Campingurlaub… lange Zeit war diese Urlaubsform als spießig, altmodisch und langweilig verpönt. Junge Leute wurden auf den Campingplätzen nur selten angetroffen, da diese eher im Cluburlaub auf den Malediven oder auch am Ballermann auf Mallorca gesehen wurden. Auch aufgrund ökonomischer Gründe konnten sich meist nur Rentner ihr eigenes Wohnmobil leisten und hatten genügend Zeit, damit auch auf Tour zu gehen. Mit dem Trend zu kompakteren, alltagstauglichen Campervans sind nun auch jüngere Leute auf den Geschmack des Campings gekommen. Auch der trendende Hashtag #Vanlife hat sicher zur steigenden Popularität beigetragen.

Verjüngung der Campergemeinde

Laut der neuesten Statistiken waren 2021 schon 45,5% der Camping-Urlauber in Deutschland unter 39 Jahre alt. Betrachtet man den Anteil bis 49 Jahre sind es sogar schon 63% und das obwohl diese Altergruppe nur 49% der Gesamtbevölkerung ausmacht. Somit waren im Vergleich zum Bevölkerungsanteil überproportional viele Menschen bis 49 Jahren in 2021 beim Campen.

Camping-Urlauber nach Alter

Quelle: Statista.com

Aktuelle Gründe der Verschiebung der Zielgruppe

Obwohl die Campingindustrie auch schon vor der Pandemie einen gewissen Zuwachs zu verzeichnen hatte, wurde durch Corona diese Urlaubsform zum absoluten Renner. Natürlich lag dies zu großem Teil auch daran, dass es lange praktisch die einzig wirkliche Alternative war, um überhaupt reisen zu können, da Hotels geschlossen wurden, Flüge gecancelt und Einreisestopps ausgerufen wurden. Lediglich mit dem eigenen Wohnmobil konnte man sich freier bewegen und auf plötzliche Änderungen flexibel reagieren.

Nichtsdestotrotz hielt der Trend auch nach den wesentlichen Lockerungen im Tourismusbereich weiterhin an. Camping Messen wie der Düsseldorfer Caravan Salon waren extrem gut besucht und die große, anhaltende Nachfrage nach Reisemobilen bringen die Hersteller an ihre Kapazitätsgrenze. Ohne monatelange Warteliste sind die meisten Modelle kaum zu bekommen. Deshalb kann davon ausgegangen werden, dass das Interesse vorerst nicht so schnell wieder verebben wird.

Camping als trendender Lifestyle für junge Leute

Junge Leute wurden auf Reisen im Wohnmobil hauptsächlich durch die sozialen Netzwerke aufmerksam. Der Hashtag #Vanlife war plötzlich überall vertreten und man verfolgte im eigenen Lockdown die Camping-Reisen sogenannter Reiseblogger. Durch die schönen Bilder und die zelebrierte Freiheit beim Reisen trotz Corona wurden Sehnsüchte beim Betrachter geweckt, die zuvor so nicht bestanden. Oftmals began die Geschichte der Influencer mit dem Eigenausbau eines Vans, bzw. eines Kastenwagens oder eines ähnlich kompakten Transporters, die plötzlich in Eigenregie zu kleinen, dekorativen und vor allem stylischen Mini-Wohnungen umgewandelt wurden. Diese Transformation inspirierte Follower und die Fangemeinde z.B. von dementsprechenden Instagram Konten stieg rasch an.

Da viele Büroangestellten ins Home Office geschickt wurden, gab es den ein oder anderen, der das „Home“ in Home Office etwas kreativer interpretiert hat und plötzlich wurden es immer mehr, die von ihren sogenannten „Workation“ geschwärmt haben. Einfach Laptop raus und plötzlich konnte man von überall seine Aufgaben erledigen, wo es genügend schnelles Internet gab. Da scheinbar die Arbeit nicht unter den wechselnden Aufenthaltsorten litt, hatten auch die Arbeitgeber kein Problem mit der Angelegenheit. Einige konnten sogar einen Anstieg in Produktivität ihrer Angestellten feststellen. Da sich die allgemeine positive Gemütseinstellung und Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter auf die Arbeit zu übertragen schien, waren die Ergebnisse überwiegend positiv. Einer hybriden Arbeitsweise scheinen somit also auch nach der Pandemie die Türen offen zu stehen, was das Campen als auch noch weiterhin attraktiv und mit dem eigenen Lifestyle inklusive Arbeitsleben auch auf lange Sicht hin äusserst kompatibel erscheinen lässt.

Campervans machen Camping für junge Leute erschwinglich

Teil- und vollintegrierte Wohnmobile sind sicher der Traum von vielen Campern jeder Altersklasse, doch meist scheitert der Kauf eines eigenen Fahrzeuges an verschiedenen Faktoren. Allem voran an der fehlenden Kaufkraft der jungen Leute, denn große Reisemobile sind alles andere als günstig. Da überlegt man sich schon sehr ernsthaft, ob man eine so große Investition tätigen soll bzw. kann. Die Frage, die man sich hier stellt ist, ob es sich tatsächlich lohnt, in ein Fahrzeug so viel Geld zu investieren, welches man vermutlich nur wenige Wochen im Jahr benutzt und ansonsten nur ungenutzt vor dem Haus steht und zusätzlich selbst dabei noch Kosten verursacht.

Deshalb wurden die Campervans zu wahren Gamechangern: da diese sehr kompakt und somit auch für den täglichen Gebrauch als „normales“ Fortbewegungsmittel durchaus denkbar sind, wird die Investition rentabler. Der Campervan wird also nicht zusätzlich als Zweitfahrzeug angeschafft, sondern dient sowohl zum Reisen als auch in der täglichen Routine als Transportmittel. Zudem kann man damit spontan am Wochenende in die Berge oder ans Meer fahren. Diese Aussichten machen gerade für junge Leute den Kauf eines eigenen Campervans sehr attraktiv.

Die Hersteller haben diese Nachfrage ebenfalls bemerkt und bieten abgespecktere Versionen ihrer Marke an, die somit auch erschwinglicher werden. Auch wird der Trend der digitalen Nomaden, also der Personen, die von unterwegs am Computer arbeiten, für neue Produktideen genutzt und verstärkt angeboten. Ein Beispiel hierzu findet man in unserem Artikel:

Home Office on Wheels – Hersteller entdecken die neue Normalität

Fazit

Dass die Campergemeinde im Moment sehr jungen Nachwuchs bekommt hat nun sicher schon jeder eingefleischte Camping-Freund gemerkt. Die Campingplätze füllen sich und das Durchschnittsalter ist merklich gesunken. Hersteller und Händler von Campingprodukten richten sich vermehrt auf diese neue Zielgruppe aus und sehen langfristig großes Potential. Der Image-Wechsel des Wohnmobilisten vom spießigen Dauercamper zum hippen Reiseblogger und Influencer ist im vollen Gange und öffnet ganz neue Perspektiven für diese Reiseart. Wir dürfen gespannt sein inwieweit sich die Campergemeinde durch diese neuen Mitglieder verändern wird.

Foto von ViewApart von iStockphoto

Vanlife bedeutet aus dem Englischen übersetzt Leben im Van, umschreibt also einen Lebensstil, bei dem man teilweise oder Vollzeit in einem Camper lebt und von dort u.a. arbeitet.

Unter Campervans versteht man kompakte Campingbusse auf Basis eines Kleintransporters mit PKW-ähnlichen Maßen. Campervans bzw. Campingbusse sind wegen dieser kompakten Bauweise sehr wendig und lassen sich wie ein normaler PKW steuern, weshalb sie auch im alltäglichen Leben ohne Probleme genutzt werden können.

Campervans mit Aufstelldach

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