Wir alle können uns noch an unsere theoretische Führerscheinprüfung erinnern: tagelanges Büffeln der Verkehrsregeln und das Erlernen des teils recht komplizierten, deutschen Schilderwalds gehören immer dazu. Und soweit sind wir ganz gut gewappnet, wenn wir uns hierzulande auf den Straßen bewegen. Anders sieht es jedoch aus, wenn man die eigenen Landesgrenzen verlässt. Plötzlich sind einige Regeln anders und die Beschilderung sieht auch nicht mehr so familiär aus. Man könnte der Meinung sein, dass die deutsche Ordnungswut und die vielen Regeln einzigartig in Europa sind, doch andere Länder stehen mit ihrem Regelwerk in nichts nach. Deshalb sollte man sich vor einer Auslandsreise gerade mit dem Wohnmobil über die wichtigsten Besonderheiten des Ziellandes zumindest grob informieren, damit böse Überraschungen wie hohe Bußgelder nicht den Urlaub vermiesen werden. Im Nachfolgenden werden wir ein paar spezielle Besonderheiten und Kuriositäten auflisten.

Rauchverbot zum Schutz der Insassen

In mehreren Ländern kommt es nicht nur darauf an, was man im Straßenverkehr tut, sondern auch das Verhalten innerhalb des Fahrzeuges kann hier zu Strafen führen. Wer z.B. in Belgien oder Österreich minderjährige Kinder im Gefährt hat und zeitgleich raucht, der muss mit einer empfindlichen Geldstrafe rechnen. In Italien gilt dies ebenfalls, wenn eine schwangere Person im selben Fahrzeug ist. In Griechenland ist das Rauchen am Steuer bei der Anwesenheit von Kindern unter 12 Jahren verboten.

Verkehrsregeln zu Geschwindigkeit und Abstand

Laut Verkehrsregeln muss in Frankreich bei nasser Fahrbahn die Geschwindigkeit dementsprechend angepasst werden. Führerscheinneulinge (Fahrerlaubnis seit weniger als 3 Jahren) müssen ebenfalls ihre Geschwindgikeit drosseln, z.B. auf der Autobahn ist für sie bei 110km/h Schluss.

In Polen sollte man sich auch auf den Landstraßen immer bewusst sein, dass langsamere Gefährte hier sehr oft unterwegs sind. Dazu gehören Traktoren, aber auch Pferdegespanne.

In Luxemburg besteht in den Tunneln ein Mindestabstandsgebot von mindestens 5m und bei steilen Straßen hat generell immer das Fahrzeug Vorfahrt, welches bergauf fährt.

Bezahlen von Bußgeldern

In Frankreich kann man Bußgelder in Tabakläden mit dem Kauf einer Bußgeldmarke bezahlen. Für manche ist diese Notiz sicher schon kurios genug, dass ein Tabakladen zur heutigen Zeit noch rentabel sein kann, doch Frankreich hat mit ca. 35% Rauchern (im Gegensatz zu 23,8% in Deutschland, Tendenz weiter sinkend) noch eine recht stabile Zielgruppe. Somit dürfte das finden eines Ladens zum Bezahlen des Knöllchens kein Problem sein.

Ein zügiges Bezahlen von Strafen sind vor allem in Spanien und in Griechenland empfehlenswert. Wer länger in diesen Ländern unterwegs ist, sollte trotzdem nie zu lange damit warten, seine Knöllchen zu bezahlen. In Spanien bekommt man in den ersten 20 Tagen 50% Rabatt, während in Griechenland sich die Strafe nach 10 Tagen sogar verdoppelt.

Verkehrsregeln zu Alkohol am Steuer

In den meisten europäischen Ländern liegt laut Verkehrsregeln die Promillegrenze bei 0,5. Trotzdem gibt es auch Länder, wo eine 0,0 Grenze vorliegt, dazu gehören Tschechien, Ungarn, Rumänien und die Slowakei.

In Italien wird Alkohol am Steuer sehr teuer. Ab 1,5 Promille im Blut kann man mit einer Geldstrafe von 6000 Euro rechnen und im Extremfall wird sogar das Fahrzeug zwangsversteigert. Also sollte man im Urlaub das Dolce Vita nicht zu sehr genießen bzw. immer einen designierten Fahrer dabei haben.

Hinzuziehen der Polizei bei Unfällen

Unfall in Österreich? Hier sollte man nur bei größeren Kollisionen die Polizei rufen. Bei purem Blech- bzw. Sachschaden ist es empfehlenswert, lediglich die Versicherungsdaten der Unfallbeteiligten untereinander auszutauschen. Wird jedoch die Polizei in solchen Fällen hinzugerufen, wird von dieser eine sogenannte „Blaulichtsteuer“ verlangt werden.

Im krassen Gegensatz hierzu steht Kroatien, wo nach jedem Unfall eine polizeiliche Schadensbestätigung erstellt werden muss, damit ein Unfallfahrzeug das Land wieder verlassen darf.

Besondere Verkehrsregeln in den USA und Kanada

Ausserhalb Europas sind vor allem die USA und Kanada zu erwähnen, da hier die Regeln hinsichtlich der Schulbusse sehr streng sind. Hält ein Schulbus muss sowohl der nachkommende als auch der entgegenkommende Verkehr komplett zum Stillstand kommen.

Vorsicht, Lebensgefahr!

In Kroatien kann das Einhalten von Verkehrsregeln sogar direkt Leben retten. Denn hier hat es leider immernoch ein paar sehr gefährliche Überbleibsel des letzten Krieges: Minenfelder. Die meisten davon sind ausgeschildert, jedoch sollte man kein Risiko eingehen und lieber auf den befestigten Straßen und Wegen bleiben statt offroad zu gehen.

Fazit

Urlaub in fremden Ländern ist wunderschön und schafft Erinnerungen fürs Leben. Damit diese Erinnerungen hauptsächlich positiv bleiben, sollte man sich bei einer (Wohnmobil-)Reise mit dem eigenen Fahrzeug immer über die besonderen bzw. abweichenden Verkehrsregeln in den verschiedenen Ländern im Klaren sein. Teure Bußgelder belasten die Urlaubskasse während ein Entzug des fahrbaren Untersatzes sogar ein jähes Ende der Reise bedeuten könnte. Durch ein wenig Recherche können diese bösen Überraschungen einfach vermieden werden.

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Fotos von iStockphoto.com von Tetyana Linnik

In Spanien gelten die Autopistas als Mautstraßen, da es sich um von privaten Unternehmen betriebene Autobahnen handelt. Die Verbindungen sind gut ausgebaut und somit die schnellste Möglichkeit sich im Land zu bewegen.

Alle Autobahnen (D=Dálnice) und Schnellstraßen (R=Rychlostní silnice) sind generell mautpflichtig. Streckenabschnitte dioe von der Mautpflicht frei sind,erkennt man am Symbol einer durchgestrichenenVignette.