Direkt nach Ende des letzten Schultages vor den Sommerferien 2020 haben wir uns mit unseren Jungs (10 und 4) und unserer jungen Labrador-Hündin Molly auf den Weg in Richtung Frankreich gemacht. Unser Ziel sollte die Provence sein. Aufgrund der Pandemie gab es nicht viele andere Möglichkeiten. Ausserdem war der Wetterbericht sehr gut. Also ging es etwas ziellos nach Süden. 

Wir reisen mit unserem 1992er Dethleffs-Reisemobil auf einem Fiat Ducato mit satten 75 PS. Die Gesamtlänge beträgt gerade einmal 5,90m und bietet 6 Sitzplätze und 5 Schlafplätze. 

Ab in den Urlaub

Da wir, wie immer, nicht so gut aus den Startlöchern kamen, haben wir es vom Ruhrgebiet aus nur noch bis kurz vor die Luxemburgische Grenze geschafft und auf einem kleinen Parkplatz unweit der Autobahn vor einem kleinen Ort übernachtet. Unser altes Wohnmobil ist so ausgestattet, dass wir einige Tage problemlos autark stehen können. Wir haben eine Solaranlage, Küche, Toilette, Dusche und Wassertanks. So sind wir unabhängig. 

Dann ging es zunächst über Dijon nach Lyon, wo wir an den großen Seen unsere neuen, aufblasbaren Kajaks testeten. Wir waren begeistert. Mit der Handpumpe sind die Boote in wenigen Minuten einsatzbereit. Stabil tragen sie uns Anfänger sicher über das Wasser. Molly war ebenfalls an Bord und kühlte sich immer wieder in dem klaren Wasser ab. Als wir nachmittags wieder auf der Straße waren, wollten wir noch ein paar Meter machen. 

Warum quietscht unser Wohnmobil?

Wir hatten uns über die Region, die wir  bereisten nur wenig informiert. Aber ein paar Schlagworte zu den Spots in der Provence und Umgebung haben wir uns doch mal angesehen. Und als ich abends dann ein Schild vor einer Autobahnausfahrt “Gorges de l’Ardèche” las, klingelte etwas bei mir. Das reichte, um dort abzufahren und den Schildern über eine immer schmaler werdenden Landstraße in eine immer bergiger werdende Region zu folgen. Da hatten wir zu so später Stunde eigentlich keine Lust mehr zu. Aber umkehren wollten wir auch nicht. Zudem fing der alte Wagen nun auch schon an komische quietschende Geräusche zu machen.

Der Weg zog sich mit zunehmender Müdigkeit etwas hin, aber irgendwann erreichten wir dann ziemlich angenervt einen kostenlosen Wohnmobilstellplatz in Privas. Nach dem Abendessen waren alle wieder guter Laune und so genossen wir die tolle Aussicht auf die vor uns liegenden Berge. Jetzt schauten wir auch endlich mal in unseren Reiseführer und im Internet, wo wir da genau waren und was uns dort erwarten sollte. Und das war vielversprechend. Also machten wir uns am nächsten Morgen gleich auf zur Ardèche. Aber da war ja noch das quietschen. Erst dachten wir, es hätte sich von selbst erledigt, doch ab mittags war es wieder da und wurde immer lauter. Als würde ein Radler schleifen. Ich konnte es vor allem gut hören, wenn wir an den kleinen Mauern vorbei fuhren, die größtenteils den Straßenrand schmücken.

Wir durchfahren tolle kleine Orte. Außerhalb auf einem kleinen Parkplatz hielt ich an und wollte mir das Geräusch nun näher ansehen. Ich stoppte den Motor und stieg aus. Das Geräusch war aber noch da. Und nun war auch der wohl dümmste Touri erleuchtet… Das Geräusch war das zirpen der Zikaden. Hauptsache unser Wohnmobil ist in Ordnung. 

In den nächsten Tagen erkundeten wir die Schluchten der Ardèche. Die tolle Panoramastraße läuft sowohl weit über dem Fluß, als auch nah am Wasser. Direkt an der Pont d’Arc, einer natürlichen Steinbrücke, konnten wir kostenlos nächtigen. Aber nur, weil es noch vor den Schulferien in Frankreich war. Einige Tage später hätten wir ein paar Euro als Gebühr entrichten müssen. Wir konnten im Fluß baden und entschließen uns zu einer Kanutour auf der Ardèche. Acht Stunden ging es flussabwärts durch das tiefe Tal. 

Camping auf dem Bauernhof und kostenlose Stellplätze

Nur schweren Herzens verließen wir die Region. Aber unser Ziel war ja nun mal die Provence. Die blühenden Lavendelfelder säumten unseren Weg. Die hügelige Landschaft empfing uns bei bestem Wetter. Wir besichtigten die schöne Altstadt von Gordes und die roten Ockerfelsen in Roussillion. Beides ist definitiv einen Besuch wert. Wir parkten unser mobiles Heim einfach direkt am Straßenrand mit Parkschein oder auf den großen Besucherparkplätzen. Mit unter sechs Metern war das auch überhaupt kein Problem.

Die Nächte standen wir hauptsächlich auf kostenlosen Wohnmobilstellplätzen, die in dieser Region eine tolle Ausstattung bieten. So ist die Entleerung der Chemietoilette, aber auch die Wasserver- und Entsorgung, kein Problem. Allerdings gibt es nicht überall einen Stromanschluss. Wir brauchten auch keinen, da wir mit der Solaranlage bestens versorgt waren. Am Straßenrand stehen aber auch immer wieder Schilder, die auf Campingplätze hinweisen. Einem dieser Schilder folgten wir bis zu einem Bauernhof. Der Winzer empfing uns sehr freundlich und wir konnten gegen Gebühr eine Nacht dort verbringen, duschen und eine richtige Toilette aufsuchen. 

Campingplatz direkt am See

Für uns ging es dann direkt weiter zum Lac de Sainte-Croix, dem großen Stausee, indem der Verdon zu einem türkisgrünen See aufgetaut wird. Hier war der Wohnmobilstellplatz direkt am See leider zu voll für uns, so entschieden wir uns einen Campingplatz aufzusuchen. Wir nisteten uns einige Tage direkt am See ein, verbrachten viel Zeit am bewaldeten Kiesstrand und genossen das karibische Feeling im kühlen Nass.

Wir erforschten entlegene Buchten und die große Verdonschlucht mit unseren Kajaks und besuchten den Markt von Bauduen, wo es frische, regionale Produkte zu erwerben gibt. Im nahegelegenen Le Salles-sur-Verdon konnten wir uns mit Lebensmitteln und Spielzeug versorgen. Bisher war es für uns überhaupt kein Problem mit Hund unterwegs zu sein. Selbst an den Strand des Sees konnte Molly uns begleiten.

Für die Kinder war der 4-Sterne Campingplatz mit dem Spielplatz direkt gegenüber unserer Parzelle ebenfalls eine schöne Abwechslung. Und wir konnten auch abends die Beine hoch legen und ein Gläschen Wein genießen. Der provenzalische Wein ist wirklich sehr gut. Bei dem französischen Bier hingegen muss man schon mehr Glück haben, wenn man ein leckeres finden möchte. Aber das ist Geschmackssache und hier muss jeder seine eigenen Erfahrungen machen. Nach einigen erholsamen Tagen im, auf, am und um den See konnten wir uns kaum losreißen. Aber es zog uns weiter. 

Über die Panoramastraße an die Côte d’Azur

Wir folgten dem Verdon über die Panoramastraße und sahen so die beeindruckende Schlucht nochmal aus einer anderen Perspektive, bevor wir dann irgendwann in Richtung Côte d’Azur abbogen. Durch die Ausläufer der Alpen kämpften wir uns nach einigem Auf und Ab bis zum Mittelmeer durch. In Saint Tropez angekommen, stellten wir schnell fest, dass hier strenge Regeln für Wohnmobile gelten. Die engen Gassen dort in den Orten sind auch kein Vergnügen mit unserem Wohnmobil zu durchfahren. Also nisteten wir uns etwas außerhalb bei einem Winzer ein und erkundeten mit einem gemieteten PKW die Umgebung.

Die Parkmöglichkeiten an den Stränden sind meist höhen beschränkt um die zwei Meter. Da hatten wir nun kein Problem mehr und konnten so nun Saint Tropez und die Umgebung unsicher machen. Über eine Internetseite fanden wir einige Hundestrände. Am schönsten fanden wir es am Plage de l’Escalet, einem kleinen, felsigen Sandstrand. Hier konnten wir schnorcheln, baden und an der Felsenküste entlang wandern. 

Ab an den Strand

Der Leuchtturm mit seiner Steilküste am Cap Camarat ist ebenfalls einen Ausflug wert. Die Gassen und den Hafen von Saint Tropez sowie den Hafenort Port Grimaud haben wir uns ebenfalls angesehen. Die Nächte verbrachten wir in unserem Wohnmobil, welches ja gut auf dem kleinen Bauernhof abgestellt war. Da wir wegen einer Reservierung unseren Stellplatz bald räumen mussten, tauschten wir unseren Ford C-Max dann wieder gegen unser mobiles Heim und folgten der Küste an Marseille vorbei bis in die Camargue.

Direkt am Strand bezogen wir Quartier auf einem riesigen Campingplatz. Hier nutzten wir unsere Markise, die wir sonst eher selten mal ausgefahren haben. Aber nun brannte die Sonne wahnsinnig heiß und es wurde sogar nachts teils etwas unangenehm warm im Camper. Nun waren wir froh, auf dem Campingplatz zu sein, so konnten wir nachts alle Fenster ganz aufstellen. Am Strand war auch hier der Hund überhaupt kein Problem. Wir fanden eine tolle Stelle, auch für die Kinder, wo durch eine kleine Sandbank ein kleiner Pool vom offenen Meer getrennt wurde.

Schatten ist hier allerdings Fehlanzeige. Eines morgens mieteten wir uns Fahrräder, um das nahegelegene Le Grau-du-Roi zu erkunden. Die großen Seen beherbergen Flamingos, die man vom Ufer aus gut beobachten kann. Der schöne Hafen und die alte Stierkampfarena sind ebenfalls sehenswert. Wer in der Region unterwegs ist, darf nicht an Aigues-Mortes vorbei fahren. Die intakte Festung mit der darin liegenden Altstadt muss man unbedingt auf seine Liste schreiben. 

Weiter Richtung Norden zum Viaduc de Millau

Unsere Urlaubszeit näherte sich langsam dem Ende, so machten wir uns auf den Weg in Richtung Norden. Die erste Nacht verbrachten wir direkt am Fluss Hérold auf einem kleinen Parkplatz, wo man an einem Foodtruck eines jungen Pärchens eine kleine Gebühr entrichtet, direkt mit leckerem essen versorgt wird und das dann an Tischen, die im Wasser stehen, zu sich nehmen kann. 

Hier enden auch die Kanutouren, die man auf dem ruhigen Gewässer buchen kann.

Weiter führte uns der Weg über ein Stück Autobahn, da wir über die Brücke von Millau fahren wollten. Das imposante Bauwerk ist nicht nur das höchste Frankreichs, sondern auch die längste Schrägseilbrücke der Welt. Nach kurzer Zeit hatten wir die mautpflichtige Brücke hinter uns gelassen und verließen die Autobahn direkt, um in eine weitere Schlucht einzutauchen. Entlang des Tarns ging es flußaufwärts durch etliche Tunnel und an steilen Felswänden vorbei. Auf dem Weg liegen tolle Orte, wie Sainte-Eulalie-de-Cernon und die alte Burgruine Castle Peyrelade. Immer weiter den Tarn hinauf zog es uns bis Castelbouc.

Der Ort ist voll in die felsige Umgebung integriert. Die Häuser nutzen die riesigen Felswände als Hauswand und der schmale Weg durch den Ort ist höchstens mit dem Zweirad befahrbar. Hier gibt es keinerlei Geschäfte oder Restaurants. Ein toller Ort, der touristisch kaum erschlossen ist. Lediglich der kleine Shop auf dem Campingplatz gegenüber, der uns beherbergte, bot einige Lebensmittel an. Über die schmale Pontonbrücke am Wasserfall kann man dann den urigen Ort erreichen.

Die Rückfahrt war relativ unspektakulär. Wir machten einige Kilometer über die Autobahn und hielten erst kurz nach Lyon an der Saône. Da wir noch ein paar Tage Zeit hatten, trafen wir uns noch mit der Familie in Belgien und ließen dort den Urlaub ganz entspannt ausklingen, bevor wir die kurze Heimreise antraten.

Fazit unserer Reise nach Südfrankreich

Entgegen einiger Berichte, war das Reisen mit Hund für uns überhaupt kein Problem. Die kostenlosen Übernachtungsmöglichkeiten haben uns von der Region überzeugt. Überhaupt ist Frankreich sehr Camperfreundlich. Es gibt etliche Möglichkeiten, seine Tanks zu entleeren und Frischwasser aufzufüllen. Sogar auf vielen Autobahnraststätten gibt es die Versorgungssäulen, wo die Wohnmobilisten sich gegen kleine Gebühr erleichtern können. 

Die regionalen Produkte sollte man unbedingt testen. Uns hat besonders der Lavendelhonig, den wir auf dem Markt von Bauduen fanden, überzeugt und gleich süchtig gemacht.

Die Menschen waren überall freundlich. Sprachlich war es auch überhaupt kein Problem. Wenn unsere Bröckchen französisch nicht ausreichten, entgegnete man uns auch immer gut in englisch oder sogar deutsch.

Reisebericht Cote dÀzur und Provence von Sarah und AndiAutoren dieses Beitrags: Sarah und Andy aus Essen
Gemeinsam mit unseren Kindern und dem Labrador-Weibchen Molly machen wir Europa mit dem Wohnmobil unsicher. Unser mobiles Heim ist perfekt auf uns zugeschnitten.

Wenn ihr mehr zu unseren Reisen erfahren möchtet, schaut doch mal auch unseren YouTube-Kanal. Diese und andere spannende Reisen gibt es dort auch als Video-Reisebericht.

Unser Youtube Kanal: https://youtube.com/c/PiosWelt
Zum Nachlesen gibt es die Berichte hier: https://pios.world/