Nicht wenige haben sich in den letzten 2 Jahren an neuen Hobbies versucht. Durch die Pandemie und die Lockdowns hatte man plötzlich mehr Zeit zur Verfügung als es einem eigentlich lieb war. Egal ob kochen, malen oder handwerken… Jeder schien auf der Suche nach einem kreativen Outlet zu sein. Nicht verwunderlich ist deshalb die stark angestiegene Zahl von DIY-Campervans. Der Camper Ausbau ist plötzlich zu einem beliebten Zeitvertreib und sogar Mode-Phänomen geworden.

Natürlich nicht nur, weil hierbei buchstäblich ein eigenes Reich ganz nach den individuellen Vorstellungen geschaffen werden kann. Auch der Ausblick, damit frei und unabhängig die Welt bereisen zu können, bringt die nötige Rest-Motivation, um ein solch aufwendiges Projekt zu beginnen und tatsächlich bis zum Ende zu bringen.

Damit das umgebaute Traumfahrzeug auch vom TÜV abgenommen und auf deutschen Straßen zugelassen wird, müssen natürlich einige Regeln, Vorschriften und Normen eingehalten werden. Diese dienen nicht nur zur eigenen Sicherheit, sondern auch zum Schutz aller Fahrzeuginsassen und der anderen Verkehrsteilnehmer.

Warum ist die Definition der Fahrzeugart wichtig?

So wie für einen PKW nicht dieselben Regeln und Vorschriften wie für einen LKW gelten, so haben auch Wohnmobile ihre Eigenheiten sowohl im Straßenverkehr, als auch bei den Versicherungen und beim Finanzamt. Alleine schon der günstigere Steuersatz gegenüber dem normalen PKW ist Motivation genug, um das Fahrzeug als Wohnmobil anerkennen zu lassen und die nötige Betriebserlaubnis zu erhalten.

Anforderungen an Reisemobile

Um ein Fahrzeug als Wohnmobil deklarieren lassen zu können, muss der charakteristische Wohnbereich ganz klar als dieser zu erkennen sein und zudem fest verbaut, also nicht herausnehmbar sein:

  • Schlafgelegenheit: egal ob ein umlegbarer Sitz oder ein regelrechtes Bett verbaut wird, eine klar erkennbare Liegefläche ist in jedem Wohnmobil vorhanden.
  • Kochgelegenheit: für das leibliche Wohl muss auf Reisen natürlich gesorgt werden können. Deshalb muss eine Kochgelegenheit in jedem Camper nicht nur vorhanden, sondern fest installiert sein. Dabei macht es keinen Unterschied, ob der Kocher elektrisch betrieben ist oder mit Gas bzw. Spiritus. Grundvoraussetzung sind natürlich spezielle Sicherheitsnormen für den teils doch beengten Raum.
  • Sitzgelegenheiten mit Tisch: jedes als Wohnmobil anerkannte Fahrzeug hat eine Sitzgelegenheit für mehrere Personen und einen Tisch. Letzterer kann als ganzer existieren oder auch klappbar, ausziehbar, drehbar o.ä. sein. Hinweis: die Zahl der zu transportierenden Personen ist abhängig von der möglichen Zuladung hinsichtlich des zulässigen Gesamtgewichts. Ausserdem müssen die Sitzplätze Sicherheitsgurte aufweisen.
  • Schrank: zum Aufbewahren von Proviant, Kleidung usw. muss ausreichend Stauraum zur Verfügung gestellt werden. Schränke und Schubladen sollten fest verschließbar sein, damit sich diese weder beim Bremsen, noch beim Kurvenfahren oder auch bei einem Unfall öffnen können und so der Inhalt durch das ganze Fahrzeug fliegt oder sich sogar zu gefährlichen Wurfgeschossen verwandeln kann.
  • Aus demselben Grund müssen alle weitere Objekte im Wohnmobil, die nicht in Schränken oder Schubladen aufbewahrt werden, bei der Fahrt befestigt werden können.
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Foto von photoschmidt von iStockphoto

Tipps für den Camper Ausbau

Allgemeine Überlegungen vor dem Start

Bevor man sich an den Camper Ausbau macht, sollte man grundlegende Überlegungen anstellen:

  • welches Budget und wieviel Bauzeit habe ich zur Verfügung?
  • welches Werkzeug ist nötig?
  • wieviele Sitz- und Schlafplätze braucht das Wohnmobil?
  • zu welchen Jahreszeiten soll der Camper benutzt werden, sprich wieviel und welches Dämmmaterial ist nötig?
  • soll der Camper möglichst autark sein oder wird dieser hauptsächlich auf Campingplätzen mit kompletter Infrastruktur benutzt werden?
  • welche technische Ausstattung sollte das Wohnmobil haben?

Sicherheits-Tipps für den Camper Ausbau

Für die fortwährende Sicherheit auch nach dem Ausbau sind einige Dinge grundsätzlich zu beachten:

  • Leider hört man immer wieder von Brandunfällen in Wohnmobilen. Egal ob eine defekte Heizung oder Herd, eine brennengelassene Kerze oder Zigarette, oder auch plötzliche Kabelbrände sind die Auslöser und innerhalb von Minuten kann das gesamte Fahrzeug in Flammen stehen. Die verwendeten Materialien sollten deshalb schwer entflammbar sein.
  • Aufgrund der erhöhten Brand- und/oder Explosionsgefahr muss man beim Einbau einer Zusatzheizung darauf achten, dass diese bauartgenehmigt ist.
  • Der Einbau von elektrischen Anlagen sollte -wenn möglich- von einem Fachmann durchgeführt oder zumindest im Nachhinein überprüft werden.
  • Tragende Karrosserie-Teile sollten weder entfernt noch verändert werden. Bei Bedarf sollte man sich mit dem Fahrzeughersteller in Verbindung setzen.
  • Bei Unfällen ist es vorteilhaft, wenn die verwendeten Materialien splittersicher sind. Hierfür sollten die allgemeinen Normen und Richtlinien recherchiert werden. Die Scheiben z.B. müssen aus Sicherheitsglas mit dem entsprechenende Prüfzeichen sein.
  • Für den Einbau eines weiteres Einstiegs im Wohnbereich empfiehlt sich die rechte Seite mit einer Trittstufe von nicht mehr als 50cm Höhe.
  • Um den Mitfahrenden vor allem im Wohnbereich die größtmögliche Sicherheit bieten zu können, sollten alle Sitzplätze mit den nötigen Sicherheitsgurten ausgestattet sein. Auch sollte die Kommunikation zwischen allen Insassen mit dem Fahrer zu jeder Zeit ohne Probleme möglich sein, um auf mögliche Gefahrensituationen so schnell wie möglich reagieren zu können.
  • In einem Notfall bietet es sich an mehr als nur einen Fluchtweg zu haben. Mindestens zwei unabhängige Türen, am besten in entgegengesetzter Richtung im Wohnmobil, geben allen Insassen die Chance, das Wohnmobil bei Bedarf so schnell wie möglich zu verlassen.

Vor dem Camper Ausbau – testen, testen, testen

Der Camper Ausbau ist im Moment sehr populär und man kann es als eine Art Modeerscheinung ansehen. Dank Instagram und anderer sozialer Medien ist der Hype ums Vanlife groß geworden. Personen, die noch nie in ihrem Leben auch nur zelten, geschweige denn mit dem Wohnmobil unterwegs gewesen sind, verlieben sich anhand von Bildern in die Vorstellung von Freiheit und Unabhängigkeit.

Dass Campen jedoch noch soviel mehr ist und teilweise auch Herausforderungen mit sich bringt, ist den Neulingen oftmals nicht bewusst. Deshalb empfiehlt es sich gerade für Anfänger, vor dem zeitaufwenigen und unter Umständen auch sehr teuren Camper Ausbau, zuerst Erfahrungen in der Praxis zu sammeln.

Wohnmobil mieten

Das mehrmalige Mieten eines Wohnmobils ist hierbei die einfachste Option, um herauszufinden, ob Camping ansich überhaupt das richtige für einen selbst ist. Optimal wäre es, das Fahrzeug zu verschiedenen Jahreszeiten zu mieten, damit alle Facetten des Campens ersichtlich werden.

Alles ist einfacher und macht mehr Spaß, wenn die Sonne scheint und die Welt generell in Ordnung scheint. Ob man wirklich das Zeug zum eingefleischten Camper hat, das stellt sich erst heraus, wenn man vom Dauerregen über mehrere Tage gefangen wurde und trotz klammen Verhältnissen nicht die Liebe zum Camping-Leben verliert.

Mit Tücken vertraut machen

Das Wohnmobil wird oftmals mit einer kleinen Wohnung auf vier Rädern verglichen. Doch ganz so einfach ist es nicht. Es gibt durchaus seine Eigenheiten und Handgriffe, die verstanden werden und zu jederzeit richtig sitzen müssen. Dazu gehören unter anderem:

Auch ist dieser Praxistest eine wunderbare Messlatte, was genau für jeden einzelnen im Wohnmobil von Wichtigkeit ist, was man besser machen könnte und worauf man beim Ausbau des eigenen Campers ganz besonders Rücksicht nehmen muss.

Fertig Module

Campingausbau leicht gemacht

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Fazit

Der Camper Ausbau ist im Moment in Mode und aus der ganzen Welt kann man die Kreationen vor allem auf Instagram mitverfolgen. Kein Wunder also, dass viele Lust bekommen, sich selbst an einem solchen Projekt zu versuchen. Doch vor dem Start sollte man einige Überlegungen anstellen, Erfahrungen sammeln und auch die Vorschriften recherchieren, bevor man sich Hals über Kopf in ein kostspieliges und zeitaufwendiges Projekt stürzt.

Titelbildnachweis: Alisha Bube (iStockphoto)

Verschiedene Marken und Modelle sind für den Ausbau sehr beliebt: Mercedes Benz Sprinter, Citroen Jumper, Fiat Ducato, Renault Master, VW Crafter, Peugeot Boxer, Mercedes Vario, Iveco Daily etc

Eine pauschale Angabe zu den Kosten eines Campers ist nicht möglich. Es kommt sehr auf Fahrzeugmodell und individuelle Ausstattung an. Man findet im Netz durchaus Beispiele für Camper, die für unter 3000 Euro umgebaut wurden. Jedoch sind nach oben keinerlei Grenzen gesetzt.