Vor allem in den 70er und 80er Jahre war Camping die günstigere Urlaubsalternative für Familien, um in den Urlaub zu fahren. Flugreisen in exotische Länder waren meist den Reichen vorbehalten und für den Normalverbraucher undenkbar.

Diese Zeiten haben sich längst geändert: Flüge wurden günstiger und All-inklusive Pakete machen auch für Familien mit Kindern Fernreisen erschwinglich. Im Gegensatz dazu scheint der Campingurlaub von mal zu mal teurer zu werden. Da fragt man sich: wie geht dieser Trend weiter? Wird Camping nun zum neuen Luxusvergnügen?

Caravan Salon 2021 setzt neue Trends

Wer in diesen Tagen die Berichte und Reportagen über die weltweit größte Campingmesse verfolgt hat, der kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Hersteller von Caravans,  Wohnmobilen und auch Zubehör übertrafen sich mit Innovationen und neuen Designideen.

Während vor ein paar Jahrzehnten die Reisemobile nur das grundlegendste an Bord hatten, gleichen diese heutzutage teilweise vollausgestatteten Appartments. Kein Wunsch bleibt offen. Doch mit den Annehmlichkeiten steigt auch der Preis der Fahrzeuge. Beim Besuch des diesjährigen Caravan Salons wird man das Gefühl nicht los, dass vermehrt wohlhabenderes Klientel als neue Hauptzielgruppe von den Herstellern angepeilt wird.

Die steigenden Ansprüche der Kunden z.B. nach mehr Komfort, fortschrittlicher Technik, Digitalisierung und Autarkie werden so gut wie möglich umgesetzt, jedoch alles zum entsprechend hohen Preis.

Hersteller erhöhen Fahrzeug-Preise

Wer sich die neuen Kataloge für 2022 anschaut wird unweigerlich merken, dass viele Wohnmobile der selben Marke, Ausführung und Ausstattung um einiges teurer geworden sind. Eine gewisse Preissteigerung jedes Jahr ist durchaus normal, doch in diesem Fall ist der Unterschied sehr auffallend und wie manche Wohnmobilisten in einschlägigen Facebook-Gruppen bemerken „exzessiv“. In einigen Fällen handelt es sich dabei um einige tausend Euro Differenz.

Die Hersteller haben dafür ihre eigene Erklärung: aufgrund der Pandemie haben viele Zulieferer wegen der Knappheit von Komponenten und Rohstoffen die Preise erhöht, Lieferketten wurden negativ beeinflusst und sind ins Stocken geraten. Folglich kann die im Gegensatz überproportional gestiegene Nachfrage nicht zeitgerecht bedient werden. In vielen Fällen liegt die Auslieferungszeit von selbst zusammengestellten Wohnmobilen bei ca. 9-12 Monaten. Neben der hohen Preise also auch eine lange Wartezeit, welche die Kunden scheinbar trotzdem problemlos akzeptieren.

Noch ein Zeichen mehr, dass sich die gesamte Campingindustrie derzeit in einem nie dagewesenen Boom mit hochmotivierten und kauffreudigen Konsumenten befindet. Dass diese uneingeschränkte, scheinbar durch nichts zu erschütternde Nachfrage somit ebenfalls die Preise beeinträchtigt wird sicher niemand bezweifeln bzw. abstreiten können.

Wohnmobile weiterhin stark nachgefragt

Campingindustrie_boomt

Steigende Preise bei Camping- und Stellplätzen

Nachfrage übersteigt Angebot

Aufgrund der steigenden Nachfrage wird es scheinbar immer schwieriger vor allem in der Ferienzeit einen Stellplatz zu bekommen. Vor ein paar Jahren noch war es gang und gäbe spontan zu den Campingplätzen zu fahren und ohne Probleme noch genügend Auswahl an Stellplätzen vorzufinden. Dies ist zum jetzigen Zeitpunkt eher utopisch. Nicht selten wird man schon am Eingang abgewiesen, da alles belegt ist. Wer keine Vorreservierung vorweisen kann, hat vermehrt schlechte Karten.

Preiserhöhung als Folge

Die Preise vieler Camping- und Stellplätze sind diesen Sommer im Vergleich zu vergangenen Jahren teils sehr rasant gestiegen. Hierfür gibt es verschiedene Gründe. Als erstes muss natürlich die schon erwähnte extrem hohe Nachfrage genannt werden, denn wie überall bestimmt auch hier die Nachfrage den Preis. Die Betreiber der Plätze erfreuen sich trotz der erhöhten Preise an immer mehr Kundschaft und somit mehr Einkommen. Nach langen Monaten der Zwangspause ist dies durchaus nachvollziehbar, wenn auch für die Gäste nicht optimal.

Hohe Investitionskosten

Auch nötig gewordene Investitionen in eine bessere Infrastruktur lassen die Preise in die Höhe gehen. In den 70ger Jahren waren Campingplätze meist nur simple Stellpätze mit sehr einfachen Sanitäranlagen. Heutzutage erwarten die Kunden jedoch sehr viel mehr für ihr Geld. Ein neuer Trend ist das sogenannte „Glamping“, also glamuröses Camping. Will heißen, dass gerade viele der Neucamper gerne den Charme des Campings genießen, jedoch dabei nicht auf einen gewissen Luxus verzichten möchten. Zusätzliche Angebote wie z.B. Pools, Restaurants, Shops, Spas, Kinderbetreuung und Animation werden von vielen Interessenten vorausgesetzt. Um all dies bieten zu können, müssen Investitionen vorgenommen werden und die laufenden Kosten eines Campingplatzes für die Betreiber steigen dadurch natürlich stark an. Die Preise müssen folglich dahingehend angepasst werden.

Nachteile des Booms

Langjährige Camper beobachten die ganze Entwicklung etwas kritischer und der ein oder andere sehnt sich nach den Zeiten zurück, wo Camping noch eher eine Randerscheinung bei den Urlaubsarten war und die Campergemeinde ein überschaubares, intimes Grüppchen. Alle waren per Du, man grüßte sich von Wohnmobil zu Wohnmobil auf der Straße, sowie von Camper zu Camper auf dem Campingplatz. Wenn Not am Mann oder Frau war wurde sofort und ohne zu zögern geholfen, egal ob beim Auf- oder Abbau oder z.B. bei plötzlich aufkommenden Unwettern auch die Markise oder das Vorzelt des Campingplatz-Nachbarn mitgesichert werden musste.

All dies scheint vor allem in den letzten 2 Jahren etwas gelitten zu haben, bzw. das Gefühl der Gemeinschaft scheint vielerorts abhanden gekommen zu sein. Oftmals nicht mit Absicht sondern aus reiner Unwissenheit der Neucamper dieser ungeschriebenen Gesetze. Mit den Massen kommt die Anonymität und das Ganze verliert den exklusiven Flair.

Fazit

Die Campingindustrie ist im Moment so lukrativ wie nie zuvor und das für alle Beteiligten (ausgenommen der Gäste)! Hersteller von Caravans und Wohnmobilen haben ein so großes Auftragsvolumen, dass sie der Nachfrage kaum hinterherkommen. Camping- und Stellplätze sind meist ausgebucht und ohne Vorreservierung findet man nur schwer einen Platz. Vor allem Neucamper scheinen alle Preise so zu akzeptieren, wie sie ihnen vorgelegt werden, ohne diese anzuzweifeln oder zu hinterfragen.

Es wird sehr interessant zu beobachten sein, wie sich das ganze über die kommenden Jahre entwickeln wird. Bleibt Camping ein wichtiger Teil der Tourismusindustrie, so wie es sich im Moment abzeichnet? Oder ist es nur ein vorübergehender Trend, angeheizt durch die Pandemie und deren Nebeneffekte, die das Reiseverhalten der Deutschen direkt beeinflusst haben? Werden die Neubesitzer der hochpreisigen Wohnmobile diese auch in naher Zukunft noch kontinuierlich nutzen oder sie nach kurzer Zeit wieder auf den Markt werfen, da Camping doch nicht das richtige für sie ist?

Wir dürfen in jedem Fall gespannt sein.

Foto von iStockphoto.com von jacoblund

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Wohnmobil mieten oder kaufen?

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Je nachdem ob man nur die obligatorische Haftpflichtversicherung hat oder aber den Versicherungsschutz erweitert, können die Kosten für die Versicherung sehr unterschiedlich sein. Der Preis für die jährliche Absicherung liegt hier zwischen 200 und 1.000 Euro.

Wer auf den Preis achten muss, sollte nicht unbedingt vor den Sommerferien kaufen. Die beste Zeit ein gebrauchtes Wohnmobil zu kaufen ist im Herbst und Winter.