Wohnmobilisten haben es aktuell wirklich schwer: eigentlich sind die Campingplätze für touristische Reisen und Besucher geschlossen, sogar die Wohnmobil-Stellplätze müssen spätestens zu den lokalen Ausgangssperre-Zeiten verlassen werden und Reisen ins Auslands sind auch kompliziert, weil man nie genau abschätzen kann, ob auf der Rückreise noch oder wieder die Quarantänepflicht gilt. Trotzdem beginnt so langsam der Frühling und damit auch die Wohnmobil-Saison 2021 und es gibt einige Lichtblicke am Horizont. In der Ostseeregion Schlei wurde jetzt ein Modellprojekt zur Wiedereröffnung des Tourismus gestartet und die Impfungen schreiten ebenfalls weiter voran.

Damit Du beim Start in die neue Saison trotz allem auf der sicheren Seite bist, haben wir die große Checkliste zur Saisoneröffnung für Dich erstellt. Folgende Punkte solltest Du auf der Liste abhaken, wenn Du Dein Wohnmobil aus dem Winterlager holst:

Reifendruck am Wohnmobil prüfen

Auch wenn die Reifen auf den ersten Blick gut aussehen, ist es wichtig den Druck einmal ringsrum zu prüfen. Durch die lange Standzeit kann es durchaus sein, dass die Reifen minimal Luft und damit Druck verloren haben. Außerdem greift ein physikalisches Prinzip: Luft dehnt sich bei hohen Temperaturen aus (jeder, der schonmal im Freibar eine Luftmatratze zu lange in der Sonnen liegen gelassen hat, kennt das Phänomen sicher). Bei niedrigen Temperaturen im Winter passiert der gegenteilige Effekt, d.h. der Druck, der letzten Spätsommer noch in Ordnung war, kann jetzt nach unten abweichen. Da Deine Reifen essentiell wichtig sind für die Fahrsicherheit Deines Womos, solltest Du diesen Punkt auch als erstes auf der Checkliste abhaken. Kein Sorge, Du kannst ganz normal und vorsichtig vom Winterlager zur nächsten Tankstelle oder Werkstatt fahren, um den Reifendruck zu prüfen. Nur von langen Reisen auf der Autobahn solltest Du vor dem Check noch absehen.

Übrigens: Wenn Dein Wohnmobil monatelang nicht bewegt wurde, kann es sein, dass Du sogenannte „Standplatte“ an den Reifen hast. Da sind kleine Flächen, die sich durch die einseitige Belastung während der Standzeit im Gummi der Reifen bilden. Bei relativ neuwertigen Reifen ist das eigentlich kein Problem und erledigt sich nach den ersten gefahrenen Kilometern von selbst. Alte Reifen können aber tatsächlich dauerhaft Schaden nehmen und sollten dann ausgetauscht werden. Das gilt übrigens auch, wenn die vorschriftsmäßige Profiltiefe der Reifen unterschritten ist! Sowas kann gerade im Ausland teuer werden.

Bremsen überprüfen

Je nachdem wie trocken Dein Wohnmobil über den Winter eingelagert und geparkt war, solltest Du diesen Punkt auf der Checkliste zum Start der Wohnmobil-Saison ebenfalls prüfen und abhaken. Schau Dir an, wie viel Material noch auf den Bremsbelägen ist und vor allem auch, wie Deine Bremsscheiben aussehen, denn die rosten gerne mal über den Winter. Ein bisschen Flugrost schadet nicht und ist nach den ersten Kilometern wieder weg-gebremst. Größere und tiefere Roststellen sind allerdings problematisch, weil sie wie ein Reibeisen auf die Beläge wirken. Auch hier gilt: wenn Du Dir unsicher bist, frag am besten einen Automechaniker oder die Fachwerkstatt.

Ölstand messen & Öl nachfüllen

Die meisten Wohnmobile laufen mit Diesel-Kraftstoff und die Motoren brauchen gerade bei älteren Modellen gerne mal etwas mehr Öl. Das ist grundsätzlich bekannt und auch kein Problem, sofern der Ölverbrauch im Rahmen bleibt und man als Wohnmobil-Fahrer auch ein regelmäßiges Auge darauf hat. Solltest Du den Ölstand beim Einlagern Deines Reisemobils schon geprüft haben, dann kannst Du diesen Punkt auf der Checkliste schon mal anhaken. Wenn Du Dir unsicher bist, ist es ratsam einfach kurz die Motorhaube zu öffnen und den Ölmessstab zu ziehen. Achtung: im kalten Zustand ist das Ablesen oft gar nicht so einfach bzw. nicht ratsam. Am besten Du fährst zweimal um den Block und lässt dem Öl dann 5-10 Minuten Zeit sich wieder in die Ölwanne abzusetzen.

Sollte der Ölstand beim Minimum oder knapp darüber sein, solltest Du Öl nachfüllen. Achte darauf, dass Du das passende Motoröl kaufst, denn es gibt große Unterschiede. Beim Nachfüllen langsam vorgehen und nicht gleich einen ganzen Liter oder mehr in den Motorblock kippen. Oft reichen 100-200 Milliliter völlig aus. Wenn Du nachgefüllt hast, einfach nochmal den Ölstab ziehen und den Füllstand prüfen.

Wischerblätter prüfen und austauschen

Ihr kennt das vielleicht: beim Packen war das Wetter die ganze Zeit gut und Du hast die Scheibenwischer nie benutzen müssen. Bei der Fahrt in den Urlaub regnet es unterwegs und erst da merkst Du, dass Deine Wischerblätter schmieren und nicht mehr richtig funktionieren. Das kann auf Reisen durchaus schwierig werden, denn es gibt unzählige verschiedene Größen und Ausführungen. Genau Deine an der nächsten Tankstelle zu bekommen wird vermutlich schwierig! Deshalb ist es gut, die Wischerblätter vorab auf Funktion zu prüfen und gegebenenfalls zu ersetzen. Der Austausch geht schnell und die neuen Wischerblätter kosten auch nicht die Welt.

Kühlwasser und Wischwasser prüfen

Wenn Du schon dabei bist, solltest Du im gleichen Zug auch direkt das Wischwasser für die Scheibenwaschanlage checken und nachsehen, ob der Kühlwasser-Stand noch passt und gegebenenfalls auffüllen. Sollte beim Kühlwasser auffällig viel fehlen, empfehlen wir, den Kühlkreislauf auf Herz und Nieren zu prüfen. Gerade Dieselmotoren vertragen Überhitzung nicht sonderlich gut und ein Schaden auf dem Weg in den Urlaub braucht auch niemand. Wenn Du unsicher bist, ob Du diesen Punkt von der Liste streichen bzw. abhaken kannst, frag lieber nochmal in einer Fachwerkstatt für Wohnmobile nach. Der Kühlkreislauf ist recht komplex: viele Schellen, Schläuche, Dichtungen und der Kühler an sich erschweren gerade Laien die Fehlersuche.

TÜV, HU & Gasprüfung

Wenn man nicht gerade einen postalischen Reminder seiner Fachwerkstatt des Vertrauens bekommt, kann es leicht passieren, dass man aus lauter Reise-Vorfreude die Plakette auf dem Nummernschild und der Gasversorgung vergisst. Das kann gerade im Ausland nicht nur teuer, sondern auch nervenaufreibend werden, wenn die zuständigen Behörden die Weiterfahrt verbieten. Diesen Punkt solltest Du auf jeden Fall auch rechtzeitig abhaken, um noch einen Termin für die TÜV-Abnahme und die fällige Gasprüfung zu bekommen bevor es losgeht.

Dichtungen und Scharniere vor der Abfahrt pflegen

Staub, Sand und Strassenschmutz setzen den Dichtungen und Scharnieren Deines Wohnmobils immer zu. Deswegen ist es wichtig diesen Punkt der Checkliste sorgfältig anzugehen: Öffne Fenster, Luken, Klappen, Türen und die Heckgarage Deines Wohnmobils und fette die Scharniere gründlich. Bei den Dichtungen solltest Du ebenfalls achtgeben, dass diese geschmeidig bleiben und entsprechende Mittel wie Vaseline, Talkum, Glycerin oder Öle auf Silikonbasis einsetzen. Das macht die Dichtungen rund um das Womo geschmeidiger und auch haltbarer.

Fenster und Windschutzscheibe reinigen

Beim Saison-Check Deines Womos solltest auf jeden Fall auch dafür sorgen, dass die Fenster, aber vor allem die Windschutzscheibe sauber sind – auch von innen! Vielleicht kennst Du das: bei Nachtfahrten siehst Du als Fahrer eigentlich alles sauber und klar, aber sobald Dir ein Fahrzeug entgegen kommt, wird die Sicht schlecht, weil durch den entgegenkommenden Lichtkegel die Verschmutzung auf der Innenseite der Windschutzscheibe sichtbar werden. Bei der Reinigung der Acrylglasscheiben rings um das Wohnmobil solltest Du milde Fensterputzmittel oder direkt spezielle Acrylglasreiniger nutzen und feine Putztücher verwenden. Am besten erstmal mit Wasser den Staub abspülen und erst dann mit Reinigungsmittel und -tüchern arbeiten. So vermeidest Du Kratzer.

Brauchwasser-Kreislauf testen und durchspülen

Beim Einwintern hast Du hoffentlich daran gedacht den Frostwächter zu aktivieren oder den Kreislauf für Trink- und Brauchwasser sauber zu entleeren! Falls nicht, kann es zu Frostschäden gekommen sein. Um nicht vor Ort im Urlaub vor bösen Überraschungen zu stehen, solltest Du diesen Punkt auf der Checkliste ebenfalls sorgfältig abhaken. Befülle Deinen Frischwassertank und versuche dann „Druck“ auf die Leitungen zu bekommen, in dem Du die einzelnen Wasserhähne einmal betätigst bis das Wasser fließt. Das kann je nach Pumpe ein paar Sekunden, manchmal Minuten dauern und vor allem zu Beginn auch stockend fließen, weil sich noch Luft in den Leitungen befindet.

Das macht nicht nur Sinn, um die Funktion und Dichtigkeit zu überprüfen, sondern dient auch dazu den gesamten Wasserkreislauf und das Leitungssystem kräftig durchzuspülen. Selbst bei einer völligen Entleerung bleiben an Dichtungen, Knicken, Ventilen und Zuflüssen immer Wasser-Reste zurück. Dort können sich Bakterien, Keime oder Pilze bilden, die man so weitestgehend herausspülen kann. Je nach Alter des Wohnmobils ist es ratsam, den Spülvorgang mehrmals zu wiederholen und eventuell auch spezielle keimfrei-Produkte dazu einzusetzen.

Technik Check: Kühlschrank, Herd und Standheizung

Für den Technik Check am Wohnmobil solltest Du Dir extra viel Zeit nehmen! Es gibt so viele kleinere und größere Punkte, die Du auf jeden Fall vor Reiseantritt prüfen musst. Dazu gehören der Kühlschrank, der (Gas)Herd und die Standheizung bzw. der Warmwasserboiler. Gerade beim Kühlschrank ist es nicht damit getan zu schauen, ob die Kontroll-Lampe grün leuchtet, hier muss man ein bisschen Zeit einkalkulieren, um auch wirklich zu sehen, ob die Kühlleistung passt. Der Herd ist recht schnell getestet, aber auch die Standheizung braucht ein bisschen Anlaufzeit bis sie ihren Dienst tut.

Es gibt aber noch zahlreiche andere technische Gadgets in Wohnmobilen: Bitte prüfe, ob Dein Gaswarner einwandfrei funktioniert, sofern Du einen eingebaut hast. Teste, ob die SAT-Antenne mit dem TV kommuniziert und Du entsprechenden Empfang hast, geht das Audio-System, liefern die Solarpanels auf dem Dach auch Strom zur Versorgung des Bordnetzes, sind alle Sicherungen in Ordnung (und hast Du für jede Ausführung eine Backup-Sicherung?)? Je nachdem wie technisiert Du unterwegs bist, kannst Du hier einiges an Zeit einplanen.

Wohnmobil-Inventar und Bordküche

Wenn Du jetzt alle Punkte soweit gecheckt und abgehakt hast, solltest Du auch die Kleinigkeiten nicht vergessen. Ist die Standard-Ausstattung und das Inventar vollständig? Es gibt nichts ärgerlicheres, als bei der Ankunft am Urlaubsort zu bemerken, dass die Kurbel für die Markise noch zu Hause in der Garage liegt oder sie Seitenwände des Vorzelts nicht vollständig sind. Heringe, Schnüre und sonstige Befestigungen alle dabei? Rotwein aus Plastikbechern ist eklig: Wurden die beiden Weingläser ersetzt, die im letzten Sommerurlaub beim Spülen kaputt gegangen sind? Ist der Grill noch an Bord und die Holzkohle bzw. Gasflasche vorhanden? Auch hier gibt es eine Menge Dinge, die man leicht vergessen kann. Nimm Dir also genug Zeit das alles zu checken und abzuhaken! Das spart am Ende viel Ärger, Nerven und Zeit!

Lebensmittel, Gewürze, Öl und Essig

Es gibt so einige Lebensmittel und Kochutensilien, die sind Standard und können grundsätzlich bei entsprechender Haltbarkeit auch dauerhaft im Wohnmobil verbleiben. Dazu gehören Pasta, Reis, Mehl, Salz, Pfeffer, Gewürze, Essig und Öl, sowie Kaffee, Tee und Zucker. Du solltest also genau das auch auf Deiner Checkliste abhaken und schauen, dass diese Produkte vollständig sind. Den Rest kaufst Du natürlich vor Ort, auch um die lokalen Anbieter zu unterstützen und die regionale Küche voll auszukosten.

Frühjahrsputz im Wohnmobil

Es ist einfach schöner mit einem sauberen und aufgeräumten Wohnmobil in die neue Saison zu starten. Deswegen macht es Sinn vor der Abfahrt noch einen kleinen Frühjahrsputz zu machen und dabei z.B. auch die Matratzen, Laken und die Bettwäsche zu prüfen bzw. zu waschen, sofern diese über den Winter an Bord geblieben ist.

Maximale Zuladung

Bevor Du dann losfährst solltest Du noch prüfen, ob die maximale Zuladung bzw. das zulässige Gesamtgewicht eingehalten hast. Bei massiven Überschreitungen kann es vor allem im europäischen Ausland zu sehr hohen Geldstrafen bis hin zu einem Verbot der Weiterfahrt kommen. Prüfe in Deinem Fahrzeugschein genau, wieviel Gewicht Du insgesamt haben darfst. Wenn Du unsicher bist, empfehlen wir Dir dringend vor Urlaubsantritt z.B. beim TÜV auf eine Fahrzeugwaage zu fahren. Dann kannst Du falls nötig noch Dinge entladen, um das Gewicht zu reduzieren. Langfristig solltest Du überlegen, ob Du Dein Wohnmobil auflasten lassen willst.

Fazit: wer sich die Zeit nimmt, um sein Wohnmobil wirklich und gründlich startklar zu machen, der wird auf der Reise und im Urlaub mehr Spaß haben. Jetzt geht es bald wieder los und wir wünschen Euch eine gute Reise!