischen die Rede von „Blockhaus“ ist, ist ein Bunker gemeint.

    Die einst von den Nazis errichtete Bunkeranlage war für den Bau sowie den Abschuss der V2-Raketen gedacht. Heute wurde daraus eine Art Freilichtmuseum mit Bunkerbesichtigung, wo die Historie sowie die Funktion der einstigen Anlage dokumentiert ist.

    Über die D300, an Watten vorbei, führt mich meine Route nun Richtung Meer, nach Gravelines. Hier sind wir noch nicht ganz am Meer, man kann es aber schon riechen. Wasser ist dennoch da, denn wir stehen (am Hafen) an der Aa, die hier, nur 2,5 km weiter in die Nordsee mündet. Hinter uns stehen die gigantischen Stadtmauern die ebenfalls – wie so vieles in Frankreich – auf den berühmten Baumeister Vauban zurückgehen. Womit wir schon bei der größten Attraktion des geschichtsträchtigen Ortes wären, dessen Zugehörigkeit mehrfach zwischen Frankreich und den Niederlanden wechselte: Eine beeindruckende, von Wasser umgebene Zitadelle, auf, in und um die es sich fantastisch spazieren gehen lässt.

    Gravelines selber besitzt einen von vielen Beffrois in dieser Gegend und lädt ansonsten zur Einkehr oder aber zu einem 2,5 km langen Spaziergang zum Meer ein.

    Rechts und links der Aa liegen in deren Mündungsbereich die beiden zu Gravelines gehörenden Badeorte Petit-Fort-Philippe (rechts) und Grand-Fort-Philippe (links). Wenn du mit dem Wohnmobil dort hinfahren möchtest, pass auf: Es kann eng werden.

    Beide Orte haben einen gewissen maritimen Charme sowie große, breite Sandstrände. Vom nahen AKW sprechen wir lieber nicht…

    Bray-Dunes – Hondschoote

    Mein nächstes Ziel, die nördlichste Gemeinde Frankreichs, heißt Bray-Dunes. Es liegt am zum Ärmelkanal gehörenden Küstenstreifen Côte d’Opal (Opalküste), an der belgischen Grenze. Die Fahrt hierhin ist ziemlich unspektakulär, und der Ort… Naja…

    Man nennt es auch gerne mal „St-Tropez des Nordens“. Was die beiden gemein haben, sind der Tourismus sowie ein wirklich schöner, kilometerlanger Sandstrand, der auch vor der Grenze zu Belgien nicht Halt macht. An der Strandpromenade stehen ein paar schöne Villen, ansonsten pures flaches Land! Zum Glück machen die leckeren belgischen Pommes-frites – Achtung, sie heißen in Frankreich nur „frites“! – nicht vor der Grenze Halt.

    Fazit: Für Badeurlaub optimal, ansonsten gibt es schönere Orte. Allerdings ist eine rund zweistündige Wanderung durch die Dune du Perroquet, eine geschützte Dünenlandschaft mit blühenden Orchideen, Bunkern und Bunkerresten sowie einem Calvair, ein besonderes Erlebnis.

    Bray-Dunes - Ch'tis

    Eine weitere Windmühle – neben den Beffrois und den Bunkeranlagen ein weiteres Markenzeichen der Region – ist mein nächster Vorschlag. Dazu befahre ich die D947, die nahe der belgischen Grenze aber weg vom Meer führt. Nach rund 13 gefahrenen Kilometern gelange ich nach Hondschoote, dessen Ostseite unmittelbar an Flandern, also den niederländischen Teil Belgiens, grenzt. Bis 1659 war Hondschoote Teil der Spanischen Niederlande sowie eine reiche Stadt, in der Tuch hergestellt wurde. 1793 fand hier die Schlacht bei Hondschoote statt, bei der die Franzosen siegten, was du noch heute unschwer am großen Denkmal vor der Kirche St-Vaast sowie am Namen der Windmühle – der Moulin de la Victoire – erkennst. Die Moulin de la Victoire, auch Moulin Spinnewyn genannt, ist eine der ältesten noch erhaltenen Bockwindmühlen unseres Kontinents. Auf einem ihrer Balken ist die Jahreszahl 1127 zu erkennen, schriftlich erwähnt wurde sie erstmals 1547.

    Bergues – Dunkerque

    Nur rund 12 km (über die D3) westlich befindet sich der Hauptdrehort des mehrfach erwähnten Films „Willkommen bei den Sch’tis“, Bergues. Allein die teils gut erhalten, teils renovierte 5,3 km lange Stadtmauer, die wir bereits neben unserem Stellplatz sehen, gibt Hoffnung auf mehr Sehenswürdigkeiten. Übrigens hatte auch hier wieder Vauban seine Hand im Spiel.

    Das Stadtbild von Bergues lässt viel aus dem Film wiedererkennen: die Post neben dem Hôtel de Ville, einige Straßenzüge, das Rathaus – l’Hôtel de Ville – und vor allem der berühmte Beffroi, in dem Antoine im Film das Carillon – ein Glockenspiel aus 50 Glocken – zu spielen wusste. Mein Tipp: Setz dich in eines der Cafés am Marktplatz, genieße die Atmosphäre sowie das stündlich zu hörende Glockenspiel. Weitere Sehenswürdigkeiten sind u.a. die fünf Stadttore, die Tour Carrée als einziger Rest des Klosters Saint-Winoc, das einstige Pfandhaus, in dem heute ein Museum ist, der Kanal, der als Verbindung zum Meer nach Dunkerque (Dünkirchen) führt und einer der ältesten Kanäle Frankreichs sein soll.

    Eigentlich könnte ich die Tour hier beenden, denn nun haben wir das „Land der Ch’tis“ relativ weiträumig besucht, ich denke jedoch, dass die Hafenstadt Dunkerque – hierzulande aufgrund der Kriegsgeschehnisse im 2. Weltkrieg als Dünkirchen bekannt – mein Abschluss sein sollte.

    Das an der Kanalküste gelegene Dunkerque hat eine Fährverbindung nach Großbritannien. Zu seinen wichtigsten Sehenswürdigkeiten zählen das Wahrzeichen der Stadt, die Tour du Leughenae (Turm der Lügner), der Hafen – drittgrößter Frankreichs – mit dem Museumsschiff Duchesse Anne, der Glockenturm (Beffroi), der bestiegen werden kann und ein einmaliges Panorama bietet, sowie die Statue des berüchtigten Freibeuters Jean Bart. In unmittelbarer Nachbarschaft zu unserem Stellplatz am Kanal befinden sich das in Kasematten aus dem 2. Weltkrieg untergebrachte Kriegsmuseum „Dunkerque 1940 Operation Dynamo“, ein Skulpturenpark sowie das Lieu d’Art et Action Contemporaine – kurz LAAC –, ein Kunstmuseum für moderne Kunst mit einem Skulpturenpark. Nicht weit davon entfernt kannst du das FRAC besuchen, welches am Hafen in einer Werfthalle untergebracht ist und zeitgenössische Kunst präsentiert.

    Was mich an Dunkerque immer wieder fasziniert, ist das, was man von einer Großstadt nicht erwartet: langer Sandstrand, der im Prinzip ca. 40 km bis ins belgische Niewport gereicht.

    Route „Willkommen bei den Ch´tis“: Campingplatz- & Stellplatz-Tipps

    • Lille/Sainghin-en-Mélantois, Camping du Grand Sart, Sainghin-en-Mélantois, Lille-Zentrum ca. 15 km, Bahn- und Busverbindung vorhanden, ganzjährig geöffnet
    • Villeneuve-d’Ascq, Decathlon-Campus, Rue du Podium, Feld F10
    • Lens, Parking P6, Stade Bollaert, im Mai diesen Jahres jedoch bis auf weiteres gesperrt
    • Mont des Cats/Godewaersvelde, am Straßenrand der Route du Mont des Cats, Restaurant/Kloster in der Nähe
    • Cassel, kostenloser Stellplatz, 1591 Route d’Oxelaëre, außerhalb, Zentrum ca. 600 m Fußweg
    • Watten, Stellplatz, Rue Paul Mortièr
    • Blockhaus d’Éperlecques, Besucherparkplatz, Übernachten möglich
    • Gravelines, Port de Plaisance, Stellplatz am Hafen, vor der Stadtmauer, ohne allem, verhältnismäßig hohe Parkgebühr, Ver- und Entsorgung in der Rue de la Gendarmerie
    • Gravelines, Aire de camping-cars du PArc du Rives de l‘Aa, Stellplatz, kostenlos, auf Wiese, am Wasser, ohne allem
    • Petit-Fort-Philippe, Camping des Dunes, Strand und AKW in der Nähe
    • Grand-Fort-Philippe, Aire de camping-car de Grand-Fort-Philippe, 169-179 Rue Maréchal Foch, ohne allem, vor Campingplatz, Meernähe
    • Grand-Fort-Philippe, kleiner Camping de la Plage, am Naturschutzgebiet, Meeresnähe
    • Bray-Dunes, Parking camping-car, Rue d’Hondschoote, im Ort, Strandnähe, kostenlos
    • Bray-Dunes, Parking Espace Tonique,13 Rue de Turenne, ohne allem, Ortsrand, nahe der Sportstätten, kostenlos
    • Bray-Dunes, Parking Supermarché, Carrefour, 49 Rue Pierre Decock, Strand ca. 2 km, Ver- und Entsorgung sowie Strom, nur von 20.00-09.00 Uhr erlaubt
    • Bray-Dunes, Camping Municipal Les Dunes, zwischen Strand und geschützter Dünenlandschaft
    • Bray-Dunes, Camping du Perroquet, unmittelbar an der belgischen Grenze und geschützter Dünenlandschaft
    • Hondschoote, an der Moulin de la Victoire, Rue de Bergues, kleiner kostenloser Stellplatz, Ver- und Entsorgung
    • Bergues, Rue Maurice Cornette, großer kostenloser Stellplatz, an der Stadtmauer, beim Stade J. Andries (Sportplatz), ohne allem
    • Bergues, Campingplatz Camping Vauban & Wohnmobilstellplatz (vom Campingplatz verwaltet), 2 Avenue Vauban, Ortsrand, Flussnähe, nur April-Mitte September
    • Dunkerque, 140 Rue des Chantiers de France, Stellplatz, Strandnähe, Ortsrand
    • Dunkerque, Aire de camping-car La Licorne, 1005 Boulevard de l’Europe, vorm Campingplatz, Strandnähe, etwas weiter vom Zentrum, Anfang April-Ende Oktober
    Nord-Pas-de-Calais

    Route 2: Entlang der kriegerischen & friedlichen Somme mit dem Wohnmobil

    Steckbrief

    • Route:Le Crotoy – St-Valery-sur-Somme – Abbeville – Long – Hangest-sur-Somme – SAMARA La Chaussée-Triancourt – Naours – Amiens – Péronne– St-Quentin – Fonsommes
    • Länge: ca. 260 km
    • Dauer: ca. 2-3 Wochen
    • Beste Reisezeit: ab Ostern bis Mitte Oktober

    Entlang der Somme: Hinweise und Tipps

    Für diese Strecke gibt es eigentlich keine besondere Reisezeit, sie ist immer schön und interessant, wer jedoch nicht unbedingt auf kahle Bäume sowie eventuell geschlossene Sehenswürdigkeiten oder Campingplätze steht, sollte nicht im Winter unterwegs sein. Ansonsten würde ich sagen: ab Ostern bis Mitte Oktober.

    Unser „Roter Faden“ ist die Somme, ein etwa 245 km langer Fluss, der in der Nähe von St-Quentin entspringt und nach Westen fließt, sich weit zur Baie de Somme – der trichterförmigen Somme-Bucht – verzweigt, um dann zwischen St-Valery-sur-Somme und Le Crotoy in den Ärmelkanal zu münden. Die Römer nannten den Fluss Samara.

    Das bereits früh besiedelte Gebiet blickt auf eine lange, bewegte Geschichte zurück. Hier fand z.B. eine der grausamsten Schlachten des 1. Weltkrieges – die Schlacht an der Somme – mit über einer Million Toten, Verwundeten und Vermissten, wobei den größten Verlust die Deutschen verzeichneten, statt.

    Wir wollen auf unserer Wohnmobiltour ein paar der geschichtsträchtigen Stätten abfahren und uns möglichst viel in der Nähe des Flusses aufhalten – ihn also von der Mündung ins Meer bis zur Quelle begleiten. Dabei kommen wir an etlichen Kriegsschauplätzen, an Museen, Naturschutzgebieten, einer unterirdischen Stadt, einem Archäologischen Park, einigen wunderschönen Orten vorbei und besuchen einen der vielen Soldatenfriedhöfe.

    Es handelt sich hierbei um einen sehr historisch unterlegten Roadtrip, wobei es nicht ganz verkehrt wäre, wenn du dich vorab ein wenig über die Geschichte der Somme – speziell über die Zeit des 1. Weltkrieges – schlau machen würdest.

    Für Kinder kann – je nach Alter und Interessenlage beziehungsweise Aufarbeitung seitens der begleitenden Erwachsenen – diese Tour ebenfalls interessant sein.

    Routendetails und Highlights der Route entlang der Somme

    Le Crotoy – St-Valery-sur-Somme

    Beginnen wir an der Somme-Mündung, die 2001 gemeinsam mit der Bucht von Venedig und der von San Francisco als eine der schönsten Buchten der Welt gekürt wurde. Beginnen wir in Crotoy, an der Baie de Somme, wo wir gleich mehrere Übernachtungsmöglichkeiten geboten bekommen. Hier herrscht maritime Stimmung und es gibt etliche mehrere Restaurants und Verkaufsstätten, in denen du fangfrischen Fisch und Meeresfrüchte angeboten bekommst. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Ort befinden sich das Vogelschutzgebiet Parc du Marquenterre und die Somme-Bucht, die Naturreservat ist. Crotoy selber punktet zudem mit zahlreichen wunderschönen Häusern. In erster Linie jedoch genieße ich hier regelmäßig die Natur und das Meer am Stellplatz im Chemin du Marais oder das bizarre „Wasserspiel“ der Bucht am anderen Stellplatz. Wenn du magst, kannst du in der Saison mit dem kleinen Touristenzug durchs Marais, das Sumpfgebiet der Bucht, fahren.

    Als nächstes fahren wir auf die andere Seite der Bucht, nach St-Valery-sur-Somme. Da wir das Sumpfgebiet auf der D940 umfahren müssen, liegen etwa 16 km vor uns. Auch hier finden wir wieder einen wunderschönen Ort vor. Der Stellplatz ist etwa 5,5 km von der Somme, beziehungsweise von der Bucht und dem Zentrum entfernt, was an sich kein Problem ist, nur der Rückweg gestaltet sich anstrengend, da es steil bergauf geht. Bitte versuche nicht in den Ort zu fahren, schon gar nicht während der Saison, dort geht es teils sehr eng zu!

    St-Valery-sur-Somme ist aufgeteilt in eine neuzeitliche Unter- und eine mittelalterliche Oberstadt. Schau dir beides an, es lohnt sich: Die herrliche Uferpromenade, der Hafen, von dem aus 1066 England erobert werden sollte, in der Unterstadt, die beeindruckende Église St-Martin, der fantastische Ausblick auf die Somme, die Mauern des einstigen Schlosses und die Porte Jeanne d’Arc, in der Oberstadt.

    Stellplatz St-Valery-sur-Somme

    Abbeville – Long – Hangest-sur-Somme

    Mein nächstes Ziel erreichen wir über die D940 beziehungsweise D40 in rund einer Dreiviertelstunde. Abbeville ist nicht besonders groß, bietet aber mit der wunderschönen Stiftskirche Saint-Vulfran d’Abbeville eines der wenigen Highlights. Leider war sie bei meinem letzten Besuch nicht besonders gut in Schuss. Das nahegelegene Château de Bagatelle kann leider nicht besichtigt werden.

    Übrigens wütete auch hier der Krieg: Vom 28. Mai bis 4. Juni 1940 fand die Schlacht von Abbeville statt.

    Wir verlassen diesen „kriegerischen“ Ort, haben eine friedliche, ruhige Fahrt entlang der Somme (D901/D112) und landen schließlich in Long. Auch hier wieder jede Menge Sumpfgebiet, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so erscheint. Ich weiß aber, wovon ich rede, haben wir doch unser damaliges Wohnmobil auf dem dortigen Campingplatz so tief eingefahren, dass fast der komplette Hinterreifen versunken war und wir einen Traktor zu Hilfe holen mussten.

    Friedlich ging es auch in Long nicht zu, was wir schon an dem übriggebliebenen Propeller eines abgestürzten Flugzeugs vorm Stell- und Campingplatz sehen: 1944 wurde der Ort heftigst bombardiert und die Brücke über die Somme zerstört.

    Als Sehenswert sind neben der Landschaft, die aus zahlreichen Étangs (Teichen) besteht, das Schloss aus dem Jahr 1733 mit großem Park und Taubenhaus, die Église Saint-Jean-Baptiste und das historische Wasserkraftwerk in unserer Nähe zu nennen.

    Wir fahren etwa 11 km entlang der Somme weiter, nachdem wir sie und einige der zu ihr gehörenden Étangs überquert haben, um uns ein wenig die Beine zu vertreten. Wenn du bei Hangest-sur-Somme Richtung Bourdon/SAMARA abbiegst, kommst du zu einem Wanderparkplatz. Von hier ist eine kleine Wanderung oder eine Radtour entlang des Somme-Kanals, beispielsweise auf dem gelb markierten Weg durchs Marais des Cavins, angesagt.

    SAMARA La Chaussée-Triancourt – Naours – Amiens

    Wer das nicht möchte, fährt auf der D81, später D49 weiter und folgt der Beschilderung SAMARA La Chaussée-Triancourt. Kurz hinter Bourdon jedoch mache ich kurz Halt, um einen der zahlreichen Soldatenfriedhöfe zu besuchen, ein Deutscher Soldatenfriedhof, auf dem 22.216 (!) unschuldige Menschen ihre letzte Ruhe fanden. Besonders bewegt hat mich die Statue der weinenden Mutter.

    Immer wieder entdecken wir auf unserer Tour Hinweisschilder zu verschiedenen Soldatenfriedhöfen. Aber ehrlich: mehr als einen am Tag verkrafte ich kaum

    SAMARA ist laut Prospekt der größte Freizeitpark Frankreichs, der sich mit der Frühgeschichte beschäftigt. Der offizielle Name lautet „SAMARA – Grand Parc Naturel de la Préhistoire“. Das Prähistorisches Museumsdorf, dessen Bewohner den Besuchern zeigen, wie gewebt, Schmuck hergestellt und Feuer gemacht wurde, ist nicht nur für Kinder interessant.

    Noch interessanter finde ich die Attraktion an meinem nächsten Ziel: Naours, besser gesagt, die Cité Souterrain de Naours, eine unterirdische Stadt. Selbst wenn wir uns damit ca. 14 km vom Fluss entfernen, finde ich, es ist ein Muss, wenn man schon mal in der Gegend ist. Die muches (Grotten) von Naours waren einst Zufluchtsort während verschiedener Zeiten, beginnend im 9. Jahrhundert, und bislang letztmalig in den beiden Weltkriegen zu militärischen Zwecken genutzt. Du begibst dich hier – am besten ausgestattet mit einem Audio-Guide – 33 m unter die Erde, wo du dich relativ frei bewegen und ins Staunen kommen wirst. Die Belüftungs- und Ablenkungstechnik war einmalig. Außerdem erfährst du, dass oberirdisch ein exakt gleiches Dorf existierte. Achtung: Es herrschen konstant 9°C, also warm anziehen!

    Réfuge Souterrains de Naours - Somme
    Réfuge Souterrains de Naours – Somme

    Wieder zurück an die Somme und ein wenig auch in die Neuzeit. Amiens (über die N25) ist als nächster Zwischenstopp geplant. Diese wunderschöne Stadt punktet in erster Linie mit der Cathédrale Notre-Dame sowie dem Quartier Latin. Weitere Tipps: eine Bootsfahrt entlang der schwimmenden Gärten – les Hortillonages – auf den rund 65 km langen Wasserwegen, die sich um und durch die Stadt erstrecken und ihr den Beinamen „Kleine Venedig“ gaben, oder das Maison Jules Verne. Übrigens wurde in Amiens der französische Präsident Emmanuel Macron geboren.

    Péronne– St-Quentin – Fonsommes

    Um nach Péronne zu gelangen, nimmst du entweder die gut ausgebaute D1029, die jedoch nicht direkt an der Somme entlangführt, oder tastest dich dichter an der Somme entlang, wobei verschiedene Straßen deine Strecke prägen. Grobrichtung ist St-Quentin und zuvor Péronne.

    Auch in Péronne findest du wieder die typische Somme-Landschaft: Sumpfgebiet mit Inselchen, natürliche Teiche, von der Somme gebildet, rund um die Stadt. Und auch hier tobte Krieg, in erster Linie der 1. Weltkrieg, als Péronne im Zuge der „Somme-Schlacht“ schwere Schäden hinnehmen musste. Das Historial de la Grande Guerre, ein Kriegsmuseum, weiß mit zahlreichen Militär- und Zivilgegenständen vom 1. Weltkrieg davon zu erzählen. Untergebracht ist es teilweise im mittelalterlichen Schloss aus dem 13. Jahrhundert. Weitere historische Zeitzeugen sind die Porte Bretagne mit Resten der Befestigungsanlag und die Hallenkirche Saint-Jean-Baptiste.

    Um nach St-Quentin zu gelangen, stehen die D937/D930 oder die D1029, die jedoch auch wieder nicht direkt an der Somme entlang läuft, zur Verfügung.

    Im etwa 30-50 km (je nach Strecke) liegenden St-Quentin, eines der wirklichen Highlights unseres Roadtrips, beeindruckt mich in erster Linie die Architektur: neoklassizistische aber vor allem Art-déco-Gebäude sind ebenso zu finden wie gotische Baustile. Nicht umsonst wird St-Quentin als Stadt der Kunst und der Geschichte bezeichnet. Besonders beeindruckend ist die Place d’Hôtel de Ville mit dem namengebenden Rathaus aus dem 16. Jahrhundert. Wenn du genauer hinschaust, entdeckst du – laut Prospekt 173 – feingliedrige Skulpturen. Natürlich darf auch der Beffroi mit seinen 37 Glockenspielen nicht vergessen werden.

    Auch wenn der Abschied schwerfällt, unser Ziel, die Quelle der Somme wartet. Nichts Spektakuläres, aber ein Muss, wenn man schon die Tour entlang der Somme macht. Die Source de la Somme befindet sich etwa eine halbe Stunde nordöstlich bei Fonsomme, an der D70.

    Ich vergaß zu erwähnen, dass dir mit etwas Glück der ein oder andere Géant/Gayant auf unserer Route begegnet. Das sind traditionelle Riesen aus Karton, Weidenruten und Pappmaché, deren Ursprung in einer ganzen Riesenfamilie aus dem Mittelalter liegt. Die Figuren können um die 8,50 m hoch sein, sind also nicht zu übersehen.

    Entlang der Somme: Campingplatz- & Stellplatz-Tipps

    • Crotoy, Aire de camping-cars, Digue Mercier, Stellplatz, am Meer, Ortsrand
    • Crotoy, Aire Municipale, Chemin du Marais, großer Stellplatz, Ortsrand, Sandstrand, mit allem, außer Strom
    • Crotoy, Aire de camping-car-park Le Crotoy-Le Tarteron, Ortsrand, vorm Campingplatz, an der D 940
    • Crotoy, Camping à la ferme du Bihen, Hameau de Bihen, ca. 5 km außerhalb, Wohnmobilstellplatz am Bauernhof, mit See
    • St-Valery-sur-Somme, Rue de la Croix l’Abbé, großer Stellplatz, auf einem Hügel, Stadtrand, Zentrum ca. 1 km, Somme-Kanal und Somme-Bucht, Bezahlung nur mit Kreditkarte
    • Abbeville, Boulevard Vauban, großer Parkplatz, vor einer Schule
    • Abbeville, Parkplätze am Quai de la Pointe
    • Long, Camping municipal La Peupleraie, Rue de la Chasse à Vache, Mitte März-Mitte November
    • Long, Rue de la Chasse à Vache, vorm Campingplatz, mit allem
    • Hangest-sur-Somme, Rue d’Hangest/Les Cavins, Wanderparkplatz an der Somme
    • SAMARA La Chaussée-Triancourt, Besucherparkplatz
    • Naours, Rue de l’Abbé Danicourt, Besucherparkplatz der Cité Souterrain de Naours,
    • Amiens, Camping Caravaning Parc des Cygnes, 111 Avenue des Cygnes, Campingplatz, Flussnähe, Grünanlagen, am Sportgelände, Zentrum ca. 5 km (Busanbindung und Radweg)
    • Amiens, Stellplatz vorm Campingplatz
    • Amiens, Rue de Massey, rund um den Park St Pierre, nahe der schwimmenden Gärten, nur für kleinere Wohnmobile, Zentrum ca. 2 km zu Fuß
    • Péronne, Aire camping-car,7 Rue de Sainte-Radegonde/Boulevard du Fort Carabit, kleiner Stellplatz an Teich und Grünanlage, vorm Campingplatz/Ferienpark, Ver- und Entsorgung, Zentrum ca. 10 min Fußweg
    • Péronne, Aire de service camping-car, Rue Georges Clémenceau, Parkplätze, Ver- und Entsorgung, vorm Campingplatz, an der Straße
    • Péronne, Camping Municipal le Brochet, 88 Rue Georges Clémenceau, mit Angelteich
    • Péronne, Camping du Port de Plaisance, Route de Paris, südlicher Ortsrand, in der Nähe des Kanals
    • St-Quentin, Rue de Vicq/Rue Lamartine, Stellplatz, neben Schwimmbad, am Kanal, Zentrum 15 min Fußweg (bergauf)
    • St-Quentin, Parking Autocar, Avenue du Général de Gaulle, großer Parkplatz, am Kanal, gegenüber der Polizei, Zentrum 15 min Fußweg (bergauf)
    • Fonsomme, Parkplatz bei der Quelle, an der D70, außerhalb
    Rathaus St-Quentin - Somme

    Route 3: Kleine Wohnmobil-Tour durch das Elsass

    Steckbrief

    • Route: Straßburg – Sélestat – (Hohkönigsburg/Château du Haut-Kœnigsbourg) – Ribeauvillé – Riquewihr – Kayserberg – Colmar – Munster – Eguisheim
    • Länge: ca. 160 km
    • Dauer: ca. 1-2 Wochen
    • Beste Reisezeit: Das Elsass zu bereisen ist beinahe zu jeder Zeit ein ganz besonderes Erlebnis, und da es von vielen Teilen Deutschlands aus nicht weit entfernt liegt, rate ich zu mehrmaligem Besuch – oder aber als Zwischenstopp auf dem Weg zu einem anderen Ziel in Frankreich.

    Kleine Wohnmobil-Tour durch das Elsass: Hinweise und Tipps

    Besonders schön ist es im Frühsommer, wenn die Obstbäume blühen oder aber Ende September/Anfang Oktober, wenn die Weinernte in vollem Gang ist und sich das Weinlaub bunt färbt.

    Beinahe jeder Ort im Elsässischen Weingebiet feiert sein eigenes Weinfest, so dass du von Frühjahr bis in den Spätsommer ausgiebig Gelegenheit hast, mitzufeiern. Aber auch die dortigen traditionellen Weihnachtsmärkte haben ihren ganz besonderen Reiz.

    Auf unserer Elsass-Tour besuchen wir typische Orte mit schönen Fachwerkhäusern, wir kommen durch Weinanbaugebiete und machen einen Abstecher zu einer der schönsten Burgen der Region. Schwerpunkte könnten auch das leckere Essen sowie der gute Wein des Elsass‘ sein. Typisch sind zudem die zahlreichen Störche, die mancherorts nicht einmal mehr im Winter wegfliegen.

    Betrachtet man die vielen Sehenswürdigkeiten mit historischem Hintergrund sowie die Kulinarik, so will ich behaupten, dass Kinder an diesem Roadtrip generell weniger Interesse haben dürften.

    Übrigens spricht man in weiten Teilen des Elsass Deutsch.

    Routendetails und Highlights der Tour durch das Elsass

    Straßburg – Sélestat – (Hohkönigsburg/Château du Haut-Kœnigsbourg)

    Unser Ausgangspunkt ist Straßburg (Strasbourg), die Stadt, in der zahlreiche europäische Einrichtungen ihren Sitz haben. Straßburg besitzt eine wunderschöne mittelalterliche Altstadt, die von zwei Flussarmen der Ill umflossenen und Grande Île (Große Insel) genannt wird. Im Osten grenzt die Stadt an den Rhein. Um alles zu sehen und zu genießen, braucht man mehr als einen Tag. Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten zählen – neben der besonderen Atmosphäre – das berühmte Münster mit der weltberühmten Astronomischen Uhr sowie das Gerberviertel im Petite France mit wunderschönen Fachwerkhäusern. Besonders schön ist der alljährliche große Weihnachtsmarkt.

    Rund 50 km weiter südlich kommen wir nach Sélestat, einem Ort mit zahlreichen verwinkelten Gässchen in einer schönen Altstadt, mit einem mächtigen Uhrenturm, zahlreichen historischen Gebäuden und einigen Kirchen. Von hier aus unternehmen wir einen Abstecher zum Château du Haut-Kœnigsbourg (zu Deutsch „Hochkönigsburg“) in Orschwiller. Die beeindruckende Burg kannst du entweder vom Bahnhof Sélestat aus mit dem Shuttle-Bus oder mit dem Wohnmobil anfahren. Letzteres könnte Probleme mit der Parkplatzsuche bedeuten.

    Das Château wurde im 12. Jahrhundert von den Staufern errichtet und war Eigentum mehrerer Kaiserfamilien. Es wurde mehrfach zerstört, ist jedoch heute wieder in einem guten Zustand. Übrigens gibt es in Malaysia ein Luxushotel in Form einer Nachbildung der Burg.

    Ribeauvillé – Riquewihr – Kayserberg

    Weiter geht’s gen Südwesten, in den wunderschönen Ort Ribeauvillé. Auch hier wieder schöne Häuser, vornehmlich aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Über dem Ort thronen drei Burgruinen, das Château du Girsberg (Burg Girsberg), das Château du Haut-Ribeaupierre (Burg Hohrappoltstein) und das Château de Saint-Ulrich (Ulrichsburg).

    Unser nächstes Ziel heißt Riquewihr und liegt nur wenige Autominuten entfernt. Hier findest du eine nahezu gänzlich erhaltene Altstadt mit Befestigungsanlagen. Wahrzeichen ist der mittelalterliche, mit Fachwerk versehene Tor-Turm. Das Musée de la Tour des Voleurs, in einem Wehrturm, war einst ein Gefängnis und ist heute ein Museum, wo du Folterkammer, Folterinstrumente, Wachraum und vieles mehr besichtigen kannst. Ebenso sehenswert sind das Postmuseum und die etwa 2 km entfernte, im Wald liegende Ruine des Château de Reichenstein.

    Auch Kayserberg ist nicht weit entfernt. Der Geburtsort Albert Schweitzers – Urwalddoktor und Friedensnobelpreisträger – ist für mich eines der schönsten Orte des Elsass. Wandelt man durch die Gassen der romantischen Altstadt nahe dem Stellplatz, so trifft man auf -zig Fachwerkhäuser – eines schöner als das andere. Zu Stoßzeiten kann es hier ziemlich voll werden.

    Besonders schön ist es in Kayserberg von April/Mai bis Anfang Oktober, wenn die liebevoll arrangierten Blumenkästen sowie die vereinzelten Stockrosen an den bunt geschmückten Häusern in voller Pracht stehen. Ein Café, ein Restaurant reiht sich ans andere und man kann die typische Elsässer Gastronomie in den Straßen vollstens genießen. Auch an Andenkenläden mangelt es hier nicht.

    Der Aufstieg zur Burgruine Château du Schlossberg aus dem 13. Jahrhundert wird mit einem fantastischen Panoramablick belohnt. Wer mag, besucht das Musée Albert Schweitzer, genießt den Blick von der Pont Fortifié, stattet der Glasbläserei einen Besuch ab oder beobachtet eines der hier ansässigen Storchenpaare. Im Winter findet in Kayserberg einer der schönsten Weihnachtsmärkte der Region statt.

    Colmar – Munster – Eguisheim

    Nach rund 10 km kommen wir nach Colmar, der drittgrößten Stadt des Elsass. Zu sehen gibt es einige Kirchengebäude und andere historische Bauwerke – unter anderem viele Fachwerkhäuser –, sowie etliche Museen, vorneweg das Unterlinden-Museum mit dem berühmten Isenheimer Altar. Besonders schön ist es im Viertel La Petite VeniseKlein Venedig –, das seinen Namen von der hier fließenden Lauch erhielt.

    Knapp 20 km westlich befindet sich unser vorletztes Etappenziel: Munster. Munster in den Vogesen hat eine nette kleine Altstadt, wo du mit viel Geklapper empfangen wirst, denn rund um die Ruines du cloître de Munster – die Überreste des einstigen Klosters – haben unzählige Storchenpaare ihre Nester auf den Dächern der Gebäude gebaut. Ansonsten punktet der Ort mit viel Grün drumherum, was zum Wandern und Erholen einlädt.

    Einen Abstecher ins nahe gelegene Gunsbach solltest du dir nicht entgehen lassen. Hier findest du das Musée de la Maison du Fromage – Vallée Munster, ein Museum, wo sich alles um die Käseherstellung im Allgemeinen und um den berühmten Münster-Käse im Besonderen dreht. Aber ich warne dich: Der schmeckt lecker, stinkt jedoch extrem! Du solltest ihn nicht im Wohnmobil aufbewahren, lieber gleich essen. Und wenn du schon mal da bist, besuche das Maison Albert Schweitzer, ein Museum zu Ehren des berühmten Lepra-Arztes in seinem einstigen Wohnhaus.

    Mein letztes Ziel ist das von Weinbergen umgebene Eguisheim, rund 19 km westlich, in dem Papst Leo IX. geboren wurde. Zu Recht wurde es als eines der „Plus beaux villages de France“ bewertet. Dieses malerische Dorf mit seinem typischen Kopfsteinpflaster, den romantischen Gässchen und den blumengeschmückten, farbigen Fachwerkhäusern ist eines der ältesten Orte des Elsass. Im Mittelpunkt der kreisförmig angelegten Altstadt steht das Château de Saint-Léon-Pfalz. Beinahe Postkartenidylle bietet der Blick auf die drei Burgen, die sich auf einem nahegelegenen Berg erheben.

    Wohnmobil-Tour durch das Elsass: Campingplatz- & Stellplatz-Tipps

    • Straßburg/Kehl, in Kehl, Schwimmbadstraße, großer Stellplatz, am Wasserturm, mit allem, Straßburger Münster ca. 6 km, auf deutscher Seite, nahe Rheinufer (öffentliche Verkehrsmittel)
    • Straßburg, Camping de Strasbourg, 9 rue de l’Auberge de Jeunesse, in Park, Straßburger Münster ca. 30-40 min Fußweg, ganzjährig geöffnet
    • Sélestat, Aire de service camping-car Les cigognes, Altstadt ca. 10 min, in der Nähe eines Teiches
    • Sélestat, Aire du Haut Kœnigsbourg, kostenloser Wohnmobilstellplatz, Ver- und Entsorgung, an der A35
    • Ribeauvillé, Aire Camping Park Cave de Ribeauvillé, 14A Route de Colmar, mit allem, nahe Altstadt
    • Riquewihr, Avenue Méquillet, großer Parkplatz für Reisebusse und Wohnmobile, zentrumsnah
    • Riquewihr, Aire Municipale, 12 Avenue Jacques Preiss, Parkplatz, mit allem, nur für kleinere Wohnmobile, am Ortsrand
    • Riquewihr, Camping de Riquewihr, 1 Route du vin, an der D18, ca. 2 km vorm Ort
    • Kayserberg, Aire de camping-car de l’Ehrlenbad, Umgehungsstraße D415, großer Parkplatz, Ver- und Entsorgung, Ortsrand, Altstadtnähe
    • Colmar, Port de Plaisance, 6 Rue du Canal, Wohnmobilstellplatz, mit allem, Anreise nur von 9-17 Uhr, Hunde kosten extra (!)
    • Colmar, Parking Camping-cars, Rue Henry Wilhelm, klein, ohne allem, Altstadt ca. 10 min Fußweg
    • Colmar, gebührenpflichtiger (relativ teurer)Stellplatz auf einem Parkplatz, 5 Place Haslinger
    • Colmar, Au Domaine du Wolfloch, 113 Route de Bâle, kleiner Wohnmobilstellplatz, Ortsrand, an Gaststätte und Weingut, Wasser und Strom
    • Munster, Stellplatz am Bahnhof, Rue du Docteur Heid, Ver- und Entsorgung
    • Eguisheim, Aire de camping-cars, 1 Grand-Rue, Ortsrand, auf einem Parkplatz, mit allem
    • Eguisheim, Campingplatz Les Trois Châteaux, 10 rue du Bassin, Innenstadt knapp 1 km

    Route 4: Route des Crêtes in den Vogesen mit dem Wohnmobil

    Steckbrief

    • Route: St-Marie-aux-Mines – Col des Bagenelles – Col du Bonhomme – Station du Lac Blanc – Col de la Schlucht – Le Markstein – Grand Ballon – Hartmannswillerkopf – Cernay
    • Länge: ca. 100 km
    • Dauer: max. 1 Woche, kann auch gut zur 1-2-Tagestour werden
    • Beste Reisezeit: Juni bis Ende September

    Route des Crêtes in den Vogesen: Hinweise und Tipps

    Da die Route des Crêtes im Winter stellenweise nicht vom Schnee geräumt wird, stattdessen jedoch Skipisten darüber hinweg führen oder Loipen sowie Winterwanderwege gespurt werden, ist die Strecke eigentlich gesperrt. Offiziell jedoch heißt es, das Befahren geschehe auf eigene Gefahr. Die Sperrungen können – je nach Witterungsverhältnissen – von Wintereinbruch bis April/Mai dauern. Daher würde ich vom Nachfahren dieser Tour im Winter abraten – es sei denn, du bist auf Wintersport aus – und auf die Zeit von Juni bis Ende September ausweichen.

    Da es eine Strecke ist, auf der es in erster Linie um die atemberaubende Landschaft geht, wo es sich auch prima wandern lässt, und die nicht allzu lang ist, kannst du sie auch gut mit Kindern nachfahren. Jedoch gebe ich zu bedenken, dass die kurvenreiche Fahrt nicht unbedingt jedermanns Sache ist.

    Die „offizielle“ Route des Crêtes – auch „Vogesenkammstraße“ genannt – ist eine 77 km lange Tour vom Col du Bonhomme (im Norden) bis nach Cernay (im Süden). Du kannst natürlich auch in umgekehrter Richtung fahren. Ich jedoch möchte in St-Marie-aux-Mines beginnen, da mir dieser Abschnitt ebenfalls sehr gut gefällt.

    Dieser Roadtrip führt durch die Vogesen – französisch Vosges –, und wir bewegen uns meistens auf 950-1.250 m Höhe. Der höchste Punkt, den wir erreichen, liegt auf 1.343 m.ü.d.M. Es ist der Col du Grand Ballon, nahe dem Grand Ballon, dem mit 1.423 m.ü.d.M. höchsten Berg dieses Mittelgebirges.

    Ursprünglich war die Route des Crêtes eine Militärstraße, welche von den Franzosen während des 1. Weltkrieges gebaut wurde, um ihre Soldaten zu versorgen. Der bekannte Hartmannswillerkopf war damals ein zwischen Franzosen und Deutschen hart umkämpftes Terrain. Auf dem Gipfelkamm der Route des Crêtes befand sich einst ein Großteil der deutsch-französischen Grenze. Noch heute siehst du hier stellenweise Grenzsteine.

    Es handelt sich dabei zwar um eine spektakuläre, jedoch keine gefährliche Strecke. Rechnen musst du mit etlichen Kurven und Kehren sowie Steigungen. Wir fahren auf verschiedenen Départementstraßen, wirkliche Ortschaften gibt es nur wenige, dafür aber eine fantastische Landschaft und herrliche Panoramen. Einige offizielle Stellplätze und Campingplätze, jedoch vorwiegend Parkplätze verleiten zum Anhalten und Verweilen.

    Routendetails und Highlights der Route des Crêtes in den Vogesen

    St-Marie-aux-Mines – Col des Bagenelles – Col du Bonhomme

    Beginnen wir also in St-Marie-aux-Mines, einem kleinen Städtchen an der Lièpvrette, das früher vom Bergbau – genauer vom Silber- und Bleiabbau – lebte. Ein Besuch lohnt sich, ehe du dich auf die D48 zur Weiterfahrt begibst.

    Wir wollen den ersten Pass „erklimmen“, den Col des Bagenelles, wo es oben auf 903 m einen Parkplatz mit fantastischem Panoramablick gibt – vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Außerdem findest du Picknickbänke und Wanderkarten. Auf dem großen Parkplatz kannst gut auch eine Nacht verbringen. Wenn möglich, meide die Wochenenden – dann ist es nämlich sehr voll hier – und den Winter – dann wird Wintersport betrieben.

    Das nächste Etappenziel ist der Col du Bonhomme, offizieller Beginn der Route des Crêtes. Wir fahren jetzt auf den D148 weiter. Ein paar enge Kehren sind auf dem Weg hinauf zu meistern. Begleitet werden wir zunächst von dichtem Wald; im Winter wird hier weder geräumt noch gestreut. Oben, auf 949 m angelangt, können wir gegen eine Gebühr auf einem Parkplatz bleiben. Wer mag, kehrt ein oder vertritt sich die Beine. Eine etwa 7-8 km lange Wanderung zum Skigebiet Station du Lac Blanc mit den beiden Bergseen Lac Noir und Lac Blanc ist empfehlenswert.

    Station du Lac Blanc – Col de la Schlucht – Le Markstein

    Ich fahre weiter, denn wir kommen sowieso am Col du Calvaire an der Station du Lac Blanc vorbei. Wenn du da um beide Seen wandern möchtest, musst du laut Tafel rund drei Stunden einplanen. Weiter geht’s durch das Landschaftsschutzgebiet Réserve Naturelle de Tanet-Gazon du Faing, einem Hochmoorgebiet, und auf der D61 zum Col de la Schlucht.

    Dieser Pass befindet sich auf 1.139 m Höhe und ist touristisch ausgebaut: Hotel, Restaurant, Museum, kleine Kapelle, Geschäfte, Sommerrodelbahn, Skigebiet, Wanderwege und sogar ausgewiesene Stellplätze für uns. Ganz in der Nähe befindet sich der Belvédère du Spitzenfels, ein Aussichtspunkt auf den Klettersteig sowie auf die höchsten Berge der Vogesen. Wer mag und ein sicherer Wanderer ist, wandert zum Lac vert.

    Etwas weiter, auf der D430 fahrend, kommen wir an den Jardin d’Altitude du Haut Chitelet, einen Hochgebirgsgarten. Etwas später, bei einem Skilift auf 1.262 m Höhe, treffe ich auf einen Parkplatz, den Parking du Chitelet/Haut des pistes, direkt an der Straße. Hier könnte man ebenfalls wieder etwas wandern.

    Es geht abwärts, und immer wieder findest du Gelegenheiten zur Einkehr. Verhungern tut also niemand auf der Route des Crêtes. Zudem gibt es immer mal wieder ein paar Seen, zahlreiche Wanderwege sowie kleine Einbuchtungen oder anders geformte Parkplätze, um die Gegend zu genießen und/oder sich die Beine zu vertreten, zu verschnaufen oder zu picknicken.

    Der nächste Pass ist der 1.186 m hohe Col d’Hahnenbrunnen. Während es hier etwas „einsamer“ zugeht, kommen wir wenig später wieder in „belebtere“ Zonen: Sommerrodelbahn, Sportschule, Restaurants, Chalets, Läden etc. Die Rede ist von Le Markstein, einem kleinen Wintersportort auf 1.200 m Höhe. Ich schlage vor: Eine Wanderung von ca. 2-3 km zum Lac de la Lauch und dem dazugehörigen Wasserfall.

    Grand Ballon – Hartmannswillerkopf – Cernay

    Anschließend wird es wieder kurvig und auch ein paar Kehren sind vorhanden, ebenso kannst du einen Blick auf den Lac de la Lauch von der Straße aus riskieren, wenn du die D430 weiterfährst. Ich aber nehme die Höhenstraße D431G und fahre über den Col du Haag bis ich nach einer größeren Kehre auf den höchsten Berg der Vogesen, den 1.424 m hohen Grand Ballon, komme. Hier oben findest du als Naturliebhaber, Wanderer, Wintersportler aber auch einfach nur als „Besucher“ beinahe alles, was du suchst: grasende Kühe, Wald und Wiesen, eine Sommerrodelbahn, Skilifte, Restaurants und Hotels, Wanderwege, eine Radarstation, das Denkmal „Diables Bleus“ und natürlich bei klarem Wetter einen atemberaubenden Fernblick. Für unser Wohnmobil gibt es ausreichend Platz zum Stehen und Übernachten.

    Wo es hoch geht, geht es auch irgendwann runter, also fahren wir die Straße weiter, konzentrieren uns auf Kurven und Kehren, durchfahren dichte Nadelwälder und müssen achtgeben, denn manchmal geht es relativ eng zu. Ich passiere den Col Amic (nur noch 828 m.ü.d.M.) und gelange an den Col du Silberloch, den geschichtsträchtigen Hartmannswillerkopf – von den französischen Soldaten einst auch „Menschenfresser“ oder „Todesberg“ genannt. Hier wird den Kämpfen und den Soldaten des 1. Weltkrieges gedacht, hier befindet sich einer der wichtigsten Kriegsschauplätze der Region. Man schätzt, dass hier etwa 25.000 Männer auf französischer wie auf deutscher Seite ihr Leben ließen.

    In einem sehr informellen Museum erfährst du Näheres über die schreckliche Zeit damals, auf dem großen Rundweg gelangst du zu Bunkern, Stollen, unterirdischen Schutzräumen und Schützengräben, alles mit Schautafeln erklärt. Insgesamt wurden 6.000 Schutzräume entlang der 90 km Schützengräben erbaut, von denen heute noch etwa die Hälfte sichtbar ist. Ein größerer Soldatenfriedhof ist ebenfalls vorhanden.

    Nach etwa 13 km erreichen wir unseren Endpunkt Cernay.

    Route des Crêtes: Campingplatz- & Stellplatz-Tipps

    • St-Marie-aux-Mines, Camping Les Reflets du Val d’Argent, Ortsausgang
    • Col des Bagenelles, großer Parkplatz
    • Col du Bonhomme, Aire du Col du Bonhomme, Parkplatz bei Gastronomiebetrieb, gebührenpflichtig
    • Station du Lac Blanc, Parkplatz im Skigebiet, am Col du Calvaire
    • Col de la Schlucht, Wohnmobilstellplatz am Pass in Le Valtin, an der D6, ausgewiesener Parkplatz
    • Hochgebirgsgarten, kleiner Parkplatz, an der D430
    • Parking du Chitelet, Haut des pistes, an der D430
    • Le Markstein, Parkplatz, an der D430, Restaurants, Freizeitangebote
    • Hartmannswillerkopf, sehr kleiner Besucherparkplatz, an der G431G
    • Cernay, Camping Les Cigognes, 16 Rue René Guibert, Ortsrand, nahe der Sportstätte

    Route 5: Entlang der Bretonischen Küste mit dem Wohnmobil

    Steckbrief

    • Route: Mont-St-Michel – Cancale – Saint Malo/Rothéneuf – Cap Fréhel – Plage du Palus – Paimpol – Pointe de l’Arcouest/Île de Bréhat – Tréguir – Perros-Guirec – Trégastel/Côte de Granit Rose – Roscoff – Plounéour-Brignogan-Plages – Kerlouan – Brest – Camaret-sur-Mer – Pointe du Raz – Quimper – Concarneau – Pont Aven – Carnac – Vannes/Golf von Morbihan
    • Länge: ca. 900 km
    • Dauer: ca. 3-4 Wochen (und mehr)
    • Beste Reisezeit: sehr individuell; Mai und September

    Route entlang der Bretonischen Küste: Hinweise und Tipps

    Im Sommer herrscht mehr Tourismus – vor allem am Meer –, da die Franzosen selber ebenfalls gerne ihre Ferien in der Bretagne verbringen. Dennoch findest du selbst dann noch menschenleere Strandabschnitte und freie Plätze in Bars oder Restaurants, wenn du nicht gerade an den Hotspots bist. Willst du ins Wasser steigen, was an vielen Stellen wegen des erstaunlichen Tidenhubs nicht immer einfach oder sogar unmöglich ist, solltest du in der Zeit von Juni bis August, eventuell noch Mitte September fahren. Eine von mir favorisierte Reisezeit sind der Mai und der September. Aber auch der stürmische Herbst und sogar der Winter haben etwas…

    Die Bretagne ist immer schön! Die Bretagne ist weit! Die Bretagne ist traditionell, wild und ruhig zugleich. Bretagne bedeutet lange (Sand)Strände, steile, manchmal rosa bis rote Klippen und bizarre Felsformationen, Leuchttürme, mehr als 6.000 Megalithen und etwa 1.000 Dolmen (davon alleine über 3.000 in Carnac), zahlreiche kunstvolle Calvaire, Commissaire Dupin und vieles mehr.

    Die Bretagne ist mit einer Fläche von 27.407,75 km² die größte Halbinsel Frankreichs und erstreckt sich dabei von Mont-St-Michel bis in die Baie de Pont Mahé.

    Die Gallier nannten diesen Landstrich „Aremorica“ – Land am Meer. Noch heute wird hier teils Bretonisch gesprochen, eine keltische Sprache, die ich trotz guter Französischkenntnisse nicht verstehe. Bretonen und (Rest)Franzosen sind etwa wie Bayern und „andere“ Deutsche…

    Die vorliegende Route beinhaltet einige subjektiv ausgewählte Eckpunkte in Küstennähe, wobei ich bewusst das ebenfalls wunderschöne Inland ausgelassen habe, da es den Rahmen sprengen würde. Um die Bretagne kennenzulernen, bedarf es mehr als diese Tour, um sie lieben zu lernen reicht es.

    Routendetails & Highlights der Route entlang der Bretonischen Küste

    Mont-St-Michel – Cancale – Saint Malo/Rothéneuf

    Wir beginnen in Mont-St-Michel und gehen somit fremd, denn diese wunderschöne Klosterinsel gehört offiziell zur Normandie, obwohl die Bretonen sie gerne ihr Eigen nennen. Mont-St-Michel liegt auf einem Felsen in der gleichnamigen Bucht im Wattenmeer und ist eines der Wahrzeichen Frankreichs. Früher konnte man unmittelbar vor dem Damm zur Insel mit dem Wohnmobil stehen, heute ist das nicht mehr möglich.

    Tipp für den Besuch dieses UNESCO-Weltkulturerbes: Nie am Wochenende hinfahren und am besten so früh wie möglich, da die engen Gassen ansonsten mit Touristen „vollgestopft“ sind. Auf eine Beschreibung dieser Sehenswürdigkeit verzichte ich bewusst; man muss sie selber sehen.

    Je nach Strecke legen wir nun 40-50 km bis nach Cancale, der „Austernhauptstadt“ der Bretagne, zurück. Hier kannst du kostengünstig Austern direkt aus dem Meer schlürfen, den Austernfischern bei der Arbeit zusehen und ein wenig durch den kleinen Ort spazieren.

    Unser weiterer Weg führt uns entlang der atemberaubenden Smaragdküste mit ihren schroffen und steilen Küstenabschnitten, den kleinen romantischen Buchten sowie einem türkisgrünen Meer.

    Das nächste Ziel ist Saint-Malo. Dazu fährst du entweder auf der D201 nahe an der Küste entlang oder kürzt ab, indem du die D355 nimmst. Da ich aber zuvor einen sehr schön gelegenen Stellplatz in Rothéneuf sowie eine fantastische Wanderung entlang der Klippen mit Badegelegenheit vorschlage, nehme ich die Küstenstrecke.

    Rothéneuf ist ein kleiner, beschaulicher Vorort von St-Malo, die Landschaft und der Strand drumherum sind ein Traum! Hoch auf den Klippen kann man wunderbar wandern, eine Kapelle besuchen, die Aussicht genießen, mal runter in eine meist einsame Bucht gehen und vor allem zu den Les Rochers Sculptés gelangen. Hier findest du sagenhafte Skulpturen, die ein Geistlicher zwischen 1894 und 1907 in die Felsen gemeißelt hatte.

    Von Rothéneuf bis in die historische Altstadt von St-Malo sind es etwas mehr als 7 km. Du kannst mit dem Bus oder deinem Wohnmobil hinfahren.

    St-Malo besitzt eine sehr schöne, auf drei Seiten vom Meer umspülte Altstadt. Wahrzeichen ist die gigantische Festungsanlage. Neben dieser sowie der Kathedrale Saint-Vincent gibt es noch viel mehr zu sehen. Besonders beeindruckend ist das Panorama vom Meer aus gesehen.

    Der hiesige Gezeitenunterschied, der bis zu 12 beträgt, ist einmalig. Wenn es hier stürmt, bietet sich dir ein atemberaubendes Spektakel, da sich die Wellen meterhoch aufbäumen. Übrigens legen von St-Malo aus die Schiffe zu den Kanalinseln sowie nach England ab.

    Cap Fréhel – Plage du Palus – Paimpol – Pointe de l'Arcouest/Île de Bréhat – Tréguir

    Wir fahren rund 40 km weiter und kommen zu der malerischen Halbinsel Cap Fréhel. Nicht nur der unbeschreibliche Meeresblick, die imposanten Steilufer und der Leuchtturm ziehen den Besucher in ihren Bann, sondern auch die– je nach Jahreszeit – Blütenpracht der Heidelandschaft. Eine rund einstündige Wanderung führt dich zum Fort la Latte, einer Burg aus dem 14. Jahrhundert.

    Über die D786 fahre ich etwa 70 km weiter, vorbei an zahlreichen schönen Stränden, zur Plage du Palus. Hier erwarten mich Sand- und Kiesstrand, Imbiss und Restaurants, Klippen im Hintergrund und der Küstenwanderweg des GR34. In der Saison ist es gerade an Wochenenden sehr voll, ansonsten lässt es sich hier gut leben und ausruhen.

    Weiter geht’s nach Paimpol, einem typisch bretonischen Hafenstädtchen. Zu sehen gibt es einiges, aber allein die Atmosphäre ist es wert, hierher zu kommen.

    Willst du ein fantastisches Panorama, einen schönen Strand sowie viel Natur erleben, fahre rund 7 km weiter gen Norden zum Pointe de l’Arcouest/Plage de l’Arcouest. Hier stehst du gegenüber der Île de Bréhat, auf einem (staubigen) Parkplatz, wo während der Saison am Tag die Hölle los ist. Abends ist es hingegen ein Traum!

    In der Nähe des Stellplatzes legt die Fähre zur Île de Bréhat ab, was den Betrieb auf dem Parkplatz erklärt. Die zweigeteilte Insel – vegetationsreicher Süden und wilder Norden mit kleinen felsigen Buchten – wird wegen ihrer Blütenpracht auch „Blumeninsel“ genannt. Sie ist autofrei, kann aber erwandert und mit dem Rad erkundet werden.

    Tréguir heißt unser nächstes Etappenziel, was jedoch nicht unmittelbar am Meer liegt. Hier machen wir wieder ein wenig auf Kultur: Umrahmt von zwei Flüssen, die wenig später in den Ärmelkanal münden, erstreckt sich die Stadt stufenförmig vom Hafen aus hoch zu einem Hügel. Romantische Gässchen, malerische Fachwerkhäuser und vor allem eine beeindruckende Kathedrale mit filigran wirkender Turmspitze geben Tréguir ein ganz besonderes Flair.

    Perros-Guirec – Trégastel/Côte de Granit Rose – Roscoff -Plounéour-Brignogan-Plages

    Weiter westlich befindet sich der beliebte Badeort Perros-Guirec an der berühmten Côte de Granit Rose, der Rosa Granitküste. Diese wunderschöne Küste ist bestückt mit zahlreichen, teils gigantischen Felsformationen aus rosa Granitgestein. Ich persönlich rate, hier auf den Campingplatz zu gehen und die Wanderwege entlang der Küste zwischen den bizarren rosa Felsriesen hindurch zu genießen.

    Trégastel, das andere Ende meines in Perros-Guirec begonnenen Küstenwanderweges, ist ebenfalls einen Besuch wert. Vom dortigen Stellplatz aus kannst du bei Ebbe sehr schön am Strand entlang in den Ort gehen. Sehenswert sind die kleine Kapelle Ste-Anne-des-Rochers, die Pfarrkirche und das Meeresaquarium, errichtet unter Rosa Granitsteinblöcken.

    Zahlreiche Inseln beziehungsweise Inselchen sind Trégastel vorgelagert. Die imposanteste ist der Felsen mit dem Château de Costaérès, Zweitwohnsitz des berühmten Didi Hallervorden.

    Unser nächstes Ziel liegt in mehr als 70 km Entfernung und heißt Roscoff. Der Ort liegt auf einer Halbinsel, gegenüber der Île de Batz, die für ihr besonders mildes Klima und der daraus resultierenden üppigen Vegetation bekannt ist. Roscoff ist Bade- und Hafenort zugleich und beeindruckt mit reich verzierten Häusern im alten Stadtkern. Seit längerem bestehen im Fährhafen Verbindungen zur Île de Batz sowie nach Großbritannien und Irland.

    Weiter geht es gen Westen, einem den meisten Menschen unbekannten Ziel entgegen. Wir steuern Plounéour-Brignogan-Plages an, einen kleinen Badeort, der aus zwei Dörfern zusammengelegt wurde. Wir befinden uns an der Côte des Légendes, wo es wirklich auch märchen- und legendenhaft schön aussieht: weiße Sandstrände, der Leuchtturm von Pontusval, die chapelle Pol mit Calvaire und gigantischen Felsen.

    Kerlouan – Brest – Camaret-sur-Mer – Pointe du Raz – Quimper

    Beinahe noch schöner ist es etwas weiter westlich – zu Fuß etwa eine Stunde am Meer entlang – in Kerlouan, genauer in Meneham, einem kleinen, vollständig restaurierten Dorf. Dünen, bizarr geformte Granitblöcke, reetgedeckte Steinhäuser, der Menhir de Men Marz mit seiner stattlichen Höhe von 8,50 m, Häuser zwischen gigantischen Felsen eingezwängt und ein atemberaubender Strand. Das muss man gesehen haben!

    Wenn du magst, kannst du jetzt weiter an der Küste entlangfahren oder abkürzen, was die Hälfte der Kilometerzahl bedeutet, um zur Hafenstadt Brest zu gelangen. Brest liegt an einer tief ins Landesinnere reichenden Bucht. Zum einen ist es eine moderne Stadt mit entsprechendem Verkehr, zum anderen Zivil- und Militärhafen mit zahlreichen (historischen)Sehenswürdigkeiten. Dazu zählen die beeindruckende Festung, le Château de Brest, mit dem Museum am Yachthafen, sowie weitere Museen.

    Ich umrunde die Bucht von Brest, um auf die gegenüberliegende Seite, auf die Halbinsel Crozon und nach Camaret-sur-Mer zu gelangen. Das kleine Hafenstädtchen bietet eine ganz besondere Atmosphäre, einen Sandstrand, die historische Befestigungsanlage mit Vauban-Turm sowie der kleinen chapelle de Notre-Dame de Rocamadour nebenan und in Strandnähe die Ruinen Manoir Saint-Pol Roux. Hauptattraktion und Wahrzeichen jedoch sind die neben dem Stellplatz stehenden Alignements de Lagatjar – 72 Menhire in drei Reihen angeordnet.

    Und wieder gibt es eine der zahlreichen Buchten zu umfahren. Ich möchte zur Pointe du Raz, einem spektakulären Kap. Hohe, schroffe Klippen, ein Leuchtturm, tosendes Meer, die Statue Notre-Dame des Naufragés und natürlich ein fantastisches Panorama. Achtung: Hier ist es meistens sehr windig!

    Unser Roadtrip führt uns nach Osten, in die Stadt Quimper, der Hauptstadt des Finistère, die bekannt ist für ihr Porzellan. Und wieder eine wunderschöne Altstadt mit mittelalterlichen Häusern sowie zahlreichen Sakralbauten.

    Concarneau – Pont Aven – Carnac – Vannes/Golf von Morbihan

    Als nächstes begebe ich mich auf die Spur Commissaire Dupins, den du vielleicht aus den berühmten Bretagne-Krimis von Jean-Luc Bannalec kennst. Wir fahren nach Concarneau. Alle dortigen Sehenswürdigkeiten aufzuzählen ist etwas schwierig. Das Flair am Hafen, wo Kommissar Dupin im Film in einem bestimmten Restaurant sitzt, aber vor allem die Ville Close, die Altstadt, sind das, was du erlebt und gesehen haben musst.

    Die von dicken Mauern umgebene Altstadt liegt sich auf einer Insel, die du über einen kleinen Verbindungsweg (oder auf der anderen Seite mit einer Personenfähre) erreichst. Sobald du durch das mittelalterliche Tor in die Stadt kommst, bist du in einer anderen Welt: wunderschöne Fachwerkhäuser, malerische Kopfsteingässchen und leider auch viel Tourismus. Auf der Stadtmauer zu spazieren und die wundervolle Aussicht zu genießen ist ein besonders empfehlenswertes Erlebnis. Die Stellplätze sind leider weniger attraktiv…

    Dafür ist der Pass’Étapes-Stellplatz im etwa 17 km entfernten Pont Aven umso schöner. Pont-Aven, ebenfalls Schauplatz in einem der bereits erwähnten Bretagne-Krimis, ist ein Ort voller Künstler und malerischer Ecken. Auch Paul Gauguin wusste um die Schönheit des Städtchen. Der Besuch des Musée de Pont-Aven ist empfehlenswert.

    Aber nicht nur der Ort selber, auch die nähere und weitere Umgebung verspricht Sehenswertes: die Dolmen und Menhire von Kercordonner, die Allée couverte von Moulin René und die Allée couverte von Coat Luzuen oder die Felsgräber Tombeaux des Géants (Gräber der Riesen).

    Unsere Reise endet im etwa 90 km entfernten Vannes am Golf von Morbihan. Die Stadt bietet mit seiner historischen Altstadt, der Stadtmauer, dem historischen Lavoirs de la Garenne (Waschhaus), dem Château de l’Hermine, der Kathedrale, dem Hafen und vielem anderen Grund, länger zu verweilen.

    Route entlang der Bretonischen Küste: Stell- und Campingplätze

    • Mont-St-Michel, Aire La Bidonnière, 5 Route de la Rive, größerer Stellplatz, mit allem, Shuttle-Bus
    • Mont-St-Michel, Aire camping-car Beauvoir, Route du Mont-St-Michel, in Beauvoir, an der D776
    • Cancale, Area Sosta Camper, Rue de Français Libres/Avenue Olivier Biard, großer Wohnmobilstellplatz, mit allem, Ortsrand, oberhalb des Strandes
    • Cancale, gebührenfreier Stellplatz auf einem Parkplatz, Rue de la Bretonnière, am Ortsrand, beim Supermarkt
    • Rothéneuf, Aire de camping-cars Les Ilots, Avenue de la Guimirais, sehr großer Stellplatz, mit allem, Ortsrand, Strandnähe (Hundestrand etwas weiter weg!), St-Malo ca. 6 km
    • St-Malo, Parking le Davier, Avenue Colette, kostenlos, ohne allem, Ortsrand, Strandnähe
    • St-Malo, Parking Henri Lemarie, 41 Rue Henri Lemarie, kostenlos, nahe der D301
    • St-Malo, Parking Paul Féval, Rue Paul Féval, Wohnmobilstellplatz, gebührenpflichtiger Parkplatz, mit allem außer Strom, Altstadt und Strand ca. 30-40 min zu Fuß
    • Cap Fréhel, Aire de stationnement camping-car, am Kap, öffentliche Toilette, Wanderwege
    • Cap Fréhel, Plévenon, Aire de stationnement camping-car, Parkplatz Plage les Grèves d’en basan, zwei hintereinanderliegende Plätze, an der D34
    • Cap Fréhel, Plévenon, Camping du Cap Fréhel, Camping Municipal, an der D34, Strandnähe
    • Cap Fréhel, camping-car, Wohnmobilstellplatz, D117, Pass’Étapes, Strand ca. 800 m Fußweg, Kap 5-6 km
    • Plage du Palus, Stellplatz auf einem Parkplatz, direkt am Strand
    • Paimpol, Aire de camping-cars, Rue Pierre Loti, Hafenbereich, Ver- und Entsorgung befindet sich am nächstgenannten Platz
    • Paimpol, Aire de services et stationnement, 19 Avenue Châteaubriand, in der Nähe des Bahnhofs
    • Pointe de l’Arcouest/Ploubazlanec, Aire camping-car Pointe de l’Arcouest, 1 Route de l’Embarcadère, Wohnmobilstellplatz, gebührenpflichtig, ohne allem, an der D789, gegenüber der Île de Bréhat
    • Tréguir, Parking pour camping-car, Boulevard Anatole Le Braz Bois du poète, Wohnmobilstellplatz, kostenlos, Ortsrand, langgestreckter Platz am Fluss
    • Perros-Guirec, Parking pour camping-car, 20 Chemin du Ranolien, auf Wiese, vorm Campingplatz
    • Perros-Guirec, Parking camping-car, kleiner kostenloser Parkplatz, nur tagsüber, im Wohngebiet, Strandnähe
    • Perros-Guirec, Camping Sandaya Le Ranolien, 60 Boulevard de Sémaphore (saisonal)
    • Trégastel, Aire de camping-cars, Rue de Poul Palud, kostenpflichtig, mit allem außer Strom, an der Bucht von St. Anne, gegenüber Supermarkt, Ver- und Entsorgung, Ortsrand, zahlen nur mit Kreditkarte, Park in der Nähe, an der Côte Granite Rose, bizarre Felsformationen, Fußweg nach Ploumanac’h
    • Roscoff, Aire camping-cars du Laber, Route du Laber, Wohnmobilstellplatz, in kleiner Bucht, an der Straße, außerhalb
    • Roscoff, Aire camping-car-park de Roscoff, am Camping Paradis la Pointe de Roscoff, Allée des Chênes Verts, Strandnähe, Zentrum fußläufig
    • Brignogan /Brignogan-Plage, Camping de la Côte des Légendes, am Strand
    • Kerlouan, Aire de camping-car, 175 Route du Bendin, sehr nahe am Strand
    • Brest, Stationnement camping-car, Rue des Cormorans, kostenlos, auf einem Parkplatz, im Hafen, beim Oceanopolis
    • Camaret-sur-Mer, Aire d’accueil de Camaret-sur-Mer, Rue Georges Ancey, parzellierter Platz, Strandnähe, ohne Strom, Ortsrand
    • Pointe du Raz/Plogoff, La Pointe du Raz, Wohnmobilstellplatz, großer Parkplatz, ohne allem, nahe Restaurants und Kap
    • Quimper, Camping Domaine de L’Orangerie de Lanniron, am Fluss, südlicher Ortsrand
    • Concarneau, Parking de la Gare, 105 Avenue de la Gare, Wohnmobilstellplatz, nicht besonders schön, Ver- und Entsorgung, am Bahnhof, oberhalb der Altstadt, Altstadt ca. 1-2 km, steiler Rückweg
    • Concarneau, Aire du Porzou, Allée Jean Bouin, Wohnmobilstellplatz, am Sportgelände, mit allem, Altstadt ca. 1-2 km, Personenfähre
    • Pont-Aven, Aire camping-car-park, mit allem, Pass-Étapes, Altstadt ca. 500-700 m, steiler Rückweg
    • Pont-Aven, Parking Bel-Air, 20 Rue des Abbés Tanguy, nur für kleinere Wohnmobile, kostenlos, westlich des Zentrums, auf Parkplatz
    • Vannes, Aire de camping-car-park, 188 Avenue Maréchal Juin Maréchal de France, Pass’Étapes, schön gelegen
    Concarneau - Bretagne

    Fazit: Mit dem Wohnmobil durch den Norden Frankreichs

    Nicht nur der Süden Frankreichs ist voller Sehenswürdigkeiten, Überraschungen und gastfreundlichen Menschen. Und auch das Netz der Stellplätze ist im nördlichen Frankreich engmaschig.

    Der Norden ist sehr abwechslungsreich: das kulinarisch herausragende Elsass, die wildromantische Route des Crêtes, die geschichtsträchtige Somme und natürlich das Land der Ch’tis und die Bretagne mit Stränden, die weniger überlaufen, manchmal sogar menschenleer sind.

    Wenn auch das Wetter vielleicht nicht so beständig wie in Südfrankreich ist, so wirst du doch mit wunderschöner Landschaft und zahlreichen Sehenswürdigkeiten entschädigt.

    Duch Südfrankreich mit dem Wohnmobil

    Ein Reisebericht mit persönlichen Erfahrungen

    Was uns Wohnmobilisten an Südfrankreich besonders zusagt, ist – neben den zahlreichen Sehenswürdigkeiten und der fantastischen Landschaft – die Infrastruktur bezüglich Übernachtungs- sowie Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten.

    Entdecke hier die 5 schönsten Routen für deine Wohnmobil-Reise durch Südfrankreich!

    Wie wäre es mit einer Wohnmobil-Reise durch Deutschland?

    Die 5 schönsten Routen durch Deutchland

    Es müssen nicht immer Spaniens Süden, die Toskana oder die griechischen Inseln sein. Deutschland hat mindestens genauso viele und schöne Flecken. Auch die deutschen Campingplätze und Wohnmobil-Stellplätze können sich sehen lassen. Also, warum nicht mal im Lande bleiben!?