Gerade Wohnmobil-Einsteiger stehen zu Beginn vor der großen Frage: was kostet ein Wohnmobil überhaupt? Und mit welchen Zusatz- und Unterhaltskosten muss ich im weiteren Verlauf als Wohnmobilbesitzer rechnen? Wir versuchen alle diese Fragen in diesem Beitrag zu beantworten. Kleine Vorwarnung: der Beitrag ist recht lang und an viele Stellen mit „kommt drauf an“-Hinweisen gespickt, weil oft einfach keine Pauschalaussagen möglich sind.

Anschaffungskosten – was kostet ein Wohnmobil?

Zum Start ist es sinnvoll, dass wir uns zunächst einmal die Anschaffungskosten ansehen, um herauszufinden was ein Wohnmobil kosten kann und kosten sollte. Die allererste Frage kann auch schon direkt mit „kommt drauf an!“ beantwortet werden.

Es kommt darauf an, ob Du Dir ein neues, neuwertiges oder gebrauchtes Wohnmobil kaufen möchtest. Wenn Du kein Problem mit einem in die Jahre gekommenen Fahrzeug hast und auch handwerklich etwas Begabung mitbringst (denn die wirst Du dann brauchen), dann kannst Du schon fahrbereite Wohnmobile mit frischem TÜV ab 10.000,- Euro bekommen.

Natürlich gibt es auch weit darunter noch Angebote, aber dann meist sehr renovierungsbedürftig, mit hunderttausenden von Kilometern auf der Tacho-Uhr und in der Regel schon sehr „zerwohnt“. Kann man auch machen, aber dann darf man sich nicht wundern, wenn ständig neue Reparaturarbeiten anfallen, oder Ersatzteile gekauft werden müssen.

Und ich weiß, wovon ich spreche: mein erstes Wohnmobil war ein T3-Selbstausbau, den wir damals zu Studenten-Zeiten für 1.500 Euro erworben hatten. Der Bulli stand eigentlich gut da und war vor allem innen gut gepflegt. Allerdings war der Spaß nach 3 Wochen direkt vorbei: Motorschaden. Nachdem wir einen gebrauchten Austauschmotor gefunden und ein guter Freund mit Hebebühne und KFZ-Expertise den Aus- und Einbau für 2 Kisten Bier gemacht hatte, folgte dann nur kurze Zeit später ein Defekt der Truma-Standheizung, der Turbolader des JX-Motors wollte irgendwann nicht mehr und diverse weitere Kleinigkeiten sorgten für permanenten Unmut. Und Kosten! Als Student mit eher begrenztem Budget nicht so schön. Nach 5 Jahren Spaß mit dem T3 und dem mittlerweile zweiten Austauschmotor haben wir zusammen gerechnet: inklusive Anschaffungskosten waren da auch weit über 10.000,- Euro auf der Uhr.

Dann haben wir irgendwann nach dem Studium und festem Job einen nagelneuen T5 California Comfortline mit „allem“ gekauft. Als Reimport aus Spanien, was uns knapp 10.000,- Euro gespart hat. Neu hätte das Fahrzeug damals beim VW-Händler in Deutschland knapp 69.000,- Euro gekostet. Ein tolles Wohnmobil, keine technischen Probleme, aber dann kam nach Kind 1 auch irgendwann Kind 2. So ein T5 (mit Küchenzeile) ist trotz Hubdach mit 4 Personen irgendwann auch viel zu eng. Sprich: das Platzangebot will gut geplant sein. Mehr Raum und Größe bedeutet in den meisten Fällen auch höhere Anschaffungskosten.

Deshalb: nicht nur abwägen, wie „neu“ das Wohnmobil sein soll, sondern unbedingt auch die Punkte „Raum“, „Aufteilung“ und „Ausstattung“ berücksichtigen. Niedrige Kilometerstände, wenig Vorbesitzer, ein gut gepflegtes Wartungs-Scheckheft und viele weitere Zusatzinfos helfen dabei, die bessere Entscheidung bei Wohnmobil-Anschaffung zu treffen. Von Privat zu kaufen kann von Vorteil sein, ist aber aus Haftungs- und Gewährleistungsgründen oft schwierig.

Nimm Dir Zeit den Markt für Wohnmobile zu beobachten: es gibt so viele Hersteller, Modelle, Varianten und Anbieter. Mach Dir ein Bild und behalte die Preisentwicklungen im Auge.

Neue Wohnmobile sind recht teuer in der Anschaffung haben aber hinsichtlich Verlässlichkeit einfach Vorteile. Top Neufahrzeuge mit in einer guten Basis-Ausstattung bekommt man bereits ab 40.000,- Euro und nach oben ist preislich natürlich alles offen. Bei den Gebrauchtfahrzeugen kann man natürlich auch Glück haben, aber in der Regel sollte man mit 10.000 Euro rechnen, wenn man gleich losfahren und nicht vorher noch 100 Arbeitsstunden und tausende Euro reinstecken möchte.

So ein Motorschaden mit dem Wohnmobil morgens um halb 3 auf halber Strecke nach Korsika mitten in Italien ist nicht schön! Alles schon erlebt.

Fazit zu den Anschaffungskosten für ein Wohnmobil
Du kannst gebrauchte Wohnmobile schon sehr günstig bekommen, musst dann aber unter Umständen mit einer Menge Zeit, Kosten und Ärger rechnen. Oder Du kannst neue Fahrzeuge kaufen, die dann aber gut und gerne ab 40.000 Euro aufwärts kosten. Es gibt aber auch jede Menge Mittelwege und Alternativen: es gibt auch viele „neuwertige“ Wohnmobile, die erst 2-5 Jahre alt sind und wenig Kilometer auf dem Tacho haben. Der Wertverlust ist zwar bei dieser Fahrzeugklasse nicht so hoch, aber ab 20.000 Euro bekommt man schon sehr ordentliche und technisch einwandfreie Angebote. Falls Du bei einem Händler kaufst, solltest Du auch nach versteckten Zusatzkosten fragen, die oft erst bei Vertragsunterschrift plötzlich auf dem Tisch liegen. Die Verkäufer rufen dann z.B. gerne die sogenannten Überführungskosten auf, die ein paar hundert Euro ausmachen können.

Wohnmobil-Zubehör und Erstausstattung

„Kleinvieh macht auch Mist“ – dieser Spruch könnte von einem Wohnmobilbesitzer stammen, denn die Kosten für Erstausstattung und Zubehör können sich stattlich aufsummieren und sollten im Auge behalten werden. Für einen reibungslosen und entspannten Urlaub brauchst Du nämlich mit Deinem Fahrzeug einige wichtige Dinge:

  • Stromversorgung:
    Dein Wohnmobil ist voll von nützlicher Elektronik. Damit alle Bordinstrumente und Features einwandfrei laufen brauchst Du Strom. Wenn Du auf dem Campingplatz Deiner Wahl angekommen bist, wollen Kühlschrank, Wasserpumpe, Beleuchtung, Radio, TV & Co. gut versorgt sein. Du brauchst dann entsprechenden Camping-Stecker und Adapter, sowie wasserfeste Verlängerungskabel und Kabeltrommeln. Hier kannst Du je nach Qualität mit 80-100 Euro rechnen. Und nein, der günstige China-Kram aus dem Internet ist meistens keine gute Idee. Achte auf geprüfte Qualität. Du willst im Urlaub keinen Stromausfall oder Kabelbrände haben, glaub uns!
  • Küche: Töpfe, Pfannen, Geschirr & Besteck
    Vermutlich möchtest Du im Campingurlaub auch selber kochen. Und dazu sollte Deine Küche gut ausgestattet sein: Töpfe, Pfannen, Teller, Schüsseln, Besteck, Gläser und weiteres Inventar kosten Geld. Hier musst Du mit 50-100 Euro rechnen, nach oben offen.
  • Camping-Möbel & Outdoor Ausstattung:
    Es gibt nichts besseres als (mit einem Glas Bier oder Wein) vor dem mobilen Eigenheim zu sitzen und den Urlaub zu geniessen. Dazu brauchst Du allerdings Camping-Möbel. Stühle und Tisch sind ab 80-100 Euro erhältlich, in der Regel solltest Du aber eher 200-250 Euro rechnen. Deine Camping-Ausstattung soll ja eine Weile halten. Und wer gerne draussen kochen will, der sollte sich eine kleine Outdoor-Küche anschaffen: Gaskocher & Küchenzeile können schon ab 150 Euro erworben werden. Achja: Grillen nicht vergessen! Auch das Grillgerät für den Campingurlaub wird sich auf das Budget auswirken.
  • Sonstige Wohnmobil-Ausstattung:
    Gerade Einsteiger sind oft überrascht welche Möglichkeiten im Sinne einer Zusatzausstattung für Wohnmobile es gibt. Markisen, Fahraddträger, Stand-Klimaanlage, Gepäckboxen, Solarpanel, Outdoor-Duschen, Dachträger, Gaswarner, SAT-Schüsseln…. Die Liste ist wirklich lang und vieles wird nicht in der Grundausstattung Deines neuen Wohnmobils dabei sein. Für diese Sonderausstattungen kann man richtig Geld liegen lassen: so eine zusätzliche Alu-Gepäckbox kostet je nach Ausführung gut und gerne ab 800,- Euro, ohne Einbau und Montage versteht sich. Zusätzliche Solarpanel machen Sinn, aber kosten inklusive Einbau und Verkabelung auch ganz schnell viele hundert Euro.

Einsteiger sollten die Kosten für Erstausstattung und Zubehör nicht aus den Augen verlieren. Da kommen schnell hunderte, vielleicht tausende Euros zusammen. Wir haben gerade unseren Hymer Vollintegrierten mit neuer Gepäckbox, zusätzlicher Dachluke, neuem Kühlschrank und TV nachrüsten lassen. Und weil wir unser mobiles Zweithaus sowieso gerade schon dort hatten, wurden Fenstergummis und alle Dichtungen im Wasserkreislauf „mit gemacht“. Alles in allem knapp 5.000 Euro. Gut investiertes Geld für uns, aber solche Ausgaben muss man als Wohnmobilist immer auf dem Schirm haben und dann auch stemmen können.

Kosten für den Unterhalt des Wohnmobils

Mit dem Kauf und der Erstausstattung ist es nicht getan: der Unterhalt eines Wohnmobils kostet Geld bzw. verursacht laufende Kosten.

Versicherung:
Je nachdem welches Versicherungsmodell Du wählst, musst Du mit einigen laufenden Kosten rechnen: Haftpflicht, Teil- oder Vollkasko? Und diese Kosten hast Du auch, wenn Dein Wohnmobil zwischen 2 Urlauben eigentlich nur steht und nicht genutzt wird. Nur die wenigsten melden die Fahrzeuge ständig ab und wieder an.

KFZ Steuer:
Dein Wohnmobil ist ein KFZ und damit steuerpflichtig. Du kannst mit durchschnittlich etwa 240 Euro pro Jahr rechnen (bis zu 3,5t zulässiges Gesamtgewicht). Die KFZ Steuer für Wohnmobile ist aber auch abhängig von der Motorisierung und Schadstoffklasse. Der ADAC hat dazu ein sehr schöne Übersicht.

TÜV und Sonderprüfungen:
Auch mir Deinem neuen Wohnmobil musst Du zum TÜV. Die TÜV-Prüfung kostet natürlich auch Geld, fällt aber für ganz neue Fahrzeuge nur alle 3 Jahre an. Bei größeren Nutzlasten ab 3,7t müssen Wohnmobile, die älter sind als 6 Jahre dann allerdings jedes Jahr neu bei der Prüfstelle vorgeführt werden. Kosten für die Prüfungen: 70-140 Euro, sofern nichts beanstandet wird. In anderen Ländern der EU gelten unterschiedliche Regelungen und Kosten. Für Sonderprüfungen, z.B. Gasprüfung, fallen natürlich weitere Zusatzkosten an.

Wartung, Inspektion und Instandsetzung:
Regelmäßige Wartungsintervalle sind wichtig und tragen zum Werterhalt Deines Wohnmobils bei. Je nach Alter und Abnutzungsgrad können die Kosten hier natürlich enorm variieren. Ölwechsel und Standardaustausch von Zahnriemen, Keilriemen, Reifen, Batterien und diversen anderen Teilen kosten ebenfalls Geld. Reifen für Wohnmobile sind beispielsweise viel teurer als beim PKW, weil sie mehr Traglast halten müssen und sich je nach Fahrleistung und Umgebung auch schneller abnutzen.

Unterstand und Winterlager für das Wohnmobil
Die Winter in Deutschland sind kalt und feucht: deshalb macht es sehr viel Sinn, das eigene Wohnmobil aus vielerlei Gründen zumindest trocken durch den Winter zu bringen. Tipps zur Einwinterung des Wohnmobils haben wir hier für Dich zusammen gestellt. Idealerweise buchst/mietest Du also einen Unterstand bzw. eine Parkmöglichkeit für den Winter. Je nach Stadt, Region bzw. Standort können die Mietpreise für das Wohnmobil-Winterlager stark variieren. Hier am Bodensee haben wir einen Unterstand für 30 Euro pro Monat. Wir kennen aber auch Wohnmobil-Besitzer in München und Berlin, die zwischen 80 und 120 Euro monatlich berappen müssen.

Sonstige Betriebskosten:
Ohne hier jetzt näher darauf einzugehen: je nach Wohnmobil, Ausstattung und Reiseziel können auch immer weitere Betriebskosten dazu gerechnet werden. Wer einen Gaskocher im Fahrzeug hat, der muss ab und zu auch die Gasflasche oder den Gastank nachfüllen, wer eine Diesel-Standheizung betreibt, der muss auch diesen minimalen Zusatzverbrauch mit einrechnen. In Summe kommt eben ganz schön was zusammen!

Reisekosten: Urlaub mit dem Wohnmobil

Auch das Reisen mit dem Wohnmobil kostet oft mehr Geld, als so mancher denkt. Dabei betrachten wir die variablen Kosten, die für Reiseweg und Transport anfallen, sowie fixe Kosten z.B. für Freisteher auf speziellen Stellplätzen und Campingplatz-Nutzer.

Reise- und Transportkosten:
Die Kosten für Anreise und Transport definieren wir der Form halber mal als „variabel“, da sie stark von Distanz, Weg und Route abhängen und damit auch stark schwanken können. Je nach Alter und Motorisierung verbrauchen Wohnmobile zwischen 10 und 15 Liter Benzin oder Diesel auf 100 Kilometern Fahrtweg. Dazu kommen weitere Kosten wie Autobahnmaut & Vignetten (z.B. in Frankreich, Österreich oder Schweiz), oder Kosten für Sondertransporte wie Autozug oder Fähren. Gerade Sondertransporte wie Fähren können sich extrem auf das Reisebudget auswirken. Ein Überfahrt nach Korsika und zurück liegt dann schon mal schnell bei 800-1000 Euro und mehr, je nach Saison.

Kosten für Camping mit dem Wohnmobil:
Urlaub mit dem Wohnmobil bedeutet „Freiheit“ und das trifft auch weitestgehend zu. Allerdings kann man in Europa in fast keinem Land mehr einfach so irgendwo parken und dort „stehen“. Es gibt Ausnahmen, wie z.B. Skandinavien: in Schweden kann man traumhafte Wohnmobil-Urlaube verbringen ohne auch nur einmal Campingplätze zu besuchen. In Frankreich und Italien gelten dafür eher strenge Regeln. In Deutschland Österreich und der Schweiz sieht man auf öffentlichen Parkplätzen sogar vermehrt Verbotsschilder, oder Hinweise auf nächtliche Parkverbote für Wohnmobile. Daher kommt dann oft nur ein Campingplatz in Frage, der aber natürlich kostet. Die Preise für Camping-Stellplätze steigen seit Jahren und erreichen teilweise, je nach Angebot und Komfort des Platzes, schwindelerregende Höhen. Die Tagespreise bewegen sich von 25,- Euro bis hin zu über 100,- Euro auf gewissen Plätzen. Es macht deshalb Sinn, sich vor dem Urlaubsantritt nicht nur Verfügbarkeiten, sondern auch über die Preise zu informieren.

Es gibt aber Alternativen: in ganz Europa gibt es sogenannte Stellplätze, die nur und ausschliesslich für Wohnmobile konzipiert wurden. Sie dienen hauptsächlich als Halte- und Ruhemöglichkeit für Kurzaufenthalte während der Durchreise und sind in der Regel ohne jeglichen Komfort nur mit Strom und Möglichkeit zur Grauwasser-Entsorgung ausgestattet. Es gib aber auch kleine „Juwele“, die superschön gelegen sind und auf denen man auch mal ein paar Tage mehr verbringen kann. Die Preise für solche Stellplätze liegen bei 8-15 Euro pro Nacht und sind damit deutlich günstiger als Campingplätze.

Fazit – Reisen mit dem Wohnmobil ist toll aber teuer

Vor allem in einer kurzfristigen Betrachtung und Berücksichtigung der Anschaffungs- und Erstaustattungskosten erscheint ein Wohnmobil als Hobby und Reisemöglichkeit schon als Luxus. Langfristig betrachtet bringt ein Wohnmobil aber sehr viel Spaß, Lebensqualität und Erholung, sofern man sich die Kosten für den laufenden Unterhalt auch leisten kann.

Und wer sich kein eigenes Wohnmobil leisten kann oder will, der kann trotzdem aktiv werden und ein Wohnmobil mieten. Das bringt viele Vorteile, die wir unserem „Wohnmobil – kaufen oder mieten?„-Artikel bereits besprochen haben. Denn bei der Miete entfallen laufende Kosten für den Unterhalt des Wohnmobils bzw. sind im Mietpreis inbegriffen. Keine Versicherung, keine KFZ-Steuer, keine Wartung, keine Reparaturen, Kein Park- oder Unterstellplatz nötig: einfach einsteigen, losfahren und genießen!

Bild: istockphoto, welcomia