Manchmal scheint es wie verhext! Man kann machen, was man will, doch man kommt mit dem Wohnmobil einfach nicht unter das zulässige Gesamtgewicht. Um nicht bei jeder noch so kurzen Reise immer wieder demselben Problem gegenüber zu stehen, gibt es zwei Lösungen: entweder man lastet das Wohnmobil auf oder man kauft einen Anhänger. Was die jeweiligen Vor- und Nachteile sind, möchten wir im folgenden in einem kurzen Überblick erläutern.

Wohnmobile immer schwerer

Aufgrund der immer größeren Anforderungen der Kunden an Komfort und Ausstattung sind die Wohnmobile ab Werk immer schwerer. Gerade bei den Modellen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von maximal 3,5 Tonnen ist dies ein großes Problem, da durch das hohe Eigengewicht der Fahrzeuge nur eine minimale Zuladung möglich ist. Eine Überladung kann bekanntlich sehr teuer werden bzw. Punkte mit sich bringen. In manchen Ländern im europäischen Ausland kann unter Umständen sogar das Fahrzeug entzogen werden, wenn dieses zu viele Kilos auf die Waage bringt.

Zwar gibt es einige Tipps wie man das Gewicht der Zuladung reduzieren kann, doch nicht immer sind diese Tricks von ausreichend Erfolg gekrönt. Wer also nicht jeden Urlaub jedes Gramm buchstäblich auf die Waage legen will, der ist mit einem Anhänger oder sogar der Auflastung des Wohnmobils gut beraten.

Anhänger am Wohnmobil

Vielseitig einsetzbar

Der große Vorteil der Anhänger sind deren Flexibilität. Nicht nur, weil so ziemlich alles auf einem Anhänger transportiert werden kann, von Gepäck bis hin zum Motorrad. Auch kann der Anhänger das ganze Jahr hindurch und an anderen Fahrzeugen (wie z.B. am PKW) benutzt werden.

Zusätzliches Platzangebot

Der Anhänger bietet je nach Art sehr viel mehr Platz selbst für sperrige Objekte wie Fahrräder, E-Roller oder sogar Motorräder. Wessen Wohnmobil nicht die größte Heckgarage hat, der wird über den Extraplatz im Anhänger dankbar sein.

Regeln hinsichtlich Führerschein

Wer seinen Führerschein noch vor 1999 gemacht hat, der ist fein raus. Denn somit können Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 7,5 Tonnen ohne weiteres gefahren werden. Mit Anhänger dürfen es sogar 12 Tonnen sein.

Im Gegensatz dazu sind alle, die den Führerschein nach 1999 gemacht haben, in vielerlei Hinsicht bei der Auswahl der Fahrzeuge limitiert. So liegt das zulässige Gesamtgewicht der inbegriffenen Fahrzeugtypen bei maximal 3,5 Tonnen. Anhänger dürfen maximal bis zu 750kg wiegen, jedoch der Gesamtzug von Fahrzeug und Anhänger darf weiterhin nur maximal 3,5 Tonnen auf die Waage bringen.

Mit dem Zusatzführerschein B96 kann man einen Anhänger mit maximal bis zu 750kg zusätzlich zu einem Fahrzeug mit zulässigem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen lenken, woraus sich ein Gesamtgewicht des Zuges von maximal 4,25 Tonnen ergibt.

Wem selbst das noch zu wenig ist, der kann mit dem BE Führerschein ein Fahrzeug mit maximal 3,5 Tonnen und zusätzlich einen Anhänger mit ebenfalls maximal 3,5 Tonnen – also einem Gesamtgewicht von maximal 7 Tonnen – steuern.

Veränderte Regeln im Straßenverkehr

Bei der Nutzung des Anhängers muss man beachten, dass sich einige Vorschriften bei der Teilnahme im Straßenverkehr dadurch ändern:

  • Das Tempolimit ausserorts liegt bei 80km/h, ebenso auf der Autobahn, außer beim Vorliegen einer Tempo-100-Zulassung. Die Voraussetzungen für die 100 km/h Regelung ist das zugelassene Gesamtgewicht des Zugfahrzeugs von maximal 3,5 Tonnen, dessen Ausstattung mit ABS, Anhänger-Reifen mit Zulassung von 120km/h, sowie Anbringung einer 100km/h-Plakette am Heck.
  • Das LKW-Überholverbot gilt auch bei Fahrzeugen mit Anhänger, welche als Gesamtzug die 3,5 Tonnen überschreiten.
  • Durchfahrtsbeschränkungen für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gelten natürlich auch für dementsprechend schwere Wohnmobile und ihre Anhänger (kleine Gasse und Straßen, Brücken etc.)
  • Mautgebühren können sich je nach Land ebenfalls ändern, z.B. in der Schweiz braucht der Anhänger eine extra Vignette.
  • Vorschriftsmäßige Anbringung eines Abreißseils: Das Abreißseil löst bei einer möglichen unbeabsichtigten Abkoppelung des Wohnwagens während der Fahrt die Bremse des Anhängers aus.

Diese Vorschriften gelten jedoch nur im Verbund mit dem Anhänger. Sobald dieser entkoppelt wird, gelten wieder die normalen Regeln für das Wohnmobil mit unter 3,5 Tonnen Gesamtgewicht.

Zu beachten beim Anhänger ist ausserdem, dass bei der Nichtnutzung dieser nur bis zu maximal 14 Tage an einem öffentlichen Platz/Straße geparkt werden darf.

Kosten eines Anhängers

Je nach Modell gibt es Anhänger schon unter 1000 Euro, jedoch nach oben sind Preise von mehreren tausend Euro möglich. Ebenso darf man die Kosten von Kauf und Montage der Anhängerkupplung nicht vergessen.

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Foto von Malkovstock von iStockphoto

Auflastung vom Wohnmobil

Fahrkomfort wird erhöht

Unter Auflastung versteht man technische Maßnahmen, durch die man das zulässige Gesamtgewichts eines Fahrzeugs vergrößern kann. Beim Auflasten wird gleichzeitig der Fahrkomfort und die Fahrstabilität merkbar verbessert. Die Federung wird optimiert, indem diese verstärkt oder eine zusätzliche Luftfederung eingebaut wird.

Keine Umgewöhnung nötig

Das Fahrverhalten des Wohnmobils verändert sich, wenn überhaupt, nur zum besseren. Wem das Fahren und vor allem das Rangieren mit dem Anhänger nicht geheuer ist, der wird mit der Lösung der Auflastung um einiges glücklicher werden.

Veränderte Regeln im Straßenverkehr

Im Gegensatz zu einem Wohnmobil mit Anhänger kann ein aufgelastetes Wohnmobil nicht plötzlich wieder in den Normalzustand zurückversetzt werden. Ist der Wandel erst einmal vollbracht, so ist dieser permanent und die mit ihm einhergehenden Vorschriften dauerhaft:

  • Für Wohnmobile mit über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht gilt ein generelles Tempolimit von 80km/h ausserorts und 100km/h auf den Autobahnen.
  • Beim LKW-Überholverbot sind auch die Wohnmobile mit >3,5 Tonnen betroffen.
  • Zusätzlich müssen alle Wohnmobile mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen ab dem 7. Zulassungsjahr nicht mehr nur alle 24 Monate zur Hauptuntersuchung, sondern alle 12 Monate.
  • Auf Beschilderungen von Durchfahrtsbeschränkungen in kleinen Straßen und auch auf Brücken ist zu achten.
  • Mit dem erhöhten Gewicht wird das aufgelastete Wohnmobil in vielen Ländern zu den LKWs gezählt und somit steigt auch die Mautgebühr.

Regeln hinsichtlich Führerschein

Da der normale B-Führerschein auf maximal 3,5 Tonnen limitiert ist, muss bei einer Auflastung auch die Fahrerlaubnis dementsprechend angepasst werden. Die nächstbeste Möglichkeit ist der C1 Führerschein, der das Steuern eines Fahrzeuges mit maximal 7,5 Tonnen erlaubt.

Kosten der Auflastung

Einen Pauschalpreis kann man an dieser Stelle nicht nennen, da es auf das Wohnmobil Modell ankommt und die Art der Auflastung. Doch günstig ist das Auflasten nicht und man muss mit mehreren Tausend Euro rechnen.

Ausführlichere Infos zum Thema Auflasten findest Du hier: Wohnmobil auflasten – Definition, Kosten Vor- und Nachteile

Fazit

Sowohl die Auflastung als auch der Kauf von Anhänger und die Montage der Anhängerkupplung ist mit hohen Kosten verbunden. Wer nicht immer mit einer Überladung rechnet, der wird mit einem Anhänger besser beraten sein, da Einschränkungen bei Tempolimit, Befahrbarkeit, Überholverbot etc. nur temporär sind, sprich wenn man den Anhänger mit dabei hat. Ohne diesen fallen all diese Limitierungen weg und man kann sein Wohnmobil mit weniger als 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht mit den weit weniger scharfen Vorschriften genießen. Ist jedoch die Auflastung erst vollzogen, dann gibt es soweit kein zurück mehr und alle Regeln sind permanent und ab dann immer zu beachten.

Titelfoto: welcomia von iStockphoto

Gewicht einsparen im Wohnmobil

Wie kann man Überladung vermeiden?

Vor dem Anhängerkauf und der Auflastung gibt es ein paar Tipps und Tricks wie man das Gewicht der Zuladung reduzieren kann. Mehr dazu findest Du hier…

Mit der Führerscheinklasse B sind Anhänger bis zu 750kg erlaubt, jedoch nur, wenn in Kombination mit dem Zugfahrzeug die maximal zulässigen 3,5 Tonnen nicht überschritten werden.

Bei der Auflastung eines Wohnmobils werden bestehende Federungen verstärkt oder ganz ersetzt. In bestimmten Fällen müssen auch Reifen und Felgen angepasst werden.