Jeder, der neu beim Thema “Reisen mit dem Wohnmobil” ist, stellt sich irgendwann die Frage: wie funktioniert das bloß mit der Toilette? Den ein oder anderen hat deshalb sogar die Vorstellung eines Camping-Urlaubs bisher abgeschreckt. Doch grundsätzlich muss man heutzutage auch vor diesem Topic keine Berührungsängste mehr haben, da es gut durchdachte Lösungen gibt, die auch in dieser Hinsicht ein entspanntes Campen zulassen. Im folgenden werden wir einen kleinen Einblick in existierende Möglichkeiten geben.

Kassettentoilette

Die Kassettentoilette – oder auch Chemietoilette genannt – ist mit Abstand die am häufigsten im Wohnmobil aufzufindende Version. Wohnmobilisten ab einem Alter von ca. 30 Jahren können mit dem Wort “Kassette” noch etwas anfangen und sich somit schon recht gut vorstellen, worum es sich wohl hierbei handelt. Richtig: der Schwarzwassertank wird wie eine Kassette “eingelegt”, sprich von aussen leer eingeschoben und wieder herausgezogen, sobald sie voll ist. Der Name “Chemietoilette” hingegen kommt daher, dass zur Zersetzung des “Biomaterials” und des Toilettenpapiers sowie zur Geruchsneutralisierung bestimmte chemische Zusatzstoffe hinzugefügt werden. Dabei muss man beachten, dass dieses Gemisch auf keinen Fall in der freien Natur oder in den Straßengullis entsorgt werden darf, jedoch theoretisch in die normalen Toiletten gekippt werden können. Trotzdem wird Campern generell geraten lieber eine der vielen speziellen Entsorgungsstationen (Dump-Stations, Sani-Dump) anzufahren, die es z.B. auf Stellplätzen und Campingplätzen gibt. Eine große Bitte aller Mitcamper: bitte die Kassette nicht an den Waschbecken der Sanitäranlagen ausspülen. Damit zieht man sich sehr schnell den Zorn der gesamten Campergemeinschaft auf sich. Seit dem Jahr 2014 findet man zudem immer häufiger CamperClean Automaten, die gegen Entgelt die Kassetten einfach und – wie der Name es sagt – automatisch entleeren, reinigen und mit einem ökologischen Sanitätszusatz befüllen.
Wen das Wort “Chemie” hinsichtlich der Umweltverträglichkeit abschreckt: Inzwischen sind nun auch biologisch abbaubare Zusatzstoffe vermehrt auf dem Markt zu finden.

Bodentoilette

Die Bodentoilette ist für viele die angenehmere Vorstellung, alleine schon von der Aufmachung her ähnelt sie eher einer normalen Toilette, wie man sie von zu Hause kennt und gewohnt ist. Und das nicht nur weil sie aus Keramik und nicht wie die anderen Modelle aus Plastik besteht. Bei dieser Art von Toilette wird alles direkt in einen großen, fest installierten Fäkalientank geleitet, kann von dort recht einfach entsorgt werden und bedarf so keinem manuellen Hantieren. Hierzu notwendig ist jedoch das Positionieren des Fahrzeugs über einem Entsorgungs-Kanal oder das Anschließen eines Entsorgungsschlauches. Diese “Abort”-Version wird man hauptsächlich in etwas größeren und auch luxuriösen Wohnmobilen antreffen. Campingplätze höherer Kategorien bieten sogar Stellplätze mit Kanalanschluss an, so dass das Fahrzeug nicht jedes mal zur Tankentleerung bewegt werden muss.

Vakuumtoilette

Aus dem Flugzeug und dem ICE kennt man sie: die Vakuumtoilette, die mit Unterdruck das kleine und große Geschäft einfach abgesaugt. Auch hier wird wie bei der Bodentoilette alles direkt in einen großen Unterflur-Fäkaltank geleitet bzw. in diesem Fall regelrecht katapultiert wird, was die Entsorgung sehr einfach macht. Ein Vorteil ist der wenige Wasserverbrauch bei der Spülung. Ein großer Nachteil ist die Geräuschkulisse, die beim Vorgang erzeugt wird.

Zerhackertoilette

Vom Namen selbst kann man sich schon sehr einfach ableiten, was genau hier der Ablauf sein wird. Nach dem Spülen wird wie der Name schon sagt alles durch Klingen zu einer Masse kleingehackt und so mit Druck in den Fäkaltank befördert. Die Entsorgung geschieht nach dem selben Muster wie bei Boden- und Vakuumtoiletten.

Trockentoilette

Die Trockentoilette wird oft auch Eimertoilette genannt und funktioniert genau so, wie man es sich im ersten Moment vorstellt, wenn man den Namen hört. Aufgefangen wird hier alles in einem Spezialbeutel, welcher dann im normalen Restmüll entsorgt werden kann. Nachteil ist, dass man wiederum bei der Entsorgung Hand anlegen muss. Vorteilhaft jedoch ist, dass diese Version sehr umweltfreundlich ist, es keinerlei Wasserzufuhr und auch keiner Installation bedarf. Lediglich der Kauf von speziellen, nicht sehr günstigen Einweg-Beutel muss hier berücksichtigt werden.

Portable Toilette

Gerade bei Bullis und Campervans sind portable Toiletten aufgrund des fehlenden Platzes und der fehlenden Installation beliebt. Der Porta Potti ist hierbei die bekannteste Version und verspricht mit integriertem Spültank inkl. Handpumpe eine autarke Lösung des Toilettenproblems. Der Fäkaltank ist dabei direkt unterhalb des WC-Beckens und nach Gebrauch durch Abtrennung entleerbar. Wiederum wohl eher für Camper mit wenig Berührungsängsten gedacht und mit Sicherheit nicht jedermann Sache, nicht nur wegen der Entsorgung sondern auch wegen der fehlenden Privatsphäre. Trotzdem eine gute und einfache (Not-)Lösung, wenn man unterwegs auf die Schnelle eine Toilette benötigt.

Verbrennungstoilette

Die Luxusversion und damit auch die teuerste Variante ist die Verbrennungstoilette, bei der Fäkalien und Klopapier einfach direkt unter der Toilette verbrannt werden und am Ende nur ein Häufchen Asche übrigbleibt, welches sehr einfach und ohne Probleme und / oder Ekel entsorgt werden kann. Leider ist diese Installation mit ca. 4000 Euro nicht für jeden erschwinglich, jedoch mit etwas Glück könnte sich dies über die Jahre durch vermehrte Kommerzialisierung noch ändern. Hier lassen wir uns einfach überraschen. Spezielle Anforderungen bei der Installation sind hierbei der Einbau von einem Kamin und auch Gas muss immer vorhanden sein.

Fazit

Die Toilettenfrage muss und sollte nicht ein Grund sein, den Urlaub in Wohnmobilen von vornehinein auszuschließen. Durch die vielen verschiedenen Möglichkeiten kann man die beste für die jeweiligen persönlichen Bedürfnisse auswählen. Wen das ganze trotzdem immernoch abschreckt, der kann natürlich einfach Campingplätze mit Sanitäranlagen aufsuchen und so dieses Thema im Notfall gänzlich und einfach umgehen.

Foto von Tim Mossholder von Pexels