Egal ob Camper, Wohnmobil, Wohnwagen oder Zelt… auf dem Campingplatz sind alle gleich und für alle gelten dieselben Regeln. Was aber, wenn gerade die Neulinge diese nicht kennen?

In einschlägigen Facebook-Gruppen beschweren sich alteingesessene Wohnmobilisten nun vermehrt, dass sie schon auf der Fahrt zum Reiseziel den üblichen Campergruß zwischen den Fahrzeugen vermissen. Ein kurzes, jedoch freundliches Handheben und/oder Winken ist seit jeher der gängige, respektvolle Gruß untereinander, wenn sich die Wege kreuzen. Wird nicht zurück gegrüsst, ist das nicht sehr gerne gesehen und wird gar als unfreundlich empfunden.

Aufgrund der wachsenden Popularität vom Camping im allgemeinen und von Reisen im Wohnmobil im besonderen, wird man dieses Jahr auf sehr viele Anfänger treffen, denen die ungeschriebenen Regeln des Camperdaseins nicht geläufig sind. Dies muss nicht zwangsläufig auf Ignoranz zurückgeführt werden, sondern eher auf Unwissenheit.

Um also nicht schon unterwegs und bei Ankunft auf dem Campingplatz als „Rüpel“ aufzufallen, sollte man als Neuling einige Dinge beachten!

Gruß und Umgangsform beim Campingurlaub

Egal ob im Wohnmobil unterwegs auf den Straßen oder auf dem Camping- bzw. Stellplatz, es wird immer freundlich untereinander gegrüßt. Keine Sorge: man muss nicht an jeder Ecke Smalltalk halten, jedoch ein kurzes „Servus“, „Moin“ oder „Hallo“ verlangt sicher niemandem zuviel ab.

Für manche etwas gewöhnungsbedürftig könnte das generelle „Du“ zwischen den Campern sein. Hier spielt es keine Rolle wie alt Dein Gegenüber ist: es wird geduzt! Anders als ausserhalb der Camperwelt wird ein „Sie“ als eher unfreundlich empfunden. Man ist hier unter sich und gehört nun zur „Familie“ und das „Du“ gehört zum guten Ton.

Nachbarschaftshilfe unter Campern

Wie es sich auch mit dem Garten eines jeden Hausnachbarn verhält ist ebenfalls beim Campen die Parzelle des Platznachbarn tabu! Man betritt nicht ungefragt das Reich des anderen, auch nicht um „nur mal schnell“ den Weg abzukürzen.

Parzellennachbarn bieten unaufgefordert Hilfe an: egal, ob beim Auf- oder Abbau, beim Grill anwerfen oder einfach nur wenn die Markise klemmt. Ist Not am Mann oder Frau wird ganz selbstverständlich mit angepackt.

Gleichzeitig achtet man natülich darauf, dass man beim Aufbau von Caravan, Wohnmobil oder Zelt nicht unnötig die neue, gute Nachbarschaft schon von Anfang an aufs Spiel setzt, indem man seinen Platz mit unnötigen Sichtbarrieren oder sogar Stolperfallen bestückt. Stattdessen handelt man ganz nach der Devise: was du nicht willst, was man dir tut, das füge auch keinem andern zu.

Ordnung halten auf eigenem Stellplatz

Geben wir es doch zu: niemand wohnt gerne neben einer Müllhalde. Gerade auf dem Campingplatz, wo man noch etwas näher zusammenrückt, sollte man darauf achten, dass persönliche Gegenstände den Nachbarn nicht negativ ins Auge fallen: liegengelassenes schmutziges Geschirr sowie nicht ordnungsgemäß entsorgter Müll ziehen Fliegen, Ameisen und anderes unliebsames Getier an und können auch den Nachbarn in Mitleidenschaft ziehen.

Wir alle waren mal Kinder und wissen, dass es nicht möglich ist immer und überall hinter den Rackern her zu sein. Jedoch kann man auch kleinen Kindern gewisse Verhaltensregeln recht schnell beibringen: Reißverschlüsse anderer Zelte sind tabu, Spielzeug anderer Kinder wird nicht einfach ohne zu fragen genommen und Teenager müssen ihre Bluetooth-Lautsprecher nicht auf voller Lautstärke über den Platz dröhnen lassen. Man sollte immer im Hinterkopf behalten, dass alles sehr hellhörig und nah aufeinander ist und so Rücksicht und gesunder Menschenverstand walten sollte.

Grillen macht Spaß und gehört beim Campingurlaub einfach dazu! Doch auch hier gilt: das unnötige einrusen und einräuchern der Nachbarn sollte vermieden werden. Also beim aufstellen und anwerfen des Grills darauf achten und im Notfall ein paar mehr Würstchen auf den Grill werfen, damit man den geplagten Nachbarn zumindest einladen kann.

Sanitäreinrichtungen auf Campingplatz

Wer nicht seinen eigenen Wohnwagen oder sein Wohnmobil mit dabei hat bzw. einfach lieber die Sanitäreinrichtungen auf dem Campingplatz benutzt, sollte auch hier gewissen Verhaltensregeln folgen.

Langes Duschen mit heißem Wasser ist wohltuend und entspannend, jedoch nicht für die anderen Camper, die vor der Dusche Schlange stehen müssen und darauf hoffen, dass das warme Wasser auch für sie reichen wird. Deshalb gerade zu Stoßzeiten bitte darauf achten, die Dusche nicht unnötig lange zu blockieren.

Persönliche Rückstände bitte immer säubern! Schon die ausgespuckte und angetrocknete fremde Zahnpasta im Waschbecken ist für viele ein Albtraum, ganz zu schweigen von eventuellen „Bremsspuren“ in der Toilette. Um solche unappetitlichen Sichtungen zu vermeiden sollte jeder Camper alles immer so sauber zurücklassen, wie er oder sie es vorgefunden hatte.

Dass man seine Toilettenkassette zudem nicht an den Waschbecken ausspült und reinigt muss nicht unbedingt erwähnt werden, oder doch? Also um sicher zu gehen hier nochmal schriftlich: nein, das tut man nicht!

Fazit

Wie in der „normalen“ Welt gilt auch auf jedem Campingplatz, dass auf den Nachbarn Rücksicht genommen wird. Es macht keinen Unterschied ob man mit dem Wohnmobil in Kroatien oder mit dem Wohnwagen in Spanien steht: Camperregeln sind universell und mit ein bisschen gesundem Menschenverstand recht einfach abzuleiten. Hält man sich an die Regeln, dann wird man feststellen, dass Campingurlauber unter sich eine Art Familie sind und man entwickelt meist von selber ein besonderes Zugehörigkeitsgefühl. Anfangs bzw. mehr denn je werden die Neulinge darauf angewiesen sein, dass die alten Hasen ihnen etwas unter die Arme greifen werden. Doch mit etwas Geduld und Verständnis sollte das kein Problem sein. Schließlich haben wir alle mal klein angefangen. Letztendlich wird dann auch sicher wieder vermehrt der Campergruß auf den Straßen als natürliches Ritual des gegenseitigen Respekts zu sehen sein.

Wer noch mehr hilfreiche Infos für Anfänger sucht, den könnte die ultimative Packliste und allgemeine Tipps zum ersten Wohnmobil-Urlaub interessieren.

Foto von Xue Guangjian von Pexels