Pünktlich zu den Pfingstferien gab es europaweit die ersten Lockerungen für den Tourismus. Mit der Folge, dass viele deutsche Camper und Wohnmobil-Inhaber wieder Urlaub im Ausland gemacht haben. Trotz Lockerungen gab es einige Auflagen für Reisende.

Reisen mit Testpflicht und dPLF (digitales Passagier-Lokalisierungs-Formular)

Alleine der Name flößt potentiellen Urlaubern bereits Respekt ein, aber bei geplanten Auslandsreisen in Risiko-Gebiete, ist die Registrierung, das Ausfüllen und Mitführen des dPLF eigentlich Pflicht. Darin wird erfasst, wann welche Reisenden welches Reiseziel besuchen und wann die Rückreise erfolgt.

Ein negativer Corona-Test, der nicht älter als 24 Stunden ist, war ebenfalls vorgeschrieben, als wir die Reise nach Italien ans Mittelmeer angetreten haben. Und als pflichtbewusster Familienvater nimmt man natürlich alle Vorschriften und Regularien sehr ernst, denn man möchte die Familie samt Kindern ja sicher und ohne zeitraubende Diskussion mit den Ordnungshütern zum Urlaubsort chauffieren.

Termine Mangelware

Das Problem bei diesem Urlaub: die Testung durfte nicht älter als 48 Stunden sein! Grundsätzlich machbar, sofern es ausreichend Angebot für Testungen gibt und die Nachfrage nicht auch noch gleichzeitig explodiert. Deswegen hatten wir in weiser Voraussicht auch etwa 10 Tage vor Abreise bereits einen Termin für die gesamte Familie bei einem Testzentrum in der Nähe reserviert. Im Nachhinein „kurz vor 12“, denn Freunde, die ebenfalls verreisen wollten, hatten schon einen Tag später ernsthafte Probleme noch Termine zu bekommen.

dPLF – Datenmassaker im Netz

Ja, es gibt eine deutsche Version der Webseite, die aber damals kurz vor Reiseantritt nicht funktioniert hat. Wer hätte auch ahnen können, dass zehntausende reisewilliger Deutscher noch kurz vor dem Urlaub ein „Passagier-Lokalisierungs-Formular“ digital ausfüllen würden? Egal, irgendwie habe ich es durch die englische Variante geschafft und die gesamte Familie registriert. Man will ja auf Nummer sicher gehen und grundsätzlich ist in Zeiten der Pandemie jegliches Mittel der Nachverfolgung auch sinnvoll. Mehr Details dazu hier: https://app.euplf.eu/#/

Start: hurra, wir fahren nach Italien!

Freitag Nachmittag war es dann soweit: kurz nach 14 Uhr direkt nach dem Schnelltest, haben wir uns auf die Reise gemacht! Das Womo war bereits Tage vorher beladen und gepackt worden und wir waren „abflugbereit“. Noch kurz auf die Testergebnisse warten und dann los.

4 Länder und 3 Grenzübertritte in 6 Stunden

Wir sind aus dem süddeutschen Raum los gefahren und haben die erste Grenze bei Lindau Richtung Bregenz vor dem Pfänderttunnel nach Österreich überfahren. An der Reststation war schon viel los, aber kein Stau in Sicht! Und auch keine Kontrollen! Die Österreicher wollten also schonmal gar nichts wissen von uns. Weder der Test, noch das Passagier-Lokalisierungs-Formular wurden geprüft. Eigentlich ja toll, aber wozu dann der ganze Stress?

Knapp 20 Minuten später haben wir Österreich bereits wieder verlassen und sind am Grenzübergang Diepoldsau in die Schweiz eingereist. Gefühlt standen mehr Grenzpersonal und Zöllner an den Stationen, Kontrollen sind aber auch hier nicht erfolgt. Wir wurden mit einem Lächeln ganz freundlich durchgewunken.

Einige Stunden später hatten wir den San Bernardino-Tunnel hinter uns gelassen und sind an Como vorbei in Chiasso am Grenzübergang zu Italien gelandet. Hier war tatsächlich etwas Stau und wir hatten erwartet, dass wenigstens die Italiener vielleicht irgendwelche Papiere sehen wollten. Fehlanzeige, auch hier mehr Zoll-Präsenz, aber keine Kontrollen.

Rückreise: mehr Personal an den Grenzen – aber keinerlei Kontrollen

Und auch bei der Rückreise Ende letzter Woche dasselbe Bild: etwas mehr Präsenz an den Grenzen, allerdings keinerlei Kontrollen.

Jetzt könnte man sagen: Zufall und Glück gehabt! Wir sind aber gut vernetzt mit vielen anderen Wohnmobil-Liebhabern und Camping-Urlaubern und auch der Austausch mit anderen Gästen auf dem Campingplatz ergab immer dasselbe Bild: niemand wurde kontrolliert! Auch nicht aus anderen Ländern.

Vorort-Situation

Der Urlaub war übrigens wirklich toll! Und Vorort waren alle Camper und auch die Italiener sehr vor- und umsichtig. Nicht nur in den Sanitären Anlagen, sondern in dem gesamten Ort haben die Menschen auch außerhalb von Gebäuden und Geschäften immer Maske getragen.

Fazit – ein paar Gedanken zur Reise-Situation

Die Pandemie ist eine riesige Katastrophe und grundsätzlich befürworten wir alle Mittel zur Eindämmung und Nachverfolgung, um das alles mal endlich zu einem Ende zu bringen. Gleichzeitig können Menschen aber eben auch nicht nochmal fast 18 Monate zu Hause bleiben. Reisen muss möglich sein und Testungen und so unfassbar bürokratische Dinge wie ein „digitales Passagier-Lokalisierungs-Formular“ können dabei helfen, Corona weiter einzudämmen und trotzdem gewisse Freiheiten zu haben.

Bitte nicht falsch verstehen: wir hassen Kontrollen und sind absoluter Gegner von Überwachung! Wir fragen uns nur, wie es sein kann, dass in so einer Situation keine der Auflagen auch nur im Ansatz kontrolliert wird? Sicher war das alles in der Vorbereitung auch für uns sehr nervig und ärgerlich, aber es war machbar! Wir wissen aber leider auch, dass es andersdenkende Personenkreise gibt, die solche Auflagen kategorisch ablehnen und auf Regeln und Beschränkungen pfeifen. Menschen, die die Maskenpflicht ignorieren, sich ohne Vorsichtsmaßnahmen bewegen und Tests verweigern! Und diese Menschen fahren eben auch in den Urlaub und mischen sich dort unter diejenigen, die sorg- und aufmerksam mit der Pandemie umgehen. Das ist gefährlich und in der aktuellen Situation kontraproduktiv. Deswegen hätten wir uns ehrlich gesagt grundsätzlich striktere Kontrollen gewünscht, auch wenn wir uns andererseits über die neue Reisefreiheit gefreut haben. Klingt komisch, ist aber so! Ich glaube nicht daran, dass man gerade in diesem Fall und während der abklingenden Pandemie auf den gesunden Menschenverstand des Einzelnen zählen und darauf vertrauen sollte, dass jeder Reisende die Auflagen, Tests und Regeln einhält.

Wir sind auf dem richtigen Weg und wenn alle mitmachen, dann wird aus der Pandemie irgendwann eine Endemie bevor das Ding dann hoffentlich irgendwann Geschichte ist. Bleibt gesund & keep Testing!

Bildquelle: Anna Shvets von Pexels