Camping-Reisen mit dem Wohnmobil sind so beliebt wie nie zuvor. Viele Urlauber, die sonst eher Flug- und/oder Pauschalreisen buchen, interessieren sich vermehrt für Camper. Was schon vor Corona ein ziemlich deutlicher Trend war wurde über die letzten Monate nun noch verstärkt.

Verschiedene Faktoren spielen hierbei eine wichtige Rolle: die Ungewissheit des gesamten vergangenen Jahres hinsichtlich möglicher Grenzschließungen, Quarantäne- und Testpflichten, möglicher (plötzlicher) Beherbergungsverbote, aber auch die Unsicherheit über das weitere Bestehen der Reiseveranstalter sowie Fluggesellschaften u.v.m. ließen eine “normale” Urlaubsplanung einfach nicht zu.

Doch auf den langersehnten Urlaub verzichten, wenn er denn unter bestimmten Umständen zumindest wieder möglich wäre? Das ist für viele unvorstellbar. Deshalb wurde das Wohnmobil sozusagen zur Rettungsinsel: (orts-)unabhängig, flexibel und spontan reisen scheint durch die eigenen 4 Wände auf Rädern endlich möglich und krisensicherer zu sein. Doch was kostet Wohnmobil-Urlaub denn eigentlich?

Camping als Urlaub zum Spartarif?

“Camping hört sich nach viel Spaß an und man kann sogar noch Geld sparen.” Zumindest das scheinen viele Neulinge von dieser Art des Urlaubs zu erwarten. Doch ist Camping wirklich günstiger als der übliche Hotelaufenthalt? Die Antwort auf “Was kostet Wohnmobil-Urlaub?” ist schwierig und lässt sich am besten so formulieren: es kommt darauf an!

Zuviele Faktoren spielen hier eine ausschlaggebende Rolle! Man kann jedoch davon ausgehen, dass ein Urlaub im Wohnmobil mehr vorherige Planung (Reiseroute, Budget etc) benötigt als eine Pauschalreise, die einem praktisch schon fertig ausgearbeitet inkl. Transport, Unterkunft, Essen und Trinken sowie Unterhaltungsprogramm vorgelegt wird und man nur noch die Koffer selbst packen muss.

Während Pauschalurlaub für viele ein Traum ist, da er Entspannung und Erholung zu garantieren scheint, ist er für andere ein langweiliger Albtraum. Selbstbestimmung und persönliche Flexibilität sind Prioritäten, die bei Campern mehr denn je zu finden sind. Auch die neugewonnene Bewegungsfreiheit, die man früher als gegeben hingenommen hatte, wird wieder viel bewusster wahrgenommen und ausgenutzt.

Die eigene, persönlich ausgerichtete Planung des Urlaubes und in diesem Zusammenhang selbst die Budgetberechnung können aktiv zur Vorfreude noch vor Reiseantritt beitragen. Eines sei vorweg gesagt: vom vergleichsweise günstigen bis hin zum Luxus-Campingurlaub ist alles möglich. Die Entscheidung darüber liegt komplett in der Hand des Reisenden und mit der richtigen Planung sowie der Einhaltung des persönlichen Budgets ist selbst ein Low-Cost-Urlaub möglich. Im folgenden stellen wir einige Überlegungen vor, die für die Vorbereitung des eigenen Campingurlaubs wichtig sein könnten.

Wann und wie?

Allem voran sollte man sich darüber Gedanken machen, für wann man seinen Urlaub planen möchte. Generell gilt auch beim Campen, dass zu Zeiten von Schulferien die Preise am höchsten sein werden, sowohl bei der Wohnmobilmiete (die mitunter fast doppelt so hoch im Vergleich zur Nebensaison sein kann) als auch bei den Gebühren von Stell- und Campingplätzen.

Und hier kommen wir auch schon zum nächsten wichtigen Punkt: sollte man das Wohnmobil erstmal nur mieten oder lohnt sich sogar die Investition in ein eigenes Fahrzeug? Wer diese Überlegung in Erwägung zieht wird hier zum Thema fündig. Ist die Investition schon getätigt, dann kann der Campingurlaub gefühlt sehr günstig werden. Muss man jedoch ein Wohnmobil anmieten ist neben der eigentlichen Miete auch die nötige Kaution von ca 1000-1500 Euro nicht zu vergessen. Dieses Geld bekommt man zwar wieder, wenn man das Fahrzeug heil wieder abliefert, dennoch muss diese Summe einkalkuliert werden.

Wohnmobil ist nicht gleich Wohnmobil

Welcher Wohnmobiltyp ist für mich und meine Bedürfnisse am besten zugeschnitten? Hier gibt es verschiedene Ausführungen, die sich hauptsächlich in der Anzahl der Sitz- und Schlafmöglichkeiten unterscheiden sowie z.B. der Präsenz von Dusche und WC. Folglich spielt die Art des Fahrzeuges beim Preisgefüge eine große Rolle. Beispiel: Im Gegensatz zum preisgünstigen Campster für 2 Personen ohne Dusche und WC ist ein großer Alkoven für bis zu 6 Personen mit Küche, Bad und abgetrennten WC um einiges teurer in der Miete.

Auch die Ausstattung kann übrigens den Mietpreis beeinflussen. Viele Vermietungen scheinen auf den ersten Blick um einiges teurer zu sein als andere. Dies könnte jedoch an der inkludierten Ausstattung liegen: ist grundlegendes wie Geschirr, Besteck, Bettwäsche, sowie elektronische Geräte, Campingmöbel etc schon vorhanden bzw kann man mit einer Zuzahlung diese Ausstattungsmerkmale dazumieten? Oder muss dies alles noch extra besorgt werden?

Wenn man vorerst nur einen einzelnen Urlaub mit dem Wohmobil plant macht es natürlich keinen Sinn bestimmte Ausstattungsmerkmale dafür selbst anzuschaffen und man fährt unterm Strich günstiger mit einem umfassenden Vermietpaket. Wer seinen Hund mitführen möchte sollte sich ebenfalls zuvor informieren welche Vermieter dies zulassen oder dafür extra Geld verlangen. Es gibt inzwischen sogar Anbieter, die ihr komplettes Mietkonzept auf die Fellnasen ausgerichtet haben. Mehr Infos dazu gibt es hier.

Neben den Mietkosten sollte zudem der Benzinverbrauch des Fahrzeugs nicht unterschätzt werden. Größe, Gewicht, Alter, der Fahrzeugtyp, aber auch die Fahrweise und sogar der Reifenluftdruck spielen hinsichtlich des Benzinverbrauchs entscheidende Rollen.

Wie lange darf der Urlaub sein und wohin soll es gehen?

Auch die Länge der Reise ist ausschlaggebend für die anfallenden Urlaubskosten. Geht es nur um ein verlängertes Wochenende oder doch um Wochen oder sogar Monate? Gerade bei der Wohmobil-Miete gilt: je länger der Zeitraum desto mehr Rabattmöglichkeiten gibt es bei der täglichen Rate.

Welches Reiseziel soll es sein? Natürlich gibt es eine Unzahl von verschiedenen Möglichkeiten wohin man mit dem Wohnmobil reisen kann: innerhalb Deutschlands bzw. Europas oder doch bis in die weite Ferne nach Australien, USA, Kanada oder sogar bis ins bei Campern sehr beliebte Island.

Anreise als Kostenfaktor für den Wohnmobil Urlaub

Innerhalb Deutschlands ist die Anreise innerhalb eines Tages je nach Entfernung des Zielortes locker zu schaffen und nicht mit speziellen Ausgaben verbunden. Doch bei europaweiten Reisen muss man sich überlegen, ob man die Anreise schon mit dem Wohnmobil zurücklegt oder doch eher aus Kosten- oder Organisationsgründen mit Auto, Bahn, Fähre oder Flugzeug und letztendlich das Wohnmobil vor Ort mietet. Einige Wohnmobilvermieter berechnen zudem ab einer bestimmten Kilometerzahl einen Aufschlag. Die (weite) Anreise ansich kann also in vielerlei Hinsicht schon einen großen Teil des Budgets ausmachen.

Über länderspezifische Extrakosten wie z.B. Kurtaxe, Tourismusabgaben oder auch nötige Vignetten und Mautgebühren sollte man sich lieber im voraus informieren und das Geld einkalkulieren, um unerwartete Überraschungen zu vermeiden.

Roadtrip oder fixer Stellplatz

Eine weitere Frage, die man sich stellen sollte: möchte ich lieber einen sehr aktiven Erkundungsurlaub, sprich einen Roadtrip mit mehreren Stationen während der gesamten Reise oder doch eher eine ruhigere, entspanntere Version fix auf einem bestimmten Campingplatz für die gesamte Dauer mit gelegentlichen Ausflügen in die Umgebung?

Davon ausgehend wählt man die Art der Stell-oder Campingplätze aus, die den eigenen Bedürfnissen am besten gerecht werden. Wer lediglich einen sicheren Platz für die Nacht auf der Durchreise mit Strom- und Wasseranschluss benötigt ist mit einem Stellplatz in schöner Umgebung meist schon zufrieden, denn tagsüber wird auf eigene Faust die Gegend erkundet, sei es zum Fahrrad fahren, Wandern, Kajakfahren o.ä.. Dahingegen lassen manche Campingplätze mit ihren organisierten Aktivitäten, Swimmingpools, Geschäften und Restaurants (teils sogar mit Halb- bzw. Vollpension) schon fast an einen Cluburlaub erinnern und sind ausreichend für die komplette Urlaubszeit. Das schöne ist, dass es für jeden die perfekte Konstellation gibt, doch dies natürlich zu verschiedene Preisgefügen, die zudem noch von Land zu Land unterschiedlich sind.

Eine weitere Art der Übernachtung ist das freie Stehen, welches zwar in einigen wenigen Ländern wie Schweden und Albanien unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt ist, jedoch in vielen anderen Länder komplett verboten. Wildcampen, wie es ebenfalls genannt wird, kann zwar zu erheblichen Kostensenkungen verhelfen, doch eben nicht dort, wo es unerlaubt durchgeführt wird: hier kann es durch Strafen sogar sehr teuer werden, wenn man dabei erwischt werden sollte.

Mehr Personen, mehr (Extra-)Kosten

Mit wieviel Personen wird man die Reise antreten? Alleine, zu zweit oder doch mit der gesamten Familie? Nicht nur wegen der normal anfallenden erhöhten Kosten für die Grundversorgung z.B. mit Lebensmitteln sind Urlaube mit einer größeren Personenzahl teurer. Wer mit Kindern reist weiss, dass man hin und wieder recht schnell vom eigentlichen Budget abweicht aufgrund der verschiedensten Situationen: hier ein Eis, da ein Getränk, hier ein Ponyreiten, da eine Tretbootfahrt usw. Man ist schließlich im Urlaub und trotz der besten Planung wird es immer plötzliche Ausgaben geben, die zuvor nicht eingeplant waren.

Doch wenn man ehrlich ist bezahlt man diese trotzdem gerne, denn schließlich ist man ja im Urlaub und gerade jetzt nach Monaten voller Einschränkungen haben sich die Kinder den ein oder anderen zusätzlichen Spaß verdient. Diese Kosten können zudem trotz All Inklusive Urlaub auftreten, sobald man das Resort für Ausflüge und / oder Erkundungstouren auf eigene Faust verlässt und sind somit nicht unbedingt nur Camping-spezifische Ausgaben.

Geld sparen durch Selbstverpflegung im Campingurlaub

Selber kochen im Wohnmobil könnte der ausschlaggebende Sparfaktor im Gegensatz zum normalen Hotelaufenthalt (ohne Halb- oder Vollpension) sein. Rein theoretisch kann man sich von morgens bis abends selbst bekochen und versorgen. Lediglich die hiesigen Preise in den Supermärkten könnten hier das Budget beeinflussen. Wer schon in Skandinavien unterwegs war kann bestätigen, dass dort das Einkaufen von Lebensmitteln vergleichsweise teuer sein kann.

Auch sollte man nicht vergessen, dass man trotz allem im Urlaub ist und gerade die landestypischen Speisen wollen hier und da genossen werden. Und wenn man ehrlich ist: wer hat schon Lust 3 Mal am Tag während des wohlverdienten Urlaubes zu kochen und danach wieder abzuspülen? Irgendwann will man sich ja auch entspannen bzw etwas gönnen. Also sollte eine gewisse Summe für Essen und Trinken ausserhalb des Wohnmobils eingerechnet werden, welche man ohne schlechtes Gewissen ausgeben kann.

Fazit – günstiger Urlaub oder teurer Freizeitspaß? Was kostet Wohnmobil-Urlaub?

Für viele Einsteiger hatte der Campingurlaub bisher noch den Ruf als Garant für einen “günstigen” Urlaub, wahrscheinlich weil man immernoch an die eigene Jugendfreizeit im Zeltlager denkt, zu der man von den Eltern geschickt wurde, weil es eine einfache und preiswerte Art war die Kinder in die Ferien zu schicken. Oder weil damals der Cluburlaub oder Flugreisen für die gesamte Familie einfach unerschwinglich war.

Auch heute noch kann man, v. a. wenn man in den eigenen Landesgrenzen bleibt, einen sehr günstigen Urlaub im Wohnmobil erleben, wenn dem so gewünscht ist. Doch bei Auslandsreisen kann man lange nicht mehr pauschal sagen, dass man mit dem Campingurlaub ein besseres Schnäppchen als mit dem Hotel- und/oder Cluburlaub machen kann. Gerade durch immer günstiger werdende Komplett-Pakete inkl. Flug und All-inklusive-Hotel kann dies für eine Familie um einiges preiswerter sein und auch weniger stressig.

Trotz allem steigt das Interesse am Campingurlaub weiterhin stark an. Die Kosten scheinen in diesem Fall nicht an erster Stelle zu stehen, vielmehr beeinflussen andere, neu gefundene Prioritäten die Entscheidungsfindung bei der Urlaubsplanung: Naturnähe, Draußen sein, Flexibilität, Mobilität, Individualität und Unabhängigkeit rücken in den Vordergrund und triumphieren im neuen Tourismustrend. Dafür werden höhere Kosten scheinbar gerne in Kauf genommen.

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