Noch vor ein paar Jahren war es überhaupt kein Problem ohne Voranmeldung auf einem Campingplatz zu erscheinen. Man hatte meist eine große Auswahl an Optionen und fand so gut wie immer einen schönen Wohnmobilstellplatz, der für die eignen Ansprüche optimal war. Diese Zeiten sind nun leider vorbei und vor allem seit der Pandemie muss man froh sein, wenn man überhaupt noch eine Platz abbekommt, wenn man unangemeldet auf einem Campingplatz auftaucht. Dementsprechend groß ist die Enttäuschung, wenn man im langersehnten Urlaub immer wieder Kompromisse eingehen und suboptimale Wohnmobilstellplätze akzeptieren muss.

Zwar geht die eigentlich so charakteristische und geschätzte Flexibiltät und Spontanität des Campingurlaubs ein Stück weit verloren, doch das rechtzeitige Buchen eines Stellplatzes wird unumgänglich, vor allem wenn dieser spezielle Anforderungen erfüllen soll. Da man leider nicht vor Ort ist und den Platz nicht selbst und mit den eigenen Augen inspizieren kann, hier ein paar Tricks, worauf andere erfahrene Camper bei der Stellplatzauswahl achten.

Buchungs- und Stornierungsbedingungen

Generell war es noch nie ein Fehler vor jeder Reservierung die Buchungs- und Stornierungsbedingungen genau durchzulesen. Doch nun in Zeiten der Pandemie mit Reisewarnungen, Reiseverboten, Schließungen von Ländergrenzen, plötzlicher Änderungen regionaler Corona-Maßnahmen etc sollte man sogar noch etwas genauer hinschauen. Auch die Vorschriften zum Impfstatus und zu möglichen Testpflichten auf dem Campingplatz selber bzw. generell in der Urlaubsregion sind zum aktuellen Zeitpunkt leider ein wichtiger, unumgänglicher Bestandteil der Reiseplanung.

An- und Abreise

Wie auch bei Hotels haben Campingplätze meist bestimmte Uhrzeiten, zu denen man ein- und auschecken kann. Diese sollte man bei der Fahrtplanung miteinplanen, damit man z.B. nicht schon frühmorgens vor der Pforte steht, der Zugang jedoch erst am Nachmittag freigegeben wird.

Sehr praktisch ist es in diesen Fällen, wenn der Campingplatz sogenannte Außenstellplätze anbietet, die man im Falle von „early check-in“ oder „late check-out“ in Anspruch nehmen kann. Für wenig Geld kann man hier für ein paar Stunden ausserhalb des Platzes sein Wohnmobil sicher abstellen und z.B. Sanitäranlagen des Campingplatzes nutzen.

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Foto von Tatiana Dyuvbanova von iStockphoto

Lage des Wohnmobilstellplatzes

Wie bei allen übrigen Feriendomizilen ist auch die Lage des Wohnmobilstellplatzes ein wichtiger Qualitätsaspekt. Und ebenso sind dann auch die Preise gestaffelt. Als einfaches Beispiel: Ein Platz am Meer kostet mehr als ein Platz neben der Sanitäranlage.

Empfehlenswert ist es hier den Grundriss, also die Karte vom jeweiligen Campingplatz bei der Auswahl des Stellplatzes zu betrachten. Recht schnell sieht man, wo welcher Stellplatz liegt und was sich drum herum befindet. Ist direkt neben dem Platz die Poollandschaft, dann ist das sicher interessant für Familien mit Kindern. Diese würden sich sicher bevorzugt dort den ganzen Tag aufhalten und dadurch keine langen Wege zurücklegen müssen. Wer jedoch keine Kinder hat und eher an etwas Ruhe interessiert ist, der wird neben dieser Geräuschkulisse (kreischende Kinder, ggf. laute Musik und Animation) sicher nicht glücklich werden.

Ist man mit Hund(en) unterwegs, könnte ein Stellplatz mit oder neben einem speziellen Hundebereich von Vorteil sein. Wer sich jedoch vor dem möglichen Dauerbellen gestört fühlen sollte, der sollte nicht unbedingt in unmittelbarer Nähe dazu einen Platz auswählen. Dasselbe wie für den Pool- oder den Hundebereich gilt zudem natürlich für den Spielplatz: auch hier kann es gerne mal etwas lauter werden, jedoch hat man abends und nachts seine Ruhe. Befindet sich auf dem Campingplatz ein Animationsbereich mit Bühne für abendliche Shows (oftmals auf großen Campingplätzen und Camping Parks der Fall), dann kann die Nachtruhe teilweise etwas gestört werden.

Sehr unbeliebte Wohnmobilstellplätze befinden sich zweifellos neben den Sanitäranlagen. Hier ist es ein ständiges rein und raus. Nicht nur tagsüber muss man mit viel Fussverkehr dort rechnen, auch nachts verirren sich gerne ein paar Camper dorthin. Dabei kann es besonders ärgerlich werden, wenn sogenannte „Parzellen-Latscher“ ständig die eigene Parzelle -absichtlich oder unabsichtlich- als Abkürzung auf dem Weg zum Waschhaus benutzen.

Nicht zu unterschätzen sind vor allem bei großen Campingplätzen die Preisunterschiede zwischen den verschiedenen Bereichen. Wer z.B. direkt am Wasser (See, Meer, Fluss) stehen möchte, der wird dafür tiefer in die Tasche greifen müssen.

Tipp: Zahlt man den Extra-Aufpreis für einen Platz in erster Reihe direkt am Meer, um so morgens seinen Kaffee mit Blick direkt aufs Meer genießen zu können, wird man oftmals enttäuscht, wenn die Vorschriften des Campingplatzes dies unmöglich machen. Aufgrund vor möglicher Sturmgefahr ist es nicht selten, dass das Vorzelt aus Sicherheitsgründen nicht Richtung Meer aufgestellt werden darf. In diesem Fall ist das teuer ausgegebene Geld natürlich alles andere als gut investiert. Deshalb sollte man schon vor der Buchung abklären, welche Regeln es hinsichtlich dessen auf dem jeweiligen Campingplatz gibt.

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Foto von joyt von iStockphoto

Größe/Fläche/Form/Untergrund

Nicht alle Wohnmobilstellplätze sind quadratisch, asphaltiert oder haben dieselbe Größe, auch hier gibt es große Unterschiede. Deshalb sollte man sich vor der Buchung den Grundriss zeigen lassen, damit man entscheiden kann, ob die Fläche sowohl in Größe und  Form, als auch vom Untergrund her (Gras, Kies, Sand etc) den jeweiligen persönlichen Anforderungen gerecht wird.

Schließlich muss nicht nur das Wohnmobil auf der Parzelle Platz finden. Dazu kommen ggf. noch Vorzelt, Beistellzelt (evt. für mitreisende Jugendliche, die nicht bei den Eltern im Wohnmobil schlafen wollen), sportliche Geräte wie Stand-up-Paddle, Surfboard, Fahrräder etc, oder sogar ein Hundezaun. Auch möchte man noch ein bisschen Pufferzone bis zum nächsten Nachbarn, welche teilweise sogar vom Campingplatz als Brandschutzzone vorgeschrieben wird. Somit muss man großzügig rechnen, damit man keine böse Überraschung bei der Ankunft erlebt.

Sanitäranlagen

Wie schon erwähnt will man vermutlich nicht unbedingt direkt neben den Sanitäranlagen „seine Zelte aufschlagen“ bzw. das Wohnmobil abstellen. Doch ganz zu weit weg sollten sie auch nicht sein, wenn man sich dazu entscheidet von ihnen Gebrauch zu machen und nicht die eigene Nasszelle im Fahrzeug zu nutzen.

Wer es ganz exklusiv haben möchte, der kann -wenn vorhanden- auf Campingplätzen eine Parzelle mit Privatsanitär buchen. Dabei handelt es sich, wie der Name schon sagt, um ein eigenes privates Waschhaus direkt neben dem Camper, das dann wirklich nur von einem selber benutzt werden kann. Keine Wartezeiten, keine Gefahr von schmutzigen Toiletten oder Duschen, keine langen Wege… der eigene kleine Luxus beim Campen.

Wer es nicht ganz so exklusiv direkt neben dem Wohnmobil braucht, der kann die Option vom Privatbad in Erwägung ziehen. Hier befindet sich dieser private Raum zwar in den allgemeinen Sanitäranlagen, doch auch hier muss man nicht mit anderen Dusche und WC Campern teilen.

Tipp: Wer kein Problem damit hat, die Gemeinschaftsduschen zu benutzen, der sollte lediglich darauf achten, dass der Gebrauch der Duschen mit inbegriffen und nicht über Duschmarken limtiert ist. Denn jede Duschmarke kostet Geld und wenn man als Familie im Hochsommer unterwegs ist und gerne auch zweimal am Tag duschen möchte, für den könnte das ganze mit der Zeit ganz schön ins Geld gehen.

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Foto von Pranee Mankit von iStockphoto

Grillen auf dem Stellplatz

Camping ohne Grillen geht überhaupt nicht und gehört einfach dazu. Doch obwohl der Holzkohlegrill dafür natürlich am besten wäre, ist er von vielen Campingplätzen leider verbannt. Wo es noch erlaubt ist sollte man sehr darauf achten, dass der Campingnachbar nicht täglich eingeräuchert vom eigenen Grill eingeräuchert wird, da sonst die gute Nachbarschaft bald zu Ende sein könnte.

Da der Elektrogrill von „echten“ Grillfans oftmals kategorisch abgelehnt wird, bleibt nur noch der Gasgrill. Hierbei gilt es jedoch auch zu beachten, dass manche Campingplätze strenge Vorschriften bei den Gastanks haben und z.B. nur ein Gastank von maximal 5 Litern erlauben. Dies sollte man ebenfalls vor der Anreise in Erfahrung bringen.

Hunde und Kinder erlaubt?

Ja, es gibt sie… zwar sehr wenige, doch sie existieren: Campingplätze, die keine Hunde erlauben, oder in manchen Fällen nur maximal 1 oder 2 kleine etc. Andere haben sich sogar zum Only-Adults-Platz verwandelt, so dass Familien leider unerwünscht sind. Ansich ist das ja alles legitim und nicht weiter schlimm: außer, man steht mit Hund, Kind und Kegel an der Pforte des Campingplatzes und einem wird der Zugang verwehrt. Das kann dann sehr frustrierend sein. Um sicher zu gehen, sollte man also in den Regeln des jeweiligen Platzes schon bei der Informationssammlung genauer ansehen.

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Foto von AngelaBuserPhoto von iStockphoto

Was ist im Platzpreis inbegriffen?

Gerade die Kosten sind für viele Camper bei der Stellplatz-Auswahl ausschlaggebend. Oftmals ist der erste Preis, den man sieht, jedoch nicht der Endpreis. Dieser kann sich hinsichtlich verschiedener Faktoren noch erhöhen, inklusive Personenzahl, sowie grundsätzlicher Versorgung wie Strom, Wasser und Internet.

  • Personenzahl: es gibt Campingplätze, die einen Preis pro Wohnmobilstellplatz verlangen, egal wieviele mitreisende Personen im Wohnmobil sind. Andere hingegen rechnen dazu noch pro Person ab, bzw. Kinder und Hunde werden noch extra berechnet. (Sehr hundefreundliche Campingplätze lassen Hunde umsonst mit auf den Platz.)
  • Internet gehört heutzutage zum täglichen Leben dazu und ein funktionierender Internetanschluss bzw. Wifi wird von den Campingplätzen erwartet. Manche stellen diese gratis zu Verfügung. Andere lassen sich dafür noch gut bezahlen, gerne auch in gestaffelten Preisen bis hin zur teuren Premiumversion.
  • Strom und Wasser: auch hier gibt es große Unterschiede. Während bei einigen Plätzen Frischwasser und Strom pauschal im Stellplatzpreis eingerechnet sind, wird bei anderen am Ende des Aufenthalts jedoch nach Verbrauch abgerechnet werden. Besondere Stromfresser wie Klimaanlagen werden zudem gerne noch etwas teurer abkassiert. Somit könnte beim Aus-Checken noch der große Schock kommen, wenn plötzlich die Stromrechnung über einem hereinbricht.

Tipp: Oftmals ließt man, dass Wasser- und Abwasserversorgung vorhanden sind. Hierbei muss unterschieden werden, ob die Parzelle einen eigenen Anschluss für Wasser- und Abwasser hat (was die wünschenswerte Option wäre) oder ob es lediglich einen zentralen Wasser- und Abwasseranschluss für alle Camper der Platzes gibt, was das ganze etwas umständlicher macht.

Passend zum Thema: Campingplatz Kosten – nicht alles ist inklusive!

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Foto von makasana von iStockphoto

Sonne oder Schatten?

Nicht nur der Untergrund, auf dem das Fahrzeug steht, ist bei der Suche nach dem optimalen Wohnmobilstellplatz wichtig. Auch was sich über dem eigenen Dach befindet bzw. nicht befndet, kann durchaus ausschlaggebend sein.

Im Hochsommer werden die meisten ein Schattenplätzchen der prallen Sonne vorziehen. Im Winter wird es genau anders herum sein. Wer Solarzellen auf dem Dach hat wird natürlich nicht so gerne komplett im Schattenloch stehen.

Ein Stellplatz unter Bäumen und in Waldgebieten ist nicht nur ein Garant von Schatten, sondern hat diesen tollen Flair, wie nur Mutter Natur ihn bieten kann. Doch auch hier gibt es teilweise Nachteile, denen Camper lieber aus dem Wege gehen: Bäume harzen sehr gerne, was eine nachträgliche, aufwendige Reinigung des Daches zur Folge hat. Zudem besteht im Herbst die Gefahr, dass Kiefern ihre Tannenzapfen abwerfen und bei fast jedem Windstoß das Fahrzeugdach eine Ladung abbekommt.

Fazit

Den optimalen Wohnmobilstellplatz zu finden, ohne dass man direkt vor Ort ist, könnte sich manchmal etwas schwierig gestalten. Doch heutzutage kann man dank Internet, YouTube-Videos, Social Media etc recht viel schon vor der Anreise über den Campingplatz und seine Wohnmobilstellplätze in Erfahrung bringen. Die ganze Recherche wird zwar etwas Zeit in Anspruch nehmen, doch letztendlich plant man ja einen Urlaub. Der Vorfreude wird es also keinen Abbruch tun, ganz im Gegenteil.

Als allererstes sollte man sich genau überlegen, was man persönlich von einem Stellplatz erwartet und anhand dessen kann man sich gezielter auf die Suche begeben. Eine aktive Kommunikation mit dem Campingplatz kann dabei ausschlaggebend sein und wichtige Fragen sollte man direkt per email oder Telefon abklären. Ist man erst vor Ort, dann ist es meist zu spät.

Titelfoto von Barish Baur von iStockphoto

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Wer eine kurzfristige Reise plant, der kann entweder die jeweiligen Campingplätze anschreiben oder anrufen, oder sich anhand verschiedener Apps und Webseiten über mögliche Optionen informieren.

Zu den beliebtesten Apps unter Campern zur Stellplatzsuche gehören: PinCamp, Stellplatz-Radar, park4night, camping.info, Landvergnügen