Wohnmobile werden immer beliebter –  nun leider auch bei Diebesbanden! Meldungen von gestohlenen Wohnmobilen im ganzen Land scheinen von Tag zu Tag mehr zu werden. Durch die Lieferengpässe und die hohe Nachfrage nach Reisemobilen steigen die Preise weiter und dies wurde nun als Chance für schnelle Geschäfte von Kriminellen entdeckt: Wohnmobile werden geklaut und innerhalb ein paar Stunden über die Grenze (oft nach Polen) gebracht. Dort wird das Aussehen geringfügig geändert und dann mit gefälschten Papieren an einen der vielen Interessenten verkauft, die gewillt sind, Rekordpreise für ein gebrauchtes Wohnmobil zu bezahlen. Auch die Landeskriminalämter warnen vor Wohnmobil Diebstahl und geben Tipps zur Prävention solcher Fahrzeugdiebstähle.

Die gestohlenen Fahrzeuge verkaufen sich wie warme Semmeln und die schnelle Umschlaggeschwindigkeit macht das ganze für kriminelle Banden noch interessanter. Die Wohnmobile verweilen nur wenige Zeit im Besitz der Diebe und mit dem schnellen Weiterverkauf sinkt das Risiko erheblich, erwischt zu werden. Die Polizei rechnet deshalb mit einem weiteren Anstieg der Wohnmobil Diebstähle in diesem Jahr.

Wohnmobil geklaut – was nun?

Ein Wohnmobil ist so viel mehr als nur ein Fahrzeug zur Fortbewegung. Wer sich einen Camper zugelegt, der investiert nicht nur viel Geld, sondern auch Zeit und Liebe. Die ganze Einrichtung und Dekoration sollen für ein heimeliges Gefühl sorgen. Persönliche Wertgegenstände sind ebenfalls an Bord wie auch Erinnerungsstücke und individuelle Details, die ein Stück von einem selbst wiederspiegeln sollen. Wie bei einer Wohnung wird auch dem Wohnmobil ein persönlicher Touch verliehen, den es so ein zweites mal nicht gibt.

Finanzieller vs. emotioneller Verlust

Wird dieses kleine aber feine Eigenreich gestohlen, so fühlt man nicht nur den finanziellen Verlust, sondern man trauert auch emotional um ein Stück seiner Selbst. Man spürt den Verlust nicht nur im Geldbeutel, sondern sprichwörtlich im Herzen. Den größten Teil des finanziellen Parts wird hoffentlich die Versicherung ersetzen können, doch vieles an Bord ist unbezahlbar durch den sentimentalen Wert und somit unwiederbringlich.

Diebstahl der Lebensgrundlage

Nicht selten war der Camper buchstäblich das Zuhause des Bestohlenen. Der Trend zum Vanlife wächst, bei dem die Besitzer über einen längeren Zeitraum oder auch Vollzeit im Fahrzeug leben und von dort arbeiten (vgl. Home on Wheels). Wird das Wohnmobil – welches also nicht nur als Unterkunft sondern auch Büro benutzt wird – inklusive aller Arbeitsutensilien (wie z.B. Laptop, Kamera, Unterlagen etc) geklaut, ist der Diebstahl besonders schwerwiegend, da mit dem Fahrzeug die komplette Lebensgrundlage genommen wird.

Wiederbeschaffung gestaltet sich schwierig

Nach dem Diebstahl ist es -vor allem zur jetzigen Zeit – nicht nur sehr schwierig, Ersatz zu finden, sondern auch ein extrem langwieriger Prozess. Die Nachfrage nach Wohnmobilen ist so groß und das Angebot so gering, dass man um einiges mehr für einen Gebrauchten des selben Modells bezahlen muss.  Wenn es ein neues Wohnmobil werden soll, wir es nicht einfacher. Hier wird man erstmal auf die lange Warteliste der Hersteller gesetzt, in der Hoffnung, dass diese bald wieder schneller und gemäß der Nachfrage produzieren können. Doch dank verschiedener Faktoren wie Rohstoffmangel (ausgelöst haupsächlich durch die Pandemie), ist die Wohnmobil-Herstellung eine langwierige Sache geworden.

Passend zum Thema: Preise für Wohnmobile steigen auch 2022 weiter an 

Wohnmobil Diebstahl vermeiden durch Abschreckung

Um Diebe abzuschrecken, muss man sein Wohnmobil so unattraktiv wie möglich machen. Was bedeutet dies jedoch in diesem Zusammenhang? Man muss sich zuerst in den Kopf des Diebes versetzen: es wird ein Fahrzeug gesucht, das schnell – am besten innerhalb von Sekunden – ohne großen Lärm und Aufwand geknackt und entwendet werden kann. Was kann man also tun, um sein Fahrzeug für Langfinger so reizlos wie möglich zu gestalten?

Im Außenbereich

Man kann sehr viel im Außenbereich tun, damit Kriminelle schon im Vorhinein die Lust am Wohnmobil verlieren, wenn sie die einzelnen Maßnahmen erblicken:

  • auffällige Gestaltung: Wohnmobile sehen ab Werk praktisch alle gleich aus. In den überwiegenden Fällen sind diese weiß und ohne spezielle, auffallende Merkmale. Ein individuelles Design kann jedoch nicht nur fürs eigene Auge schön anzuschauen sein, sondern aufgrund des schnelles Wiedererkennungswertes für potentielle Diebe als Abschreckung dienen. Schließlich will man in einem gestohlenen Fahrzeug nicht auffallen wie ein bunter Hund. Je unauffälliger das Wohnmobil, desto besser, um im Verkehr „unterzutauchen“. Ein hervorstechendes Design, wie z.B. ein deutlich sichtbarer, individuell gestalteter Aufkleber bzw. Folierung, kann bei der Suche nach einem gestohlenen Wohnmobil besonders hilfreich sein. Dabei kann man nicht nur die Polizei auf dieses spezielle Merkmal aufmerksam machen, sondern auch per Soziale Medien einen Such-Aufruf starten.
  • Alarmanlagen Aufkleber: optimal wäre ein Warnaufkleber mit Hinweis auf eine Alarmanlage, wenn diese auch wirklich existiert. Doch auch schon der Aufkleber alleine kann den gewünschten Effekt der Abschreckung erzielen. Zwar reagiert neuesten Studien zufolge fast niemand mehr auf einen Fahrzeugalarm, doch da der mögliche Dieb unter keinen Umständen auffallen möchte, könnte dies trotzdem ein Grund sein, lieber ein „ungesichertes“ Wohnmobil zu suchen.
  • Radkralle: schon der Anblick einer Radkralle kann einen möglichen Diebstahl vereiteln. Diese Parkkralle wird sichtbar an einem der Räder am abgestellten Wohnmobil angebracht und mittels eines stabilen Metallbozens wird verhindert, dass das Fahrzeug bewegt werden kann. Auch die Entfernung der Kralle ist nicht ohne weiteres zu bewerkstelligen und würde ohne den passenden Schlüssel einen hohen Zeitaufwand bedeuten. Etwas, was Diebe normalerweise nicht haben.
  • Zusätzliche Schlösser an Türen und Fenstern: alles, was das Eindringen ins Fahrzeug erschwert und so den Diebstahl zeitintensiver werden lässt, macht das jeweilige Wohnmobil für Langfinger unattraktiver. Sind an Türen und Fenstern zusätzliche Schlösser und Vorrichtungen (z.B. Anti-„Picking“ von HEOSafe) angebracht, so bedeutet dies einen größeren Zeitaufwand und zudem auch die Notwendigkeit von speziellerem Werkzeug, um ins Fahrzeuginnere zu gelangen.

Im Innenbereich

Schon ein Blick durchs Fenster nach innen kann Dieben reichen, um ein Wohnmobil als „zu kompliziert“ zu erkennen. Hier ein paar Dinge, die als Abschreckung dienen könnten:

  • die Sitze im Fahrerhaus während der Abwesenheit nach hinten drehen und sichtbar fixieren (z.B. mit einem Bügelschloss o.ä.). Da sich das Wohnmobil unter diesen Umständen schwer bzw. nicht fahren lässt, wirkt diese kleine Maßnahme wahre Wunder bei der Entmutigung des Langfingers.
  • Stahlseil zur Sicherung von Fahrer- und Beifahrertür: dieses wird sichtbar innen zwischen den Türgriffen gespannt und mit einem Vorhängeschloss gesichert. Dadurch wird jedem klar, dass es selbst bei erfolgreichem Aufbrechen des Türschlosses keine einfache Möglichkeit gibt, schnell ins Fahrerhaus zu gelangen.
  • Lenkradkralle: wie auch im PKW ist eine Lenkradkralle leicht durch die Fenster sichtbar und lässt so die Komplexität erahnen, die nötig werden würde, um die Kralle zu entfernen und das Wohnmobil zu entwenden. Ein Gestänge zur Blockierung der Gangschaltung trägt zusätzlich zur Demotivation bei.
  • ein oder mehrere Hunde: es gibt sehr wenig, was abschreckender ist, als ein zähnefletschender Hund. Wirft der Kriminelle also ein Blick durchs Fenster und wird von einem bellenden, aggressiv erscheinenden Hund begrüßt, so wird er vermutlich so schnell wie möglich das Weite suchen. Schon die bloße Andeutung, dass ein Hund im Wohnmobil sein könnte, reicht in manchen Fällen als Abschreckung: also am besten einen großen Wassernapf vor den Eingang des Wohnmobils stellen, evt. sogar mit einer dicken, robust aussehenden Leine daneben… und schon hat man einen fiktiven Wachhund, der mögliche Kleinkriminelle fernhält.

Technische Helfer gegen den Wohnmobil Diebstahl

OBD-Sperre

Schaffen es die Langfinger bis ins Fahrerhaus zu gelangen, kann eine OBD-Sperre ihnen das Leben schwer machen. Diese abschließbare Abdeckung verwehrt den Zugang zum Diagnose Modul unter dem Lenkrad, weshalb die Wegfahrsperre nicht so einfach ausser Kraft gesetzt werdenkann. Bei professionellen Kriminellen wird dies vermutlich nur etwas Zeit schinden, doch bei allen anderen Gelegenheitsdieben könnte dies durchaus ein effektives Hindernis sein.

GPS-System

Haben alle visuelle und technische Abschreckungsversuche nichts geholfen, so kann man nur hoffen, dass das Wohnmobil schnell gefunden wird, bevor es über die Landesgrenze geschmuggelt wird. Mit einem GPS-Gerät an Bord kann man das Wohnmobil sehr gut verfolgt und so hoffentlich schnell von der Polizei aufgefunden werden. Jedoch sollte man darauf achten, das GPS-Überwachungssystem so gut wie möglich zu verstecken. Denn wenn es sich um professionelle Diebesbanden handelt, dann werden sie als allererstes versuchen, ein solches Gerät zu orten und unschädlich zu machen.

Fazit

Wie überall im Leben gibt es natürlich auch vor Wohnmobil Diebstählen keinen 100%igen Schutz. Professionelle Langfinger überwinden die größten Hindernisse, wenn sie das Fahrzeug wirklich haben wollen. Doch mit dem Hintergrund, dass auch Kriminelle gerne das schwächste Opfer aussuchen, kann man durchaus dafür sorgen, dass das eigene Wohnmobil nicht als erstes auf ihrer Liste stehen wird. Je mehr Hindernisse und Schwierigkeiten man schafft, desto unattraktiver wird der Camper. Letztendlich wird vor jedem Wohnmobil Diebstahl abgewogen, ob der Zeitwaufwand, die Notwendigkeit von Spezial-Werkzeug und das Risiko erwischt zu werden, in Relation mit dem Gewinn steht. Bei der wachsenden Menge an Wohnmobilen auf deutschen Straßen gibt es sicher einige leichte Alternativen, die bei den Dieben bevorzugt werden. Als Wohnmobilist sollte man also grundsätzlich versuchen, nicht zu dieser „leichten Beute“ zu gehören.

Foto von welcomia von iStockphoto

Nachrüsten von Alarmanlagen

Lohnt sich das Nachrüsten einer Alarmanlage im Wohnmobil und welche Optionen gibt es?