Das Kastenwagen Wohnmobil ist sehr beliebt vor allem bei den jüngeren Camper-Generationen. Wendig, kompakt und mit geringem Spritverbrauch kann man die Welt erkunden. Egal ob enge Gassen, Gebirgsstraßen oder Stadtverkehr: mit dem Kastenwagen kommt man praktisch überall problemlos durch. Doch es gibt einen Nachteil, der gerade im Winter sehr zum Tragen kommt: aufgrund der nicht optimalen Isolierung kann es zu unangenehmen Kältebrücken kommen, welche die Camping-Erfahrung trüben können.

Basisfahrzeug Kastenwagen

Alkoven, Teil- und Vollintegrierte haben die unverkennbare Charakteristik, dass vom Basisfahrzeug nur mehr das Fahrgestell und Motor sowie im Fall der Alkoven und Teilintegrierten das Fahrerhaus mit übernommen werden. Der restliche Aufbau wird sowohl innen als auch außen vom Wohnmobil-Hersteller gestaltet. Im Gegensatz dazu bleibt beim Kastenwagen Wohnmobil das ursprüngliche Fahrzeug im kompletten äußeren Zustand erhalten und nur das Innere wird zum Wohnraum umgebaut. Da es sich grundsätzlich um einen Lieferwagen handelt, ist eine besondere Isolation und Wärmedämmung bei der Herstellung primär keine Priorität gewesen. Dies merkt man spätestens, wenn man bei kälterem Wetter unterwegs ist und es ohne entsprechende Gegenmaßnahmen teilweise recht zugig werden kann. Vor der Anmietung oder dem Kauf eines Kastenwagen Wohnmobils sollte man sich also über die schon bestehende Isolierungen genau erkundigen, vor allem wenn man vorhat nicht nur im Sommer, sondern auch zu kälteren Jahrezeiten mit dem Fahrzeug unterwegs zu sein.

Wohnmobile und ihre Kältebrücken

Kältebrücken sind Bereiche, welche die im Inneren durch Heizen gewonnene Wärme leicht nach draußen leiten bzw. die äußere Kälte ins Fahrzeug dringen lassen. Dadurch kühlt das Wohnmobil schnell ab, weshalb kontinuierlich ein größerer Heizaufwand nötig ist und folglich zu einem höheren Kostenaufwand führt. Kältebrücken ergeben sich vor allem an Stellen im Fahrzeug, die nicht oder nur schlecht isoliert sind. Bei den Teilintegrierten ist es das Fahrerhaus, bei den Alkoven stellt zusätzlich dazu die Alkovennase eine weitere Schwachstelle dar.

Durch Thermoabdeckungen oder Vorhänge speziell fürs Fahrerhaus kann recht schnell und einfach Abhilfe geschafft werden. Beim Alkoven muss jedoch die komplette Verkleidung abgenommen und nachisoliert werden. Vollintegrierte sind am besten gegen Kälte gewappnet, da der Aufbau aus einem Stück besteht und somit rundum eine zusammenhängende Grundisolierung vorzuweisen hat.

Bei den Kastenwagen gibt es gleich mehrere Kältebrücken, gegen die man vorgehen muss, wenn man auch bei kühleren Temperaturen unterwegs sein möchte. Welche diese im einzelnen sind, sagen wir hier:

  • Hecktür: die klassische Kältebrücke und charakteristisch für den Kastenwagen. Durch den Spalt zwischen den beiden Hecktüren kann die Luft fast ungehindert durchziehen.
  • Schiebetür: im Gegensatz zu den üblichen, gut isolierenden Aufbautüren der restlichen Wohnmobile hat man beim Kastenwagen eine große Schiebetür, die ringsum Kälte ins Fahrzeug kriechen lässt, vor allem jedoch am unteren Teil. Dort dringt am meisten kalte Zugluft ein.
  • Fahrerhaus: wie auch bei den Alkoven- und teilintegrierten Wohnmobilen ist das Fahrerhaus eine einzige Kältebrücke. Von überall scheint die Kälte ihren Weg nach Innen zu finden: über den Boden, aus dem Motorraum durch die Lüftungen, über die Windschutzscheibe und die Seitenfenster.
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Vorhang im Fahrerhaus (Foto von photoschmidt von iStockphoto)

Schnelle Abhilfe fürs Kastenwagen Wohnmobil

Verschiedene Isoliermatten/Thermovorhänge helfen den Kältebrücken entgegenzuwirken. Hängt man auf die komplette Fläche der Rückwand/des Hecks eine große, durchgängige Isoliermatte bzw. einen Thermovorhang auf, hat die Kälte kaum mehr eine Chance. Damit die Matte beim Be- und Entladen nicht stört, gibt es Varianten mit Reißverschlüssen zur einfacheren Handhabung.

Dasselbe Prinzip kann für die Fenster im Fahrerhaus übernommen werden. Windschutzsscheibe und Seitenfenster können mit Thermomatten von außen oder von innen abgedeckt werden. Entscheidet man sich für die Abdeckung im Außenbereich kann diese ebenfalls den positiven Nebeneffekt haben, dass man die Scheiben vor Eis und Schnee schützt. Hört man jedoch nachts ein verdächtiges Geräusch wird es schwer, mal eben schnell vom Fenster aus nach dem Rechten zu schauen.

Der Boden im Fahrerhaus kann ebenfalls mit einer solchen Thermomatte abgedeckt werden, doch auch schon ein einfacher Fahrerhaus-Kabinen-Teppich kann wahre Wunder vollbringen und verhindern, dass Kälte über den Fussraum ins Fahrzeuginnere tritt. Weiter sollte man alle Lüftungen schließen, damit die kalte Luft nicht über den Motorraum eindringen kann.

An der Schiebetür ist meist im Bodenbereich der größte Luftzug. Wie man es von zu Hause vielleicht kennt, kann man sich hier ganz einfach mit einem Zugluftstopper behelfen. Dieser kann aus einer zusammengerollten Decke bestehen oder einem alten Kissen.

Alternativ kann man sowohl Fahrerhaus als auch Schiebe- und Hecktüren mit einen dicken Vorhangstoff komplett abhängen, was eine wirkungsvolle Barriere für die Kälte schafft. Vorteil gegenüber den eher starren Isolierungsmatten ist die leichtere Handhabung des Textilvorhangs. Wie ein normaler Vorhang kann dieser einfach auf- und bei Bedarf wieder zugezogen werden. Selbst im Sommer muss man die Textilvorhänge nicht abnehmen, sondern kann sie -wenn nötig- als Sichtschutz für mehr Privatspäre nutzen. Die Thermovorhänge sind aufgrund ihrer Beschaffenheit nicht ganz so flexibel handzuhaben, weshalb die meisten Camper diese nach dem Winter komplett abnehmen und bis zum nächsten Herbst wieder verstauen.

Kastenwagen_wohnmobil-isolierung

Foto von photoschmidt von iStockphoto

Dämmung beim Selbstausbau

Wer einen Lieferwagen von Grund auf selbst ausbauen möchte, der wird aufgrund der Nichtexistenz jeglicher Isolierung um die komplette Wärmedämmung des gesamten Fahrzeuges nicht herumkommen. Denn nicht nur für den Winter, sondern auch für die Sommermonate ist eine Grundisolierung sehr wichtig. Jeweils ist die Verhinderung des Wärmeaustausches zwischen zwei Bereichen das Ziel: ist es draußen kalt, so möchte man es innen mollig warm halten. Ist draußen jedoch eine brütende Hitze ist man froh, wenn sich das Fahrzeug nicht so schnell aufheizt.

Eine gute Isolierung hat zudem den Zweck die Anlagerung von Feuchtigkeit zu verhindern. Beim Kochen, Duschen und selbst beim Atmen während des Schlafens wird Feuchtigkeit an die Luft abgegeben, die sich später als Kondenstropfen z.B. an den Fenstern, aber auch an sonstigen ungedämmten Stellen sammeln können. Unter diesen Umständen könnten dort gesundheitsschädlicher Schimmel und auch Rostbildung begünstigt werden.

Regelmäßiges Stoßlüften -sowohl im Sommer und vor allem auch im Winter- kann die feuchte Luft aus dem Wohnmobil gut vertreiben. Wer bei regnerischem, kalten Wetter das klamme, feuchte Klima im Fahrzeug vermeiden will, sollte nasse Klamotten im Bad bei geschlossener Tür trocknen. Hierbei wird die Heizung im Badezimmer angeworfen, jedoch die Dachluke einen winzigen Spalt geöffnet, damit die Feuchtigkeit dort entfliehen kann.

Ein positiver Nebeneffekt der Dämmung im Kastenwagen Wohnmobil ist die Verminderung der Geräuschsbelästigung im Fahrzeug durch Fahr- oder auch Außengeräusche z.B. der  lärmenden Nachbarn auf dem Campingplatz. Natürlich genießt man dadurch im Umkehrschluss ebenfalls etwas mehr Privatsphäre, wenn die eigenen Gespräche oder sonstige Aktivitäten nicht von umstehenden Personen durch eine ungedämmte Kastenwagen-Wand gehört werden können.

Fazit

Man kann davon ausgehen, dass der Kastenwagen ursprünglich bei seinen Erfindern nicht als Wohnmobil angedacht war. Doch mit der Zeit haben die Camper die Vorteile dieses Fahrzeuges entdeckt und vor allem unter den Selbstausbauern hat sich eine große Fangemeinde gebildet. Weiß man um die möglichen Probleme fehlender Wärmedämmung und daraus entstehender Kältebrücken, dann kann man relativ einfach Gegenmaßnahmen ergreifen. Somit besteht also kein Grund, weshalb man als Camper im Kastenwagen Wohnmobil aufgrund von Kälte oder Hitze leiden sollte.

Titelfoto von doble-d von iStockphoto

Viele Camper wissen den schmalen Bau zu schätzen, der es einem ermöglicht, sich auch auf engen Straßen zu bewegen und zudem einfacher eine Parkplatz zu finden. Man ist zudem schneller und sicherer unterwegs.

Bei den Campern sehr beliebte Kastenwagen sind der Ford Transit, der Citroen Jumper und auch der Fiat Ducato.

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