Camping-Neulinge stellen sich häufig die Frage, welche Fahrerlaubnis sie benötigen, um einen Pkw mit Anhänger oder Wohnwagen im Straßenverkehr zu bewegen. Um ein solches Gespann fahren zu dürfen, reicht in vielen Fällen die Fahrerlaubnis für Pkw nach Klasse B nicht aus und es bedarf einer Führerscheinerweiterung. Wir geben Tipps, wie man den Führerschein mit einem Tageskurs um die Zusatzqualifikation ergänzen kann und welche Wohnmobile und Anhänger man mit welcher Lizenz ziehen darf.

Fahrerlaubnis B: welche Wohnmobile darf man fahren?

Der Führerschein nach Klasse B erlaubt das Führen von Kraftfahrzeugen mit einem maximal zulässigen Gesamtgewicht von 3500 Kilogramm inklusive eines Anhängers, der die zulässige Gesamtmasse von 750 Kilogramm nicht überschreiten darf. Sollte das Zugfahrzeug weniger wiegen als die maximal erlaubte Gesamtmasse, kann auch ein schwererer Anhänger gezogen werden. Zugfahrzeug und Anhänger dürfen in diesem Fall jedoch zusammen maximal 3500 Kilogramm auf die Waage bringen.

Wer Fahrzeuge mit einer Gewichtszulassung zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen, also mittelschwere Lkw, führen möchte, muss zusätzlich im Besitz der Führerscheinklasse C1 sein. Die Klasse C entspricht der früheren Fahrerlaubnisklasse 2. Zusätzlich darf der Inhaber der C1-Fahrzeuglizenz einen Anhänger mit maximal 750 Kilogramm Gewicht ziehen.

Fahrerinnen und Fahrer, die noch Inhaber der alten Führerscheinklasse 3 sind, dürfen Fahrzeuge mit einem Gewicht von 3,5 bis 7,5 Tonnen fahren. Das gilt auch unabhängig davon, ob der Fahrer seinen alten Führerschein in den neuen EU-Führerschein im Scheckkartenformat umgetauscht hat.

Wohnmobil Führerscheine: Tabelle

Fahrzeug GewichtAnhänger GewichtGespann GesamtgewichtFührerschein
bis 3.5 tbis 750 kg-B (alt und neu)
bis 3,5 t> 750 kgbis 3,5 tB (alt und neu)
bis 3,5 t> 750 kgbis 4,25 tB96
3,5 - 7,5 tbis 750 kg-C1 , B (alt)
3,5 - 7,5 t750 kg bis 5 tbis 12 tC1E , B (alt)
> 7,5 tbis 750 kg-C
> 750 kg> 750 kg-CE
bis 3,5 tbis 3,5 tbis 7 tBE

Führerscheinerweiterung B96: Camping-Führerschein

Die Führerscheinerweiterung B96, auch Camping-Führerschein genannt, bietet Fahrern mehr Spielraum, denn sie dürfen mit passenden Zugfahrzeugen dann auch entsprechend schwere Anhänger ziehen. Diese Gespanne dürfen das zulässige Gesamtgewicht von insgesamt 4250 Kilogramm nicht überschreiten.

Die Gesamtmasse eines Fahrzeugs errechnet sich aus dem Leergewicht und der Zuladung. Das zulässige Gesamtgewicht wird auf Grundlage dieser Summe auf eine maximale Gesamtmasse begrenzt. Dies wird in Straßenverkehrsordnung und Straßenverkehrszulassungsordnung geregelt.

Beim B96 Führerschein handelt es sich ausschließlich um eine Führerscheinerweiterung, nicht um eine eigenständige Fahrzeugklasse. Für den Erhalt des B96 Führerscheins ist ein Tageskurs zu absolvieren.

Nach dem Tageskurs erfolgt beim zuständigen Straßenverkehrsamt die Eintragung der Erweiterung in den Pkw-Führerschein. Die Fahrerlaubnis wird durch den Vermerk der Schlüsselzahl B96 ergänzt.

Die Schlüsselzahlen im Führerschein stehen meistens für Auflagen und Einschränkungen. Jede Fahrerlaubnis beinhaltet verschiedene Fahrzeugklassen. So haben gesundheitlich eingeschränkte Personen, die beim Führen eines Pkw bestimmte Hilfsmittel benutzen müssen, eine bestimmte Schlüsselzahl in ihrem Führerschein vermerkt. Ähnlich verhält es sich mit der Schlüsselzahl B96. Bei einer Kontrolle wird besonderes Augenmerk darauf gerichtet, ob der Fahrzeugführer über die nötigen Fahrlizenzen verfügt. Zuwiderhandlungen werden mit Bußgeldern und Verwarnungen geahndet.

Anhängerführerschein B96: Tageskurs ohne Prüfung

Der Tageskurs für die B96 Führerscheinerweiterung verläuft in drei Schritten.

1.Teil: Theorie

Am Anfang steht ein theoretischer Teil, der laut Fahrerlaubnisverordnung 2,5 Stunden betragen muss. Im Theorieteil müssen sich die Teilnehmer mit Gewicht und Maßen von Zugfahrzeugen und Anhängern sowie deren zulässigen Höchstgeschwindigkeiten im Straßenverkehr befassen. Außerdem lernen die Teilnehmer, wie ein Anhänger richtig beladen wird und wie sich die fahrdynamischen Besonderheiten von Gespannen auswirken. Auch die Fahrzeugtechnik und andere Verkehrsteilnehmer sind wichtige Bestandteile des theoretischen Teils.

2.Teil: Praktische Theorie

Im zweiten Teil kommt der praktische Lernstoff ins Spiel. Hier werden den Teilnehmern verschiedene Fahrtechniken vermittelt, indem in mindestens 3,5 Stunden die tatsächliche Handhabung von Anhängern trainiert wird. Die Übungen umfassen Einparken, Wenden, An- und Abkuppeln, Rückwärtsfahren, Beschleunigen, Bremsen und Spurwechsel mit dem Gespann. Ferner müssen die Teilnehmer Zugfahrzeug und Anhänger durch einen Slalom manövrieren. Eine weitere wichtige Übung ist die Gefahrenbremsung. Viele Fahrschulen nutzen eigens dafür abgesperrtes Gelände wie einen Verkehrsübungsplatz. In 6 Stunden sammeln Fahrschüler die wichtigsten Kenntnisse, um ein Gespann sicher im Straßenverkehr zu bewegen. Der Tageskurs verläuft ähnlich wie ein umfangreiches Fahrsicherheitstraining.

3.Teil: Praxis

Im dritten Teil des B96 Tageskurses erfolgt letztendlich die Fahrübung im realen Straßenverkehr, die mindestens eine Stunde in Anspruch nehmen sollte. In der realen Umgebung üben die Fahrerinnen und Fahrer unter anderem das Fahren mit Anhänger im Kreisverkehr und kommen darüber hinaus mit weiteren Situationen des öffentlichen Verkehrs in Kontakt. Auch das Fahren auf der Autobahn mit einem Gespann ist ein wichtiger Teil der praktischen Ausbildung, um auch dort das richtige Gefühl für Spurwechsel etc. zu bekommen.

Am Ende des Tageskurses erhalten die Teilnehmer eine Bescheinigung über die Teilnahme am Fahrschulkurs B96. Eine praktische Prüfung wie beim Pkw-Führerschein ist nicht erforderlich, da die B96-Erweiterung keine eigenständige Fahrerlaubnisklasse darstellt. Die Teilnahmebescheinigung ist beim Straßenverkehrsamt vorzulegen und wird dort in den Führerschein eingetragen. Häufig organisieren Fahrschulen und Automobilclubs gemeinsam Tageskurse zum Erwerb der Führerscheinerweiterung B96. Es handelt sich meistens um Gruppenschulungen. Hier teilen sich dann zum Beispiel vier Teilnehmer ein Pkw-Wohnwagen Gespann.

Zu den Voraussetzungen für die Erweiterung B96 zählt der Besitz eines Führerscheins nach Klasse B. Außerdem müssen Fahrer das 18. Lebensjahr vollendet haben, um die Führerscheinerweiterung zu bekommen. Ausnahmen gibt es beim begleiteten Fahren. Auch 17-Jährige dürfen den B96-Führerschein absolvieren.

Wer die B96-Erweiterung erworben hat, kann unbefristet in ganz Europa Gespanne aus Wohnmobil und Anhänger in der zulässigen Gewichtsklasse fahren.

Wer mit dem Wohnwagen oder Anhänger verreisen will, sollte sich vor der Tour immer informieren, welche Vorschriften im jeweiligen Reiseland zu beachten sind. Es gelten nicht überall die gleichen Tempolimits und auch die Verkehrsregeln können von Land zu Land anders sein. Um sich Ärger zu ersparen, sollte man sich vorher schlaumachen, welche Straßenverkehrsregeln zu berücksichtigen sind.

Was kostet die Führerscheinerweiterung B96?

Die Kosten für die Führerscheinerweiterung B96 fallen je nach Fahrschule und Bundesland unterschiedlich aus. Der B96-Führerschein zählt sicher zu den günstigeren Fahrlizenzen. Man sollte mit Kosten zwischen 300 Euro und 600 Euro rechnen, es kommt dabei auch auf die jeweilige Fahrschule an. Der B96-Führerschein wird mittlerweile in fast allen Fahrschulen angeboten. Außerdem wird Campern auf vielen Campingplätzen mittlerweile ermöglicht, die Zusatzqualifikation in einem Tageskurs zu absolvieren. Neben den Tageskurskosten werden für die Eintragung in den Führerschein ungefähr 40 Euro beim Straßenverkehrsamt fällig. Ist auch diese Formalie erfolgt, steht einer Fahrt mit Pkw und Wohnmobil nichts mehr im Wege.

Kosten für die Führerscheinerweiterung B96: 300 – 600 Euro 

Für wen eignet sich der Erweiterungsführerschein B96?

Der Erweiterungsführerschein B96 eignet sich für alle Personen, die Gespanne mit einer Gesamtmasse zwischen 3,5 und 4,25 Tonnen bewegen möchten. Mit der Führerscheinerweiterung kann man fast jedes Wohnmobil fahren, denn die meisten Caravans liegen unter dem zulässigen Gesamtgewicht. Der B96-Führerschein kann auch beim Fahren von Motorbooten oder Pferdeanhängern nützlich sein, da er auch hierfür meistens ausreicht. Ebenso spricht der Erweiterungsführerschein Fahrerinnen und Fahrer an, die auch ein kleines Gespann sicher lenken möchten.

Durch das Training im Tageskurs wird unsicheren Fahrerinnen und Fahrern die Angst genommen und auch für Fahranfänger lohnen sich die Kenntnisse über Fahrtechnik und Fahrdynamik, die im Kurs vermittelt werden.

Sonderregel bei Führerscheinerwerb vor 1999

Camping-Neulinge, die ihren Führerschein vor 1999 gemacht haben, sind meistens verunsichert, wenn es um die verschiedenen neuen Führerscheinklassen geht und fragen sich, welche Caravans oder Anhänger sie überhaupt damit fahren dürfen. Die geltenden Vorschriften sollten beachtet werden, da ansonsten empfindliche Strafen wie Fahrverbote oder Bußgelder die Folge sein können. Für den Erhalt der B96 Führerscheinerweiterung gibt es eine Sonderregelung.

Wer die Prüfung für seinen Pkw-Führerschein vor 1999 abgelegt hat, ist im Besitz der Fahrerlaubnisklasse 3. Mit dieser Klasse dürfen Einzel- und Zugfahrzeuge mit einem Gewicht von 7,5 Tonnen sowie Gespanne mit einer Gesamtmasse bis 18,5 Tonnen geführt werden. Nicht dazu zählen jedoch mehrachsige Anhänger oder Sattelzüge. Die Gewichtsgrenze ist allerdings nur bis zum Erreichen des 50. Lebensjahres gültig. Dann verringert sich das zulässige Gesamtgewicht auf 12 Tonnen.

Soll die Erlaubnis für 18,5-Tonnen-Gespanne erhalten bleiben, ist der alte Führerschein gegen die aktuelle Scheckkarte einzutauschen. Hier wird dann vom Straßenverkehrsamt die Klasse CE79 eingetragen. Um diesen Zusatz zu behalten, ist in fünfjährigen Abständen eine ärztliche Untersuchung inklusive Sehtest fällig.

Fahrer von Gespannen sollten auch dem folgenden Hinweis Beachtung schenken:

Führerscheininhaber der Jahrgänge 1953 bis 1958 müssen bis 19. Juli 2022 ihren alten Papierführerschein in das neue Scheckkartenformat tauschen. Bis zum 19. Januar 2033 muss jeder seinen Altführerschein in das neue Format umgetauscht haben. Sollten Führerscheininhaber sich nicht an diese Fristen halten, können Verwarngelder erhoben werden. Auch im Ausland kann es hinsichtlich der alten Führerscheine Probleme geben. Das sollte man auch als Caravan- oder Gespannfahrer berücksichtigen.

Anhängerführerschein BE: für schwerere Anhänger

Der Anhängerführerschein der Klasse BE unterscheidet sich von der B96-Führerscheinerweiterung darin, dass es sich hier tatsächlich um eine eigenständige Fahrerlaubnisklasse handelt.

Das Ziehen von schwereren Anhängern ist nur mit dem speziellen Anhängerführerschein möglich. Hier reicht der B96-Campingführerschein nicht mehr aus. Die Fahrlizenz nach Klasse BE erlaubt es, Anhänger mit einer Gesamtmasse von bis 3500 Kilogramm zu ziehen. Der Anhängerführerschein ist etwas aufwendiger zu erlangen als die Erweiterung nach B96. Für den Anhängerführerschein ist der Besuch einer Fahrschule notwendig. Es sind mindestens fünf Sonderfahrstunden zu absolvieren. Es kommt dabei auf den Lernfortschritt des Schülers an, wie viele Fahrstunden ausreichend sind. Je mehr Fahrstunden ein Fahrschüler benötigt, umso teurer wird der Führerschein. Außerdem muss im Gegensatz zum B96 Führerschein eine Prüfung abgelegt werden. Eine weitere Voraussetzung zum Erhalt des Anhängerführerscheins ist der Pkw-Führerschein nach Klasse B. Es empfiehlt sich, die Anhängerlizenz direkt mit dem Klasse-B-Führerschein mitzumachen. So lassen sich Kosten sparen.

Schwere Anhänger können durchaus von einem Pkw gezogen werden. Beachtet werden sollte hier jedoch, dass auch das Zugfahrzeug für solche Anhänger eine Zulassung benötigt.

Häufige Fragen zur Führerscheinerweiterung B96