Du beabsichtigst ein gebrauchtes Wohnmobil zu kaufen und bist Dir unsicher, welche wichtigen Punkte Du beachten solltest? Kein Problem: mit unseren Kaufratgeber für Gebrauchtfahrzeuge bist Du auf der sicheren Seite.

Als erstes solltest Du natürlich wissen, welchen Typ Wohnmobil Du gerne hättest. Diese Frage ist für viele schon recht kompliziert, denn es gib eine riesige Auswahl an Herstellern, Modellen, Ausstattungen und Motorisierungen. Du solltest Dir also schon sehr genau im Klaren sein, welches Wohnmobil für Dich in Frage kommt. Möchtest Du eher ein Alkoven, ein teilintegriertes oder vollintegriertes Fahrzeug kaufen? Wie viele Schlafplätze sind sinnvoll und welche Grundausstattung wünscht Du Dir? Wenn Du all diese Fragen bereits für Dich geklärt hast, dann wartet ein großer Markt für Gebrauchtwohnmobile auf Dich.

Lass Dich nicht von Angebot erschlagen und versuche wenn möglich die Filtermöglichkeiten der Plattformen zu nutzen. Du kannst hier nach Typ, Ausstattung, Motorisierung, Baujahr, Kilometerstand und vielen anderen Faktoren vorselektieren. Damit grenzt Du das Angebot möglicher gebrauchter Wohnmobile meistens schon extrem ein.

Wenn Du viele dieser Fragen noch nicht beantworten kannst, dann denke mal darüber nach, zunächst ein Wohnmobil zu mieten. So kannst Du viel besser herausfinden, welcher Aufbau und welches Modell zu Dir passt.

Auf was sollte man beim Kauf eines gebrauchten Wohnmobils achten?

Es gibt einige sehr wichtige Faktoren zur richtigen Auswahl des Fahrzeugs, die auch zum großen Teil auf Annahmen basieren, aber dennoch bei der Entscheidung extrem hilfreich sein können, wenn Du ein gebrauchtes Wohnmobil kaufen möchtest.

Kilometerstand des Fahrzeugs

Jeder gefahrenen Kilometer trägt zur Abnutzung des Wohnmobils bei: nicht nur am Motor, sondern an fast allen anderen Fahrzeugteilen auch. Mit zunehmender Abnutzung steigt das Risiko von Defekten. Deswegen solltest Du beim Kauf Deines Wohnmobils auf jeden Fall den Kilometerstand im Auge haben. Das ist aber wie erwähnt eine Annahme und muss nicht zwingend ein Ausschlusskriterium sein. Manchmal haben Fahrzeuge hohe Kilometerstände aber bereits einen Austauschmotor mit sehr wenig Laufleistung. Und anders herum gibt es Fahrzeuge, die für das Alter sehr niedrige Zählerstände am Tacho aufweisen: dann ist ebenfalls Vorsicht geboten. Möglicherweise liegt eine Tachometer-Manipulation vor! Wenig Kilometer kann aber auch heißen, dass das Fahrzeug fast nur stand und selten, oder nur für sehr kurze Distanzen bewegt wurde. Gerade Dieselmotoren mögen das nicht so gerne.

Wartungsintervalle & Scheckheft des Wohnmobils

Lass Dir vor dem Kauf alle Wartungen und Inspektionen am besten lückenlos aufzeigen. Hier siehst Du relativ schnell wie sehr der Vorbesitzer das Fahrzeug gepflegt hat. Gerade Standardarbeiten, wie regelmäßige Ölwechsel, Bremsen und kritische Punkte wie der Wechsel des Zahnriemens sollten regelmäßig erfolgt sein. Wenn es hier keine Nachweise, wie z.B. Rechnungen oder Stempel im Bordbuch gibt, dann ist Vorsicht angesagt.

Vollständige Papiere des Reisemobils

Beim Kauf eines gebrauchten Wohnmobils ist unbedingt darauf zu achten, dass alle Papiere vollständig sind: Fahrzeugbrief, Fahrzeugschein, Dokumentation und Unbedenklichkeitsbescheinigung (vom TÜV oder der DEKRA) für An- und Umbauten, der letzte TÜV-Prüfungsbericht und die erfolgreiche Abgasuntersuchung müssen vorhanden sein. Welche Abgasplakette hat das Wohnmobil und wann ist die letzte Gasprüfung erfolgt? Alle das solltest Du unbedingt vor dem Kauf abklären und sorgsam prüfen.

Dichtigkeitsprüfungen am Wohnmobil

Unbedingt prüfen, ob regelmäßig sogenannte Dichtigkeitsprüfungen am Wohnmobil erfolgt sind. Die sind zwar nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber umso wichtiger. Gerade bei älteren Gebrauchtfahrzeugen kann schon ein leichter Feuchtigkeitseintritt dauerhaft schwerwiegende Folgen haben. Das wäre nicht nur sehr ärgerlich, sondern kann auch ganz schnell ganz teuer werden. Ist die Dichtigkeitsprüfung schon länger als 12 Monate her, solltest Du vor dem Kauf auf eine neue bestehen, oder das Fahrzeug selber prüfen lassen. Das ist übrigens ein Punkt, den gerade Wohnmobil Neueinsteiger leider oft vergessen und dann hinterher bitter bereuen.

Liste der Vorbesitzer

Beim Kauf solltest Du Dir die Liste der Vorbesitzer genau ansehen: wenn das Wohnmobil in den letzten 10 Jahren schon durch 6 (oder mehr) verschiedene Hände gegangen ist, solltest Du den Kauf vielleicht überdenken. Möglicherweise gibt es nämlich gute Gründe, warum das Fahrzeug schon so oft den Besitzer gewechselt hat.

Bedienungsanleitungen und Garantieunterlagen für das Wohnmobil

Wohnmobile stecken voller Technik: damit Du nach dem Kauf nicht vor lauter Frust den Urlaub abbrechen musst, weil Du irgendwelche Knöpfe, Schalter, Ventile oder Sicherungen nicht gefunden hast, solltest Du sicherstellen, dass alle Bedienungsanleitungen vorhanden sind. Es gibt nämlich nicht eine Gesamtanleitung für alles. Der Kühlschrank, die Standheizung, der Fernseher und fast alles andere, kommen nicht vom Womo-Hersteller, sondern werden nur von ihm eigebaut. Sprich: es gibt eben für alles in der Regel auch separate und individuelle Anleitungen. Falls Du ein neueres Modell kaufst, frag den Verkäufer unbedingt nach möglichen Garantieunterlagen.

Fahrzeugbasis des Wohnmobils

Der Gesamtzustand der Basis ist natürlich ebenfalls enorm wichtig. Prüfe die Karosserie und Außenhaut des Wohnmobils auf Herz und Nieren. Achte auf Roststellen, Risse, Beulen und sonstige Beschädigungen. Wohnmobile bestehen im Gegensatz zu PKWs zu einem höheren Anteil aus Kunstoff und Aluminium. Deshalb suchst Du Roststellen manchmal vergeblich. Aber auch die Alu-Außenhaut sollte wenn möglich unbeschädigt sein, oder zumindest keine Löcher oder Risse enthalten. Gerade bei Aluminium gibt es den berüchtigten “Lochfraß” bzw. entsprechende Korrosion, die mit Rost gleichzusetzen ist.

Frag den Verkäufer auf jeden Fall auch, ob es Unfallschäden gab. Nach Unfällen könne je nach Schwere manchmal tragende Teile oder der Rahmen verformt sein. Diese Verformungen spielen sich teilweise im Millimeter-Bereich ab und sind für das ungeschulte Auge kaum sichtbar.

Eine Probefahrt ist immer empfehlenswert! Achte dabei auf Geräusche und das Fahrverhalten des Wohnmobils. Stimmt die Spur? Falls vorhanden: Läuft die Kardanwelle ruhig, oder macht sie Geräusche? Funktionieren die Bremsen einwandfrei und zieht die Handbremse auch ordnungsgemäß? Wenn Du Dir unsicher bist, hole Dir auf jeden Fall immer eine zweite Meinung ein bevor Du den Kauf abschließt.

Aufbau des Wohnmobils

Du solltest neben der Basis auch den Aufbau des Fahrzeugs gründlich prüfen. Dazu zählen insbesondere Kanten und Fugen und mögliche Beschädigungen, die zu Undichtigkeit führen könnten. Selbes gilt für Fenster, Klappen und Luken: Überprüfe nicht nur die Funktion, sondern auch, ob die Dichtgummis nicht schon porös sind. Schau auf jeden Fall auch mal auf das Dach des Wohnmobils, denn etwaige Hagelschäden kannst Du von unten vielleicht gar nicht sehen. Auch von Innen solltest Du Dir gerade den Bereich des Dachs und der notorischen Schwachstellen rund um Fenster und Luken genauestens ansehen und nachsehen, ob es Feuchtigkeitsflecken gibt.

Wohnmobil Ausbau

Auch Innen kannst Du böse Überraschungen erleben, wenn Du beim Kauf nicht aufpasst. Gebrauchte Wohnmobile haben mit Sicherheit immer Gebrauchspuren im Innenraum und am Inventar, aber vor allem die Funktion der Elektronik und Gerätschaften will sorgsam getestet sein. Prüfe ob der Kühlschrank funktionsfähig ist. Und zwar über einen eine Zeitraum von 2-3 Stunden. Je nach Modell und Alter brauchen diese Geräte etwas Anlaufzeit, bis man einen echten Kühleffekt feststellen kann. Funktioniert die Standheizung? Laufen alle Wasserhähne und lassen sich Absperrventile an Zu- und Ablauf problemlos öffnen? Wenn möglich, werfe einen Blick in den Frischwassertank und schau nach, ob alles sauber ist. Algen- und/oder Schimmelbefall am und im Tank sind ein NoGo und oft teuer in der Sanierung. Nimm Dir für die Prüfung des Innenraums und der Geräte auf jeden Fall ausreichend Zeit. Mit “mal eben durchschauen” kommt man in der Regel nicht weit und übersieht wichtige Punkte

Sonstige Tipps und Hinweise zum Kauf von gebrauchten Wohnmobilen

Es gibt unzählige Angebote im Netz und auch in der lokalen Presse. Um auf Nummer sicher zu gehen, empfehlen wir immer, das Wohnmobil selber in Augenschein zu nehmen und eine Probefahrt zu machen. Leider gibt es vermehrt Abzocker und Fake-Angebote, insbesondere aus dem Ausland. Wir raten von solchen Fern-Angeboten abzusehen. Die Masche ist im Prinzip immer dieselbe, manchmal mehr und manchmal weniger dreist. Wenn ein Anbieter im Ausland Vorkasse verlangt sollte immer eine rote Lampe angehen. Es geht aber auch subtiler: Oftmals bieten die Verkäufer unschlagbare Preise an, und das Wohnmobil bis vor die Haustüre zu liefern. Im Nachgang kommt dann die Aufforderung doch bitte 590,- Euro (Betrag sehr variabel) für den Transport vorab zu überweisen. Leider fallen viele Wohnmobil-Interessierte darauf herein und am Ende wird schlichtweg gar nicht geliefert und der Käufer bleibt quasi auf den Transportkosten sitzen.

Als Faustregel gilt: wenn das Angebot zu schön ist, um wahr zu sein, ist fast immer etwas faul!