Die Lust der Deutschen auf Campingurlaub und somit die Nachfrage nach Wohnmobilen ist weiterhin ungebrochen. Camper haben dieses Jahr erneut feststellen müssen, dass Stellplätze für Wohnmobile gerade zu den Hauptreisezeiten knapp werden und ohne Vorreservierung teilweise kein Unterkommen ist. Auch die Campingindustrie und Gemeinden haben dieses Problem erkannt und sind auf der Suche nach Lösungen sowie nach Ansätzen, wie sie von diesem Trend profitieren können.

Aktuelle Situation der Campingbranche

Die neuesten Zahlen des Caravaning Industrie Verbands (CIVD) hinsichtlich der Neuzulassungen von Reisemobilen zeigen, dass der Boom nicht nur anhält, sondern die Ergebnisse vom Rekordjahr 2020 sogar noch weit übertroffen werden. Für den 12-monatigen Zeitraum von November 2020 bis Oktober 2021 konnte ein weiterer Anstieg von 14,9% im Vergleich zum Vorjahr (November 2019-Oktober 2020) verzeichnet werden.

Wie stark das Interesse der Kunden auch zukünftig in Reisemobile sein wird, lässt sich anhand der weiterhin hohen Nachfrage erahnen. Trotz anhaltender und kontinuierlicher Preissteigerungen sowie langer Auslieferungszeiten verzeichnen die Wohnmobilmarken Rekordumsätze.

Eines sei in diesem Zusammenhang erwähnt: bestünden nicht die v.a. durch die Pandemie verursachten Lieferschwierigkeiten bei Zulieferern und Herstellern, wäre die Zahl der Neuzulassungen folglich sogar noch um ein weiteres höher als sie eh schon ist.

Neuzulassungen Reisemobile 2021

Quelle: civd.de

Innovative Lösungen für fehlende Stellplätze

Die steigende Zahl der Wohnmobile in Deutschland schafft neue Herausforderungen für die komplette Stellplatz-Infrastruktur. Zwar gibt es im Land fast 2.900 Campingplätze mit über 209.000 Stellplätzen, doch diese sind dem Ansturm der zahlreichen Neucamper kaum mehr gewachsen.

Um die daraus resultierenden Probleme z.B. durch Wildcamping entgegenzuwirken werden immer innovativere Wege gefunden, neue legale Stellplätze zu kreieren, wie z.B. folgende:

Campingindustrie und Tourismus

Der Campingtourismus stellt einen bedeutenden und vor allem wachsenden Anteil der deutschen Tourismusindustrie dar. Vor allem Bayern, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg erzielen dabei hohe Einnahmen.

Aufgrund der Pandemie wurde der Heimaturlaub wieder so populär wie schon lange nicht mehr. Die Deutschen entdeckten, dass es keiner Welteise bedarf, um eine wunderschöne Urlaubszeit verbringen zu können. Direkt vor der Haustür gibt es genügend abwechslungsreiche Flecken, die einen Besuch wert sind.

Da die ausländischen Besucher auf den deutschen Campingplätzen nur einen kleinen Teil ausmachen (lediglich 7% der ausländischen Touristen suchten 2020 bei der Beherbergung Campingplätze auf), liegt das Hauptaugenmerk auf die Bundesbürger als Zielgruppe.

Werden jedoch nicht genügend Stellplätze für Wohnmobile zur Verfügung stehen, so ist eine Abwanderung eines Teils dieser Zielgruppe in die angrenzenden Nachbarländer sehr wahrscheinlich.

Caravan Salon und 1. Deutscher Stellplatztag

Schon letztes Jahr auf dem Caravan Salon in Düsseldorf wurde das Thema „Reisemobilstellplätze“ ins Visier genommen. In einer Kooperation zwischen dem Caravaning Industrie Verband (CIVD), dem Deutschen Tourismusverband (DTV) und dem ADAC wurde im Aussenbereich der weltgrößten Camping-Messe ein Gelände mit Musterstellplätzen errichtet. Schon zu diesem Zeitpunkt war klar, dass Investitionen in diesem Bereich durchaus lukrativ und vor allem notwendig sein werden, wenn man eine Stellplatz-Not rechtzeitig abwenden möchte.

Auch dieses Jahr waren die Musterstellplätze wieder auf dem Caravan Salon vertreten, um möglichen Investoren und interessierten Betreibern verschiedene Parzellen-Optionen aufzuzeigen, von Basic bis Premium. Zusätzlich wurde der 1. Deutsche Stellplatztag zelebriert, bei dem Vertreter aus Touristik, Wissenschaft und Fachpresse mit Stellplatzbetreibern über die Zukunft des Wohnmobil-Tourismus debattieren konnten. Ebenso Teil des Plenums war die Erörterung wie Kommunalpolitik und Gemeinden von der Ausweitung des Stellplatz-Angebotes Nutzen ziehen können.

Bedeutung für Gemeinden und Kommunen

Urlauber heutzutage sind vermehrt auf der Suche nach Natur und nachhaltigem Tourismus. Da Camping sich hauptsächlich auf ländliche Regionen konzentriert, können kleinere Gemeinden und Kommunen mit einer hohen Nachfrage von Wohnmobilisten und somit mit neuen, lukrativen Einkommensquellen rechnen.

Die vom Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr e.V. beim 1. Deutschen Stellplatz-Tag vorgestellte Hochrechnungen machen deutlich, dass Gemeinden und Kommunalpolitik dank direkter und indirekter Einnahmen durch den Camping-Tourismus attraktive Gewinne für die ganze Region erwirtschaften können. Dabei sind die Stellplatz-Gebühren eher nebensächlich, wenn man an die zusätzlichen Einkommensmöglichkeiten denkt wie Benzin, Lebensmittel, Souvenirs, Gastronomie etc. Die Ausgaben werden für Camping-Urlauber auf 50 Euro pro Tag geschätzt. Der Umsatz im Jahr 2020 durch Camper ausserhalb der Campingplätze wird auf 1,69 Milliarden Euro für die Zielgebiete beziffert.

Fazit

Die Zahl der Wohnmobile in Deutschland steigt und somit auch der Bedarf an Stellplätzen für die nächste Hochsaison. Während es schon einige innovative Ansätze wie z.B. Stellplätze bei Landwirten gibt, ist inzwischen auch der Tourismusindustrie und der Politik klar geworden, dass noch mehr getan werden muss. Schließlich will man den heimischen Tourismus nicht verlieren und mit ihm eine wichtige zusätzliche Einkommensquelle von Gemeinden und Kommunen. Mit dem 1. Deutschen Stellplatztag auf dem Caravan Salon 2021, bei dem sich Experten aus allen Bereichen wie Tourismus, Wirtschaft und auch Politik, austauschen konnten, wurde ein wichtiger Schritt getan. Nun kann man nur hoffen, dass pünktlich zur nächsten Hochsaison auch mehr Stellplätze für Wohnmobile geschaffen werden können.

Fotos: Messe Düsseldorf / ctillmann

Für die Suche nach kostenlosen Stellplätzen für Wohnmobile gibt es diverse Apps, darunter die sehr beliebte park4night inkl. User-Bewertungen der Plätze.

Das Wildcampen ist in Deutschland generell untersagt und bei Zuwiderhandlung vor allem in Naturschutzgebieten und unerlaubt auf Privatgeländen ist mit hohen Bußgeldern zu rechnen.

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