Die Auflastung von Wohnmobilen ist ein häufig diskutiertes Thema unter Reisemobilisten. Aber was bedeutet auflasten eigentlich konkret und warum macht das in vielen Fällen sogar Sinn? Unsere womosuche-Redaktion geht der Sache auf den Grund.

Was versteht man unter Auflastung?

Dazu muss man etwas weiter ausholen: gemäß der technischen Voraussetzungen und Eintragungen im Fahrzeugschein, haben Wohnmobile eine maximal zulässige Achslast, die besagt, wie viel das Fahrzeug im beladenen Zustand wiegen darf. Dieser Wert darf nicht überschritten werden und die Strafen bei einer Überschreitung des zulässigen Gesamtgewichts sind enorm. Allerdings machen diese Werte insofern Sinn, als dass sie auch für die Fahrsicherheit sorgen, denn Last will auch sauber abgebremst und gefedert werden. Überladene Fahrzeuge sind immer auch eine Gefahr für den Strassenverkehr bzw. andere Verkehrsteilnehmer.

Nun besteht aber die Möglichkeit der sogenannten “Auflastung”, bei der technische Maßnahmen hinsichtlich der Vergrößerung des zulässigen Gesamtgewichts getroffen und vom TÜV abgenommen werden müssen. In der Regel reicht eine Verstärkung der Federung oder der Einbau einer zusätzliche Luftfederung.

Wann sollte man das Wohnmobil auflasten?

Die Antwort auf diese Frage ergibt sich schon fast aus dem vorangegangenen Abschnitt: Immer wenn zum Urlaubsantritt das Wohnmobil komplett fertig beladen ist und alle Personen an Bord sind, hat man das brutto-Gesamtgewicht erreicht. Ob das nun über dem zulässigen Gesamtgewicht liegt, kann nur eine Fahrzeugwaage entscheiden. Wohnmobil-Besitzer können das in der Regel bei der nächsten TÜV-Prüfungsstelle unkompliziert vornehmen lassen. Terminabsprachen sind sehr empfehlenswert, um die Reise auch wirklich pünktlich antreten zu können.

Wer jetzt beim Wiegen des Wohnmobils über dem Maximalgewicht liegt, hat ein Problem: so darf das Fahrzeug nämlich nicht offiziell am Verkehr teilnehmen. Bei Unsicherheiten am besten das Wohnmobil mit dem PKW zur Prüfstelle begleiten. Sollte es Übergewicht geben, können entsprechende Ladungsteile so schnell umgeladen werden und eine Fahrtauglich ist somit wieder gewährleistet.

Lässt sich also abschätzen, dass man mit Sack und Pack bei Vollbeladung des Womos vermutlich immer wieder an der Grenze des Zulässigen agiert, macht eine Auflastung Sinn.

Warum muss oder sollte ich überhaupt auflasten?
Du musst nicht Auflasten! Das macht nur Sinn, wenn Du an die Grenzen des zulässigen Gesamtgewichts kommst. Eine Auflastung macht nur dann Sinn, wenn Du das eingetragenen Gesamtgewicht nicht einhalten kannst.

Unterschied Gesamtgewicht und Achslast

Du musst allerdings nicht nur auf das Gesamtgewicht achten, sondern auch auf die sogenannte Achslast. Dabei ist es wichtig die Beladung des Wohnmobils sauber zu verteilen. Gerade bei Fahrzeugen mit großer Heckgarage wird dieser Punkt oft unterschätzt und die Last ist auf der Hinterachse schnell überschritten. Die entsprechenden Werte und individuellen Vorgaben zum Gesamtgewicht und der jeweiligen Achslast für Dein Fahrzeug findest Du in den Papieren oder auch im Motorraum:

Fahrzeugschein:
Punkt F1: Technisch zulässiges Gesamtgewicht in kg
Punkt 7.1: Vorderachslast in kg
Punkt 7.2: Hinterachslast in kg

Motorraumplakette:
Ganz oben: Zulässiges Gesamtgewicht
1 : Vorderachslast in kg
2 : Hinterachslast in kg

Konsequenzen und Strafen bei einer Überladung des Wohnmobils

Für Deutschland kann man die entsprechenden Strafen auf der Seite https://www.bussgeldkatalog.de/wohnmobil-ueberladen/ einsehen. Die Staffelung ergibt aus dem prozentualen Wert der Überschreitung des Gewichts. Ab einer Überladung von mehr 20% gibt es sogar Punkte in Flensburg. Im europäischen Ausland sind die Strafen sogar noch viel drastischer: in Österreich drohen monetäre Konsequenzen von bis zu 5.000,- Euro und entsprechende Verbote der Weiterfahrt. Sollte man die Strafgebühr nicht direkt bar bezahlen können, erfolgt in manchen Ländern übrigens sogar eine Beschlagnahmung des Wohnmobils.

weitere Konsequenzen bei der Auflastung eines Wohnmobils in Deutschland

Es gibt einige weitere Punkte, die man beim Thema Auflastung auf jeden Fall auch berücksichtigen sollte. Bei Auflastungen über 3,5t kann sich die Führerschein-Situation plötzlich ändern. Für Fahrer, die nach 1999 die PKW-Fahrerlaubnis bekommen haben, wird dann der LKW-Führerschein Pflicht. Details zu den Regelungen bezüglich des Wohnmobil Füherscheins gibt es hier.

Für Reisen im europäischen Ausland gelten für aufgelastete Wohnmobile dann oftmals die LKW-Konditionen, was das Reisen deutlich teurer macht.

Tempolimits:

Außerorts (exkl. Autobahnen):
weniger als 3,5 Tonnen: 100 km/h bzw. 120 km/h oder nach Beschilderung auf Schnellstraßen 
mehr als 3,5 Tonnen: 80 km/h auch auf Schnellstraßen

Autobahnen:
weniger als 3,5 Tonnen: unbegrenzt, Richtgeschwindigkeit 130 km/h
mehr als 3,5 Tonnen: 100 km/h

Überholverbote

Ab 3,5t aufwärts gelten die Beschilderungen für LKW, die nach der Auflastung dann auch von Dir eingehalten werden sollten.

Mindestabstand zu LKWs

LKWs werden oftmals aufgefordert 2 Längen Abstand zu halten. Daran musst Du Dich dann nach der Auflastung über 3,5t ebenfalls halten.

Durchfahrstbeschränkungen

Auf kleineren Strassen und in Städten gibt es für Fahrzeuge über 3,5t zulässiges Gesamtgewicht entsprechende Durchfahrtsbeschränkungen. Das gilt auch oft bei Brücken, die nicht für dieses Gewicht ausgelegt sind.

Warndreieck & Verbandskasten

Ab 3,5 Tonnen musst Du neben Warndreieck und Verbandskasten zusätzlich eine Warnleuchte mitführen.

Unterlegkeile

Im § 41 der StVZO wurde festgelegt, dass Fahrzeuge über 4 Tonnen entsprechende Unterlegkeile mitführen müssen, um am Berg für mehr Sicherheit zu sorgen.

KFZ-Steuer

Je nach Abgasnorm erhöht sich der Steuersatz für Dein Wohnmobil nach der Auflastung pro angefangenen 200 Kilogramm entsprechend. Ab 2000 Kilogramm mehr, erhöht sich der Satz nochmals.

Wohnmobil Versicherung

Normalerweise gibt es keine Mehrkosten nach einer Auflastung, da sich die Versicherungssumme nach Neuwert oder Zeitwert errechnet. Trotzdem vorher mit dem Versicherungsmann klären.

TÜV – HU und Abgasuntersuchung

Bei Wohnmobilen bis 3,5t ist die HU und Abgassonderunterschung alle 24 Monate Pflicht (bei Neufahrzeugen alle 36 Monate). Liegst Du darüber gelten ebenfalls die 24 Monate, aber sollte Dein Fahrzeug älter als 7 Jahre sein, musst Du alle 12 Monate zur TÜV-Abnahme.

Technische Details zur Auflastung

Es gibt einen recht einfachen Weg, die Auflastung unkompliziert und ohne technischen Eingriff zu ermöglichen: Einige Hersteller haben entprechende vorgefertigte Gutachten, die bestätigen, dass das Fahrzeug von Haus aus mehr Last tragen kann. Dann kann eine einfache, schnelle und kostengünstige Umschreibung erfolgen.

Zusätzliche Verstärkungen der Federung

Hier gibt es ganz verschiedene Möglichkeiten, die mit dem Hersteller oder der Fachwerkstatt abzuklären sind. Manchmal reicht einen zusätzliche Schraubenfeder an der Hinterachse, in Stufe 2 kann man eine Luftfederung für die Hinterachse und eine Federverstärkung an der Vorderachse nachrüsten, und wer es ganz umfangreich braucht, der kann über ein ganz neues Fahrwerk nachdenken. Das macht unter Umständen auch dann Sinn, wenn der Fahrkomfort des Wohnmobils nicht optimal und verbesserungswürdig ist.

Reifen & Felgen

Je nach angepeiltem Gewicht im Rahmen der Auflastung müssen auch Reifen und Felgen getauscht werden, um die neuen Anforderungen an die Lasten zu erfüllen.

Kosten einer Auflastung für das Wohnmobil

Pauschalaussagen sind hier leider nicht möglich! Manchmal genügt die reine Umschrift der Papiere, weil es bereits Gutachten vom Hersteller gibt. Dann sind die Kosten sehr überschaubar. Der TÜV nimmt dann 30 Euro für die neuen Papiere bzw. die Eintragung. Wenn es ganz neues Fahrwerk werden muss, dann ist eine Fachwerkstatt gut und gerne auch mal 2 Tage mit dem Umbau beschäftigt. Materialkosten nicht eingerechnet. Deswegen unbedingt immer vorher einen unverbindlichen Kostenvoranschlag einholen. Grobe Preisaussagen bekommt man auch oft beim Wohnmobil-Hersteller direkt.

Auflastung versus Gewichtseinsparung

Bevor Du über eine Auflastung Deines Wohnmobils nachdenkst, solltest Du überlegen, ob Du vielleicht Gewicht einsparen kannst, um den Grenzwert nicht zu überschreiten.

Überlege Dir z.B. genau welches Werkzeug Du wirklich einpacken musst! Wohnmobilisten tendieren dazu immer auf alles vorbereitet sein zu wollen (Anm. der Redaktion: ich spreche aus eigener Erfahrung), aber oftmals braucht man in der Realität nur ein Bruchteil der mitgeführten “Werkstatt”. Auch Küchenutensilien und Campingmöbel gibt es in Light-Versionen: einfach mal überlegen, ob das Keramikgeschirr sein muss, oder ob Alu- bzw. Kunststoffteller und Besteck eine Alternative sein können.

Die Wassertanks müssen sicher auch nicht alle randvoll sein bei der Abfahrt, denn am Zielort gibt es sicher einen Wasseranschluss. Das kann schon mal gut und gerne mehr als 100kg einsparen.

Vor Ort einkaufen, statt liter- und kiloweise Lebensmittel und Getränke von A nach B zu fahren. Gut, beim Kasten Bier sollte man keine Kompromisse eingehen, aber das Mineralwasser schmeckt auch am Urlaubsort ziemlich sicher sehr ähnlich.

Muss das große Vorzelt im Hochsommer wirklich mit? Oder reicht auch die Markise oder ein kleiner Faltpavillion?

Es gibt hunderte Einsparmöglichkeiten, mit denen man es schaffen kann unter der Gewichtsgrenze zu bleiben. Und dann ist eine Auflastung vielleicht gar nicht nötig.

Vorteile & Nachteile einer Auflastung

Eine Auflastung des Wohnmobils muss nicht immer sein, denn neben vielen Vorteilen, sind natürlich auch Nachteile damit verbunden.

Vorteile

  • Mehr Ausstattung und Gepäck möglich
  • Vermeidung einer Überladung und möglicher Strafen
  • bessere “Mobilität” und Fahreigenschaften
  • Besser Sicherheit im Strassenverkehr
  • Flexibilität beim der Zuladung

Nachteile

  • höhere Mautgebühren
  • abweichende Tempolimits
  • andere Überholverbote und Mindestabstand
  • Zusatzausstattung erforderlich
  • erschwerte Parkbedingungen
  • Durchfahrtsbeschränkungen
  • Höhere KFZ-Steiere
  • geänderte Intervalle zur Hauptuntersuchung
  • hohe Initialkosten bei technischen Änderungen

Unser Tipp beim Thema Auflastung

Das Thema Auflastung ist sehr vielschichtig und komplex, deshalb empfehlen wir immer mit dem Hersteller oder einer Fachwerkstatt zu sprechen. Die machen das schon lange und kennen die Probleme bzw. können schnell abschätzen ob sich der Aufwand lohnt bzw. wie hoch die Kosten für die Auflastung sein werden.

(Bildnachweis: istockphoto, coolboysl55)