Die Campingbranche befindet sich in einem Allzeithoch und erfreut sich über die immer größer werdende Fangemeinde. Die Preisentwicklung für Wohnmobile ist nicht nur mit der großen Nachfrage gestiegen: die Preise für Wohnmobile steigen auch auf Grund von Lieferengpässen und Rohstoffknappheit kontinuierlich an. Auch für 2022 wird eine weitere Steigerung je nach Modell zwischen mindestens 5% bis zu 10% erwartet.

Nun könnten böse Zungen behaupten, dass die Hersteller den Boom ausnutzen und die Preise selbst in die Höhe treiben. Doch die Wahrheit hinter den steigenden Kaufpreisen und auch langen Auslieferungszeiten ist viel komplexer als gedacht. Das fängt schon beim Rohstoffmangel an und zieht sich durch die ganze Produktion bis zur Auslieferung.

Fehlende Container führen zu höheren Frachtkosten

Kaum zu glauben, aber selbst Faktoren wie Containerpreise spielen tatsächlich beim Kaufpreis von Wohnmobilen bzw. bei der Preisentwicklung am Markt eine Rolle. Wie man es sich schon denken kann, hat natürlich auch die Pandemie hierbei eine ausschlaggebende Rolle. Weltweit wurden Lieferketten aufgrund von Hafenschließungen für lange Zeit unterbrochen. Die schon beladenen Container konnten also nicht an ihren Zielort transportiert und so auch die Ladung nicht gelöscht werden. Folglich waren diese Container nicht für andere Waren frei, welche vor dem letztendlichen Transport kostenaufwenig zwischengelagert werden mussten.

Der Zwischenfall mit dem havarierten Containerschiff im Suez-Kanal, welches für eine Woche den kompletten internationalen Schiffsverkehr in dieser Region zum Erliegen brachte, hat ebenfalls sein übriges dazu getan. Containerkosten schnellten um 700% nach oben, was natürlich auf die zu transportierenden Produkte und somit letztendlich auf den Endkonsumenten abgewälzt wurde und weiterhin wird.

Knappheit bei Rohstoffen

Durch die Transportprobleme wurde auch ein Teil des Engpasses an Rohstoffen verursacht. Ein anderer Grund ist die weltweit größer gewordene Nachfrage bei bestimmten Werkstoffen, der Stahlpreis z.B. stieg um ein 4-faches seines ursprünglichen Wertes. Auch Kunststoff und Holzwerkstoffe sind teils um ein doppeltes teurer.

Da genau diese Rohstoffe bei den Zulieferern und auch in der Endfertigung der Wohnmobile eine große Rolle spielen, kann man die Ratlosigkeit bei den Herstellern verstehen. Dazu kommen die immer höheren Kosten für Halbleiter. Da die boomende Elektronikbranche diese im zunehmenden Maße aufgrund der Nachfrage in so gut wie allen Bereichen des täglichen Bedarfs vereinnahmt, ist die Beschaffung jedes Mal schwieriger und kostentreibender.

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Wohnmobil Produktion

Lagerkosten als weiterer Preistreiber

Durch die Ungewissheit auf dem Beschaffungsmarkt der Rohstoffe müssen zur langfristigen Sicherstellung der Produktion folglich größere Mengen eingekauft, diese jedoch dementsprechend bis zur Verarbeitung gelagert werden. Der Bedarf an einer größeren und somit teureren Lagerfläche steigt und bedeutet zudem langfristigere, höhere Kapitalbindungskosten.

Kommt es während des Produktionsprozesses aufgrund von plötzlichem Teilemangel zu einem Stillstand, müssen die halbgefertigten Fahrzeuge ebenfalls „zwischengelagert“ werden. Dass dies ein generelles branchenübergreifendes und sehr reales Risiko ist weiß man spätestens seit dem wochenlangen Produktionsstopp bei VW in der PKW-Industrie.

Kosten der Basisfahrzeuge heben Wohnmobilpreise

Wie die eben erwähnte PKW-Industrie ist auch die Fertigung der Basisfahrzeuge von Beeinträchtigungen betroffen, was unwillkürlich die Preise für Wohnmobile beeinflusst. Doch nicht nur Produktionsprobleme lassen die Herstellung der Basisfahrzeuge teurer werden, auch immer hochwertigere Motoren, innovativere Serienausstattungen und notwendige technische Anpassungen aufgrund veränderter Vorschriften und Auflagen der EU sind meist nicht günstig.

Reaktion der Kunden zu steigenden Preisen

Händler berichten, dass durch eine offene Kommunikation mit den Kunden das Verständnis von deren Seite durchaus existiert. Natürlich heißt dies lange nicht, dass sie darüber erfreut sind, doch zumindest wird der Branche keine selbstgemachte Preistreiberei vorgeworfen. So ziemlich allen ist klar, dass vor allem durch Corona viele Teile des täglichen Lebens auf die unterschiedlichste Weise beeinträchtigt wurden und weiterhin werden. Der großen Nachfrage scheint es trotz steigender Preise und auch monatelanger Wartezeiten keinen Abbruch zu tun. Was einerseits für die Händler ein positives Zeichen sein dürfte, die generelle, problematische Situation der Knappheit jedoch durch eine weitere steigende Nachfrage noch zusätzlich verschärft.

Fazit: auch 2023 wird die Preisentwicklung bei Wohnmobilen nach oben gehen

Wer den Kauf eines neuen Wohnmobils in naher Zukunft plant, der sollte sich darauf einstellen, dass die Investition eine teure und zudem eine Auslieferung mit einer langen Wartezeit verbunden sein wird. Deshalb könnte es sich lohnen, parallel den Gebrauchtfahrzeug-Markt zu beobachten. Zwar ist auch hier das Preisniveau auf einem noch nicht da gewesenen Level, jedoch besteht die Möglichkeit, dass der ein oder andere Neucamper sein doch recht neues – und trotz fehlender Camping-Erfahrung – spontan zugelegtes Wohnmobil schon wieder verkaufen möchte. Man hört inzwischen vereinzelt Stimmen von Käufern, die festgestellt haben, dass dieses Hobby doch nicht den persönlichen Interessen entspricht. Unter Umständen könnte man so also mit etwas Glück an ein relativ neues, kaum genutztes Wohnmobil zu einem vergleichsweise guten Preis kommen.

Die andere, kostengünstigere Variante, welche auch kurzfristige Reisen ohne monatelange Wartezeiten zulässt, ist das Mieten eines Wohnmobils bei einer der vielen Vermietungen. Somit kann die Zeit überbrückt werden, bis es hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft wieder zu etwas besseren Preiskonditionen kommen wird. Wirklich sinken werden die Kaufpreise vermutlich nicht mehr, doch eine Kompensation durch hochwertigere Extras z.B. in der Ausstattung wären hier sicher denkbar. Allerdings werden die Preisanstiege vermutlich auch 2023 weiter anhalten und die Preisentwicklung für Wohnmobile nach oben treiben.

Foto von Christian Horz und Industryview von iStockphoto

Lediglich mit der Basisaustattung muss man für einen Camper ab 30.000 Euro rechnen, bei teilintegrierten mit Preisen ab 40.000 und vollintegrierte ab 50.000 Euro.

Je nach Saison und Modell kann man pro Nacht durchschnittlich zwischen 70 und 170 Euro für die Miete eines Wohnmobils rechnen.

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